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Streitpunkt: Auf dem Grundstück links sollen die Gebäude verschwinden, zwei neue Häuser entstehen. Deren Umrisse sind mit Flatterband abgesteckt. Doch die Nachbarn rechts vom Dorfbach fürchten durch den Bau negative Auswirkungen bei Hochwasser.

Am Neustadlweg 

Hochwasser-Sorgen am Dorfbach wegen Bauprojekt

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Ein Bauprojekt erhitzt die Gemüter, Fronten kollidieren: auswärtiger Bauträger trifft auf alteingesessene Nachbarn, Hochwasser-Gutachten auf jahrelange Erfahrung. Die Gemeinde hofft auf einen Kompromiss.

Oberdarching – Zwischenzeitlich musste der Bürgermeister die Anwesenden zur Ordnung rufen. „Runter vom Gas jetzt“, mahnte Andreas Hallmannsecker (FWG), als die Emotionen jüngst im Gemeinderat hochzukochen drohten. Nicht zum ersten Mal, wie der Rathauschef durchblicken ließ. Tage zuvor bei einer Ortsbegehung des Bauausschusses ist es demnach offenbar ebenso hitzig hergegangen. Klar ist: Das Bauprojekt erregt die Gemüter – und zwar aller Beteiligten.

Die anwesenden Nachbarn haben Angst. Angst, dass durch die Einfamilienhäuser auf dem Grundstück westlich des Neustadlwegs, ihres auf der anderen Seite des Dorfbachs bei einem Hochwasser noch stärker überschwemmt wird als bisher schon. Teile des Gemeinderats verstehen nicht, wie man überhaupt auf die Idee kommt, in einem Überschwemmungsgebiet zu bauen. Und der Bauträger versteht die ganze Aufregung nicht.

Doch von vorne: Nachdem der Eigentümer verstorben war, verkauften die Erben das Grundstück an die Firma aus Grünwald. Die Immobilienentwickler würden gern zwei Einfamilienhäuser auf dem 1900 Quadratmeter großen Areal bauen. „Da ist Baurecht drauf“, sagte Hallmannsecker. Einem Vorbescheid erteilte der Gemeinderat voriges Jahr sein Einvernehmen. Unter einer Prämisse: Durch die Bebauung dürfe sich für die Nachbarn bei Hochwasser kein Nachteil ergeben.

Denn im Fall von Starkregen steht das Wasser schon jetzt auf beiden Grundstücken, der Dorfbach, der das abschüssige Gelände durchsticht, tritt über die Ufer. „Wir wissen, dass wir mit einer Überschwemmung von bis zu 35 Zentimetern rechnen müssen“, sagte Architekt Carsten Ebermann, als er dem Gemeinderat die Pläne erneut präsentierte. Die sehen daher vor, die Häuser auf einer leicht angeböschten Erhöhung zu errichten. „Den Neubau müssen wir ja ins Trockene stellen“, sagte Ebermann. Und hier fangen die Probleme an.

Die Nachbarn befürchten nämlich, dass durch die Häuser und die baulichen Veränderungen im Gelände der natürliche Wasserfluss verändert wird und sich das Wasser zurückstaut – zulasten ihres Grundstücks. Der Architekt sieht das anders. Er verspricht keine Verschlechterung. Eine Haltung, die er mit drei Gutachten für unterschiedlich starke Hochwasser-Szenarien belegte, die das Büro Kokai angefertigt hat. Dasselbe Büro erstellte auch das Hochwasserschutzkonzept für die Gemeinde.

Der Tenor des neuen Gutachtens: Das Wasser fließe in allen Fällen weiterhin an den gleichen Stellen vom höher gelegenen Nachbargrundstück auf das niedrigere, zu bebauende und dort an den Gebäuden vorbei, erläuterte Ebermann. Dass es über die Anhöhe zurückfließt, sei nicht möglich. Erst weiter unten würde der Wasserfluss zu den Nachbarn schwappen – was aber aktuell auch schon der Fall sei. Soweit die Theorie.

„In meinen Augen ist das mit dem Hochwasser noch immer nicht geregelt“, bekrittelte Magnus Epp (FWG), den die Fließrichtungs-Karten nicht überzeugten. Ebenso wenig wie Josef Huber (Valleyer Liste), mit Epp der größte Skeptiker. Er sagte: „Leute, die 50, 60 Jahre an dem Bach wohnen, wissen, was da los ist.“ Theoretisches Konzept hin oder her. Beide befürchten durch den Bau durchaus eine Verschlechterung für die Nachbarn und den Neustadlweg. Laut Gutachten würde der durch die Bebauung nämlich bereits weiter südlich geflutet.

Auf eine Diskussion über die Aussagekraft von Gutachten wollte sich Bernhard Schäfer (FWG) aber nicht einlassen. „Wem sollen wir denn trauen, wenn nicht einem Gutachten“, mahnte er. Auch Bürgermeister Hallmannsecker gab sich optimistisch. „Ich kenne die Überschwemmungsszenarien da oben“, sagte er. Für ihn sind die Pläne dahingehend „technisch machbar“, und auch „das Haus oben ist geschützt“. Er hofft nun auf einen Kompromiss. Die beiden Nachbarn könnten den Bach verbreitern und so aufnahmefähiger machen. Hallmannsecker: „Vielleicht ist das ein Ansatz.“

Architekt Ebermann signalisierte schon einmal Gesprächsbereitschaft. Und so erteilte der Gemeinderat dem Projekt sein Einvernehmen (10:6 Stimmen), aber nur, wenn „Maßnahmen ergriffen werden, die Schäden von Nachbarn verhindern“, und weitere Punkte in die Pläne eingearbeitet werden. Die Genehmigung obliegt dem Landratsamt.

fp

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