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Forschung mit Blick auf die Berge: Das Gelände des Fraunhofer-Instituts in Oberlaindern wird im Südwesten, am Nordrand des Golfplatzes, erweitert (Fläche im Hintergrund der beiden neu gebauten großen Hallen, r.).

„unorganische dornartige Erweiterung“

Fraunhofer-Erweiterung: Scharfe Kritik vom Kreisbaumeister

Valley macht den Weg frei für die Erweiterung des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik. Einige Gemeinderäte hadern aber mit dem Abschied vom Bergpanorama. Auch vom Landkreis kommt Kritik.

Valley – Dass in Oberlaindern an der Zukunft geforscht wird, ist nicht zu übersehen: Seit 60 Jahren hat das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) hier einen Sitz, vor rund zwei Jahren entstanden zwei mächtige Bauten, in denen an Großbauteilen wie etwa Flugzeugrümpfen geforscht wird. Zusätzlich wird nun in diesem Bereich eine dritte Halle für Baustoffrecycling geplant. Durch die dichte Bebauung braucht das Institut mehr Platz für seine Freiland-Versuchsbauten: Die Forschung lebt davon, dass die Witterung am Standort in Oberlaindern extrem ist – mit viel Sonne, reichlich Niederschlägen und hohen Temperaturschwankungen. 

Und die muss möglichst ungebremst auf die Versuchbauten einwirken können. Das Institutsgelände soll deshalb wie berichtet im Süden wachsen: 3,2 Hektar landwirtschaftliche Fläche, die bisher der Gemeinde gehörten, sollen dem Sondergebiet Forschung zugeschlagen werden. Der Gemeinderat weist das Baurecht für die Versuchsbauten derzeit mit Änderungen des Flächennutzungs- und des Bebauungsplans aus. Nun lagen dem Gremium die Ergebnisse der ersten Auslegung vor.

Kritik erntete die Gestalt der Fläche: 

Ein Wurmfortsatz vom Südrand des IBP-Geländes in Richtung Westen. Er lehne diese aus ortsgestalterischer Sicht strikt ab, teilte Kreisbaumeister Werner Pawlovsky mit, „weil sie eine völlig unorganische dornartige Erweiterung darstellt“. Laut Bürgermeister Andreas Hallmannsecker (FWG) steht aber Pawlovskys angeregte Alternative, ein Streifen der Wiese am Westrand des Institutsgeländes, gar nicht zur Verfügung – weshalb die Gemeinde dem Institut überhaupt erst die nun beplante Fläche anbot. Sowohl der Gemeinde und dem Gemeinderat als auch dem Institut selbst wäre die Alternativ-Fläche ebenfalls lieber gewesen, der Besitzer gebe sie aber nicht ab – beziehungsweise zu Konditionen, die nicht tragbar seien. Hallmannsecker verwies den Gemeinderat auf Inhalte der nicht-öffentlichen Sitzung, die der Geheimhaltung unterliegen. Eine Einigung zwischen Fraunhofer und dem Besitzer der Wiese sei definitiv nicht möglich. Das sei mit dem Kreisbauamt auch bereits besprochen, merkte Architekt Gerhard Krogoll an, der das Verfahren als Planer begleitet.

Der Appell des Kreisbaumeisters verhallte indes nicht ungehört. „Ortsplanerisch ist das eine Todsünde“, bekannte Hans Lindmeier (FWG). Das Bergpanorama von der Staatsstraße aus werde durch die Versuchsbauten im Süden verloren gehen. Vielleicht könne die Gemeinde doch noch zwischen IBP und Grundstücksbesitzer vermitteln.

Hallmannsecker sieht dafür keine Möglichkeit. Und die Gemeinde sei dem IBP verpflichtet: „Wir können nicht erst die Fläche verkaufen, und dann darf sie doch nicht bebaut werden“, betonte Hallmannsecker. „Wir können jetzt nicht den Rückwärtsgang einlegen.“ Dafür sei es nun zu spät, stimmte auch Josef Huber (Valleyer Liste) zu. Der Gemeinderat segnete die Pläne mit 11:4 Stimmen ab. Nun folgt eine zweite Auslegungsrunde, ehe sie satzungsreif gemacht werden.

Ein Bürger hatte sich mit Fragen gemeldet. Hans Wimmer wollte unter anderem wissen, ob durch das Vetorecht des IBP bei Bauvorhaben im Umgriff des Geländes auch landwirtschaftliche Bauten verhindert werden könnten; zwar plane er aktuell nichts, „aber wer weiß, was in zehn, 15 Jahren ist“. Hallmannsecker beschwichtigte, dass ein Einspruchsrecht nicht greife, sofern öffentlich rechtliche Ansprüche nicht berührt seien. Der nicht gewidmete, von der Gemeinde aber geduldete Feldweg, den der Landwirt nutzte, falle künftig weg: Er verläuft auf dem Grundstück, das nun zum Institut gehört.

Katrin Hager

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