Mit Sinn für Fantasie: Sibylle Kobus, Gründungsmitglied des Valleyer Kunstdüngers, setzt schon mal mit Strohhalmen und Feinstrumpfhosen die Welt in einen neuen Kontext.
+
Mit Sinn für Fantasie: Sibylle Kobus, Gründungsmitglied des Valleyer Kunstdüngers, setzt schon mal mit Strohhalmen und Feinstrumpfhosen die Welt in einen neuen Kontext.

Gründungsmitglied des Kunstdüngers Valley

Gewaltig feinsinnig: Wie Künstlerin Sibylle Kobus mit filigranen Stoffen raumgreifend arbeitet

  • vonHeidi Siefert
    schließen

Ihre Werke sind gewaltig und feinsinnig: Künstlerin Sibylle Kobus vom Kunstdünger Valley arbeitet mit ungewöhnlichen Materialien wie Feinstrumpfhosen oder Muffinförmchen, und das raumgreifend. 

Valley – Sie legt filigrane Netze aus Strohhalmen oder gewährt tiefe Einblicke ins Innerste von Handtaschen. Mal lässt sie dicke Röhren aus transparent-dünn geschöpftem Papier durch Fenster und Stiegenhäuser quellen oder spannt textile Objekte zwischen Kirchenbänke oder unter Gewölbe. Sibylle Kobus’ Kunst nimmt Raum ein. Selbst dann, wenn sie mit kleinen, feinen Dingen arbeitet.

Wie mit den Papierförmchen für Muffins, mit denen sie den kupferglänzenden Sudkesseln im Brauhaus Valley einst ein filigranes Spitzenkleid verpasste. Mit Raumkunstwerken, Performances und Bühnenbildern vermag die Bildhauerin, die den Valleyer Verein Kunstdünger mitgründete, fantasievoll und unkonventionell gesellschaftliche Zusammenhänge auf den Punkt zu bringen und Gedanken Raum zu geben. Ihre reduzierten, aber ungewöhnlichen Bühnenbilder tragen ihren Teil dazu bei, dass einem unter anderem die Stücke des Theaters Kunstdünger lange in Erinnerung bleiben.

In Berlin geboren, führte Kobus’ Weg nach dem Studium der Kunstgeschichte in Marburg über Karlsruhe und Esslingen an die Holzbildhauerschule nach München, von wo aus es sie noch einmal in die Welt zog. „Ich bin auf die Walz gegangen“, erzählt die 54-Jährige – unter Frauen damals nicht üblich. 1992 brach sie zur zweijährigen Gesellinnenzeit auf, um „in der Fremde andere Sachen kennenzulernen“. Half beim Gerüstbau und Dachdecken, sammelte aber auch bei einem Restaurator und einem Steinbildhauer Erfahrung.

Sibylle Kobus gründete den Verein Kunstdünger in Valley mit

Über ihren Freundeskreis, mit dem sie in einer alten Brauerei in Stegen am Ammersee Kunstprojekte und Ausstellungen auf die Beine gestellt hatte, kam Kobus schließlich nach Valley, wo ihr Verein Kunstdünger im damals ungenutzten Valleyer Sudhaus seine Heimat fand. „Das ist 20 Jahre her“, sinniert die Künstlerin, die zusammen mit Christiane Ahlhelm, Tobel, Andreas Simon, Götz Winter, Christiane Nitsche und Klaus Koch den Verein zur „ausschließlichen und unmittelbaren Förderung der Kunst“ gründete.

Damals begann Kobus auch im Oberland, mit ihren Installationen und Aktionen besondere Akzente zu setzen. Bei Kunstdünger-Veranstaltungen, wo sie gewaltige Ikarus-Schwingen über die Valleyer Brauhaus-Treppen spannte oder von Astwerk befreite Stämme in der Skulptur-Lichtung auffächerte. Aber auch im Miesbacher Waitzinger Keller, wo sie vor drei Jahren gemeinsam mit Sabine Köhl zur Ausstellung „Tracht in Miesbach“ Schalk-Oberteile fliegen ließ und im Jahr darauf Oskar von Millers erstmalige Stromübertragung aus der Kreisstadt nach München unterhaltsam visualisierte.

Mit Respekt eignet sich Sibylle Kobus Räume an

Mit großem Respekt eignet sie sich ihr anvertraute Räume an und überschreitet in aller Behutsamkeit auch Grenzen, wie mit ihrer Installation „Glaube, Liebe, Hoffnung“ im Abschiedsraum des Gräfelfinger Friedhofes. Und nutzt vielfältige Materialien. Seit zehn Jahren greift sie häufig zu Feinstrumpfhosen, weil die ideal seien, Organisches zu modellieren. Verschlungen, verknotet, vernäht.

Dabei kommt Kobus auch ihre berufliche Erfahrung zu Gute. Um sich die Freiräume für eine Kunst zu schaffen, in der sie keine Kompromisse eingehen muss, um davon leben zu können, arbeitet sie mit Köhl als Bildhauerin in der Werkstatt des Deutschen Museums.

Beim Arbeiten auf dem Präsentierteller

Ist die Künstlerin Kobus am Werk, wird es in der Regel groß. Ihre Installationen von den Technikräumen im Waitzinger Keller über die Pasinger Fabrik bis zum Schiff der Lukaskirche in München sind gleichermaßen gewaltig wie feinsinnig. Sie selbst beschreibt sie als Langzeitperformances. Schon das Aufbauen ist ein Ereignis. „Zwei bis drei Wochen habe ich dann mein Atelier vor Ort“, erzählt die 54-Jährige. Manchmal geben Öffnungszeiten den Rhythmus vor. Und plant sie gern Zeit für den Dialog mit Passanten ein. Dass sie dabei auf dem Präsentierteller ist und auch die zwangsläufig immer bestehenden verletzlichen Phasen ihres kreativen Arbeitens öffentlich macht, setze voraus, dass sie angstfrei und mit sehr klaren ästhetischen und inhaltlichen Vorstellungen arbeitet. Was nicht heißt, dass am Ende alles genau so ausschaut, wie sie es zu Beginn im Kopf hatte. „Ich bin so’n Prozessmensch“, sagt Sybille Kobus und lacht.

Eine Auswahl aller relevanten News und Geschichten erhalten Sie in unserem kostenlosen Newsletter regelmäßig und direkt per Mail. Melden Sie sich hier an für Tegernsee, hier für Miesbach und hier für Holzkirchen.

sie

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare