Beim Einsatz beim Hochwasser am 4. August 2020 hat die Feuerwehr Mitterdarching in der Bergstraße/Ecke Weidmoosweg in Oberdarching Sandsäcke ausgelegt.
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In Einsatz: Die Feuerwehr musste am Dienstag die Wassermassen in der Oberdarchinger Bergstraße bändigen.

Ausbau des Rückhaltebeckens lässt auf sich warten

Hausaufgaben beim Hochwasserschutz in Darching

Wenn's stark regnet, ist in Oberdarching schnell Land unter. Auch am Dienstag wieder. Die Gemeinde Valley will das Rückhaltebecken ausbauen. Doch das dauert.

Valley – „Das war ein See, der da runterkam“, sagt der Valleyer Bürgermeister Bernhard Schäfer (FWG): Der anhaltende Starkregen und die Überflutungen am Dienstag haben einmal mehr vor Augen geführt, das es beim Hochwasserschutz gerade für Oberdarching noch einiges zu tun gibt. Die Gemeinde sei an dem Thema auch dran, erklärt Schäfer auf Nachfrage. Wie viel Wasser derweil noch den Fentberg hinab fließt, ist allerdings unklar: Eine zeitliche Prognose wagt Schäfer, gerade drei Monate als Rathauschef im Amt, derzeit nicht abzugeben.

Im Valleyer Gemeinderat am Dienstagabend berichtete Schäfer vom Einsatz der Feuerwehren aus Ober-/Mitterdarching, Unterdarching/Valley, Holzkirchen, Otterfing und Föching und dankte den ehrenamtlichen Einsatzkräften sowie den Anwohnern, die gut zusammengeholfen hätten. Von 6 Uhr früh bis nachmittags gegen 15 Uhr galt es, die Wassermassen mit Sandsäcken einzudämmen. Das Rückhaltebecken am Oberlauf des Dorfbachs war übergelaufen. „Den Überlaufkanal können wir nicht zumachen, weil der Damm das nicht aushält“, erklärte Schäfer im Gemeinderat, „man konnte das Wasser nur kanalisieren.“

Vize-Bürgermeister Anton Huber (CSU) hakte nach, ob man nicht doch den Überlauf hätte abdichten können. „Wenn wir nur 30 Zentimeter aufgestockt hätten, hätten wir diesmal die Überschwemmung verhindern können“, argumentierte Huber. „Die rechnen ja mit 300-prozentiger Sicherheit“, meinte er über die Behörden und die Berechnungen der Dammlast. Dagegen verwahrte sich Schäfer allerdings: „Letztlich stehe ich da in der Verantwortung, und wenn der Damm bricht – den Schuh ziehe ich mir nicht an.“ Magnus Epp (FWG) gab Schäfer Recht und erinnerte an die Flutkatastrophe 2016 in Simbach.

In Planung: Das Hochwasserrückhaltebecken für den Darchinger Dorfbach soll ausgebaut werden.

Dafür ist der Überlauf ja da, damit nicht der Worst Case eintritt.

Valleys Bürgermeister Bernhard Schäfer

Schäfer steht zur Entscheidung, nicht eigenmächtig am Überlauf zu hantieren: „Der Damm ist berechnet für eine gewisse Wassermenge. Dafür ist der Überlauf ja da, damit nicht der Worst Case eintritt.“ Der wäre: Der Damm bricht, und sein gesamter Inhalt schwappt in einem riesigen Schwall durch den Ort. Es sei nicht absehbar gewesen, wann der Regen am Dienstag aufhört. „Wenn das den ganzen Tag weitergeht, hält der Damm das nicht mehr, und man hat die Katastrophe.“ Am Dienstag sei Oberdarching relativ glimpflich davongekommen, Schäfer weiß von fünf Kellern, die unter Wasser standen. „Für die Wassermassen hat es sich in Grenzen gehalten.“

Hochwasserschutzkonzept: Darum ist das Rückhaltebecken noch nicht ausgebaut

Klar ist aber auch: Die Gemeinde muss ihre Hausaufgaben beim Hochwasserschutz machen. Ein Ausbau des Rückhaltebecken s ist schon lange im Gespräch, er findet sich auch im Hochwasserschutzkonzept des Ingenieurbüros Kokai für die Gemeinde, das seit 2018 vorliegt, zunächst aber umstritten war. Doch die Umsetzung dauert, sagt Schäfer: „Das wird nicht schnell gehen.“ Die konkreten Planungen seien angelaufen, doch das gesamte Genehmigungsverfahren stehe noch bevor. Vermutlich gehen noch Jahre ins Land. Schäfer sieht die Überschwemmung am Dienstag als erneuten Fingerzeig: „Wir haben gesehen, dass wir da wirklich vom Fleck kommen müssen.“  

Katrin Hager

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