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Für Volksfest und Co.: Bürgermeister im Anzapfen geschult

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Von: Alexandra Korimorth

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Anzapfen, Bürgermeister
Die Bürgermeister (oben v.l.) Klaus Thurnhuber, Josef Schaftari, Leonhard Wöhr, Bernhard Schäfer und Michael Falkenhahn ließen sich im Beisein von Merkur-Mitarbeiterin Alexandra Korimorth und Brauerei-Betriebsleiter Thomas Furtner von Braumeister Martin Zuber in die Geheimnisse des Bieranstichs einweihen. © Stefan Schweihofer

Endlich wieder Anzapfen: Nach der Corona-Pause steht den Bürgermeistern im Landkreis Miesbach ein Festmarathon bevor. In einem Kurs haben sie sich nun fürs „O‘zapft is“ schulen lassen.

Valley – So macht Fort- und Weiterbildung richtig Spaß. Gestern haben fünf Landkreis-Bürgermeister in der Schlossbrauerei Valley ihre Anzapf-Kompetenz geschärft. Braumeister und Anzapf-Profi Martin Zuber hat die Würdenträger für die kommenden Volks- und Dorffeste mit Bieranstich gerüstet.

Maibaumaufstellen, Pfingstfest, Burschenfest, Volksfest: Auch wenn die offizielle Bestätigung noch aussteht, dass die Traditionsfeste nach mehrjähriger, auch coronabedingter Zwangspause dieses Jahr alle wieder im Landkreis stattfinden, so wollen die Bürgermeister Bernhard Schäfer aus Valley, Klaus Thurnhuber aus Warngau, Leonhard Wöhr aus Weyarn, Michael Falkenhahn aus Otterfing und Haushams Vizebürgermeister Josef Schaftari doch vorbereitet sein. Vor allen Dingen fürs Anzapfen, das in den meisten Fällen den Bürgermeistern obliegt und das der ein oder andere entweder noch gar nicht exerziert hat oder aber seine Fähigkeiten für eingerostet hielt. Jedenfalls haben alle fünf Würdenträger die Einladung von Thomas Furtner, Betriebsleiter im Valleyer Schloss Bräu, zum Anzapf-Training freudig und dankend angenommen.

Experte: „Als g’scheiter Bayer muss man a Faßl anzapfen können.“

Der begrüßte im Namen von Gräfin und Graf von Arco die „Azubis“ im Festsaal des Schlossbräu, wo Ganter, ein leeres Holzfaß, Wechsel, Schlegel, Pfeiferl und jede Menge Sprödel bereit lagen. Was was ist, wofür und wie genau verwendet wird, erklärte Braumeister und Biersommelier Martin Zuber, der schon Bierköniginnen und Brauerei-Geschäftsführer in Sachen Bieranstich geschult hat: „Dass beim Anzapfen viel schiefgehen kann – erst recht, wenn man im Bierzelt steht und nervös wird in Anbetracht von vielen Zuschauern –, wissen wir alle. Dennoch: Als g’scheiter Bayer muss man a Faßl anzapfen können.“ Möglichst ohne Bierdusche und tunlichst, indem man dabei eine gute Figur macht.

Deshalb erklärte Zuber, gespickt mit Anekdoten von besonders peinlichen Anzapf-Momenten, die gängigsten Fehlerquellen. Aber auch die Herausforderungen wie älteres oder zu warmes oder gebeuteltes Bier, das den Druck im Faß erhöht.

Anzapfen, Bürgermeister
Bei den anschließenden Trockenübungen leitete Zuber seine Lehrlinge, wie auf dem Foto links Wöhr, genau an. © Stefan Schweihofer

Dann ging es zur Praxis. Zuber erläuterte den Vorgang: „Den Daumen durch das Küken und so den Wechsel immer g’scheit festhalten. Ebenso den Schlegel, der ein stabiles Handgelenk verlängert. Den Wechsel plan aufsetzen, zwei-, dreimal andüpfeln, nicht zu weit ausholen und gerade draufschlagen – bis der Wechsel sitzt, aber mindestens zweimal. Die Hand am Wechsel lassen, Drehbewegung zum Publikum, Schlegel nach oben und kräftig ‚O’zapft is!‘ rufen.“ Letzteres gehöre einfach zur Bier- und Volksfestkultur. „Das ist eine Zeremonie“, so der Fachmann. Beim Anzapfen läge in der Ruhe die Kraft. „Nur keine Panik, sondern konzentrieren und dabei auf den Wechsel fokussieren“, sagte Zuber.

Als Erstes machte sich Klaus Thurnhuber an die Trockenübung. Er bekannte, zwar Anzapf-Erfahrung zu haben, sich aber jedes Mal im Bierzelt „recht g’stellt“ zu haben. Voll konzentriert schlug er „aus der Grundposition wie beim Golf, mit dem Schlegel wie beim Tennis und mit einer sauberen Richtungsgebung wie beim Stockschießen“ zu. Vier Mal. Und vergaß dann fast das Wichtigste: das „O’zapft is!“ Damit stand er nicht allein. Alle Bürgermeister konzentrieren sich mehr auf den Anstich als auf die Siegerpose am Ende.

Nach der Trockenübung wurde es ernst

Alle hatten sie aber eine Riesengaudi. Zwei bis drei Mal übte jeder der Bürgermeister trocken, während Zuber von Durchgang zu Durchgang die Bewegung-Wort-Endposen-Koordination korrigierte. Valleys Bürgermeister Schäfer war schließlich der Erste, der die zeremonielle Handlung an einem frisch mit Bier gefüllten Fassl durchführen durfte. In Kürze wird er beim Pfingstfest in Darching anzapfen dürfen. Drei Schläge, ein kurzes und recht fotogenes Spritzen von Bier, dann sprudelte der goldgelbe Gerstensaft in die Maßkrüge.

Beim anschließenden Weißwurstfrühstück im Sudhaus waren sich die kommunalen Würdenträger einig, dass ihnen die Erklärung der Technik und das Einüben der Bewegung in Zukunft zu mehr Selbstsicherheit beim Ausüben dieses kulturellen Hochamts verhelfen werden. „Und wenn’s bei den Bayern schiefgeht, ist ja sowieso immer der Trainer schuld“, witzelte Schäfer in Richtung Ozapf-Coach Zuber. „Im Zweifel können wir es ja jetzt alles auf Dich schieben.“

Mehr Informationen

über die Anzapfkurse der Brauerei in Valley gibt es unter www.valleyer.de/aktuelles.

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