Victor Norrefeldt, Forscher am Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) in Oberlaindern, zeigt den „Schutzhimmel“, den er und sein Team gerade entwickeln; dieser soll darunter stehenden Personen sogar Schutz vor Coronaviren bieten.
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Victor Norrefeldt, Forscher am Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) in Oberlaindern, zeigt den „Schutzhimmel“, den er und sein Team gerade entwickeln; dieser soll darunter stehenden Personen sogar Schutz vor Coronaviren bieten.

Neues vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik in Valley

Forscher am IBP entwickeln Corona-„Schutzhimmel“

  • vonHeidi Siefert
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Am Fraunhofer-Institut in Oberlaindern bei Holzkirchen tüfteln Experten an einem Gerät, das vor einer Corona-Infektion schützen soll: einem „Schutzhimmel“, der punktgenau die Luft filtert.

Oberlaindern – Sicherheit für Schalterbeamte oder Kassenkräfte, die im Supermarkt durch die obligatorische Plexiglasscheibe nur teilweise vor Viren sicher sind. Das versprechen sich Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP in Oberlaindern (Gemeinde Valley) von einem Luftfiltergerät, an dem sie gerade arbeiten. Der „Schutzhimmel“ soll für Menschen in exponierten Positionen das hohe Risiko minimiert, an Covid-19 zu erkranken. Die Leitung der Gruppe liegt bei dem Otterfinger Victor Norrefeldt. Das Besondere am „Schutzhimmel“: Er schirmt alle unter ihm befindlichen Personen durch einen steten Luftstrom von der Umgebungsluft ab. „Schneller als erwartet haben wir schon Interessensbekundungen von der Industrie bekommen“, berichtet Norrefeldt. Aktuell wird das Gerät auf der online veranstalteten BAU präsentiert, der weltweit größten Fachmesse für Architektur, Materialien und Systeme.

Die Idee zu der Entwicklung sei im Frühling entstanden, als Corona erstmals massiv in den Alltag einbrach, erklärt Norrefeldt, der die Flug- und Fahrzeugklimatisierung am IBP leitet. Auf dem Testgelände im Oberland beschäftigt sich die Gruppe mit thermischem Komfort in Fahrzeugen und Flugzeugen, also wie man einem einzelnen Passagier ein möglichst komfortables Umfeld schaffen kann, in dem dieser sowohl einen kühlen Kopf, als auch warme Füße behält. Norrefeldt: „Mit dem Klimahimmel können wir gezielt einzelne Plätze kühlen.“

Nutzer bekommt eigene Sphäre - sicher vor Corona-Viren

Im Labor werden Luftströmungen erzeugt und mit einem Tracergas versehen, das sichtbar macht, wohin die Luft strömt. Der Grundgedanke war, das Gerät mit möglichst einfachen, am Markt verfügbaren Komponenten zu realisieren, die nirgends in einem Gebäude verbaut werden müssen. Die Forschergruppe bewarb sich damit für das internationale Programm „Fraunhofer gegen Corona“. Zu Ostern wurde es bewilligt, und seither bringen es neun Experten aus Oberlaindern aus unterschiedlichen Sparten wie Raumklima, Sensorik und Werkstatt sowie ein Kollegen aus Stuttgart voran.

Mit „Geräten von der Stange, sehr guten Filtern und einem Luftauslass von der Stange, den wir geringfügig bearbeitet haben“, bauten Norrefeldt und sein Team ein vergleichsweise handliches Gerät, das wie ein moderner Ampelsonnenschirm konstruiert ist. Auf Rollen montiert, kann die etwa 2,5 Meter hohe Anlage mit einer Grundfläche von einem Quadratmeter leicht an den Einsatzort transportiert werden. Dort funktioniert sie wie eine schützende Glocke, saugt die Raumluft an, schickt sie durch einen extrem feinen Luftpartikelfilter, der selbst Viren zurückhält, und lässt die saubere Luft wie bei einer Dusche über den Arbeitsplatz strömen, ohne dabei Zugluft zu erzeugen.

„Noch gibt es nichts, was man im Katalog bestellen könnte“, sagt Norrefeldt. Ein Gerät zum Demonstrationszwecken gibt es bereits. Mit dem wurde auch die Funktionalität vermessen und nachgewiesen, dass in einen Raum emittierte Aerosole nicht unter den „Schutzhimmel“ eintreten konnten.

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