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Starkregen werden häufiger und gefährlicher: Was können Gemeinden tun?

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Von: Christine Merk, Andreas Höger

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Plötzlich war das Wasser da: Stürzlham (Gemeinde Weyarn) gehörte am Montag (das Bild entstand um 23 Uhr) zu den am stärksten betroffenen Dörfern.
Plötzlich war das Wasser da: Stürzlham (Gemeinde Weyarn) gehörte am Montag (das Bild entstand um 23 Uhr) zu den am stärksten betroffenen Dörfern. © Leonhard Wöhr

Die Überschwemmungen vom Montag (26. Juli) haben bestätigt, was Experten lange anmahnen: Die Gemeinden müssen sich besser gegen Starkregen-Unwetter wappnen. Starkregen-Kataster könnten helfen, Schwachstellen zu erkennen. Auch baulich muss nachgerüstet werden. Was ist geplant in Valley, Warngau und Weyarn?

Valley/Warngau/Weyarn – „Da sind regelrechte Sturzbäche über die Wiesen heruntergekommen, wie in einem schlechten Film.“ Valleys Bürgermeister Wolfgang Schäfer (FWG) stand am Dienstag (27. Juli) im Gemeinderat noch immer unter den Eindrücken der Unwetternacht, die besonders Oberdarching und Mitterdarching traf. „Die Anwohner haben so was noch nicht erlebt“, sagte er. Das Wasser sei so hoch gestanden, dass man aufpassen habe müssen, dass es „nicht oben in die Gummistiefel reinläuft“.

Rückhaltebecken bei Darching bot keinen Schutz

Schäfer war auch am Rückhaltebecken, das bekanntlich erhöht werden soll (wir berichteten). Das von der Gemeinde beauftragte Ingenieurbüro hat das als erste Maßnahme zum Schutz vor Hochwasser nach Starkregen empfohlen. Am Montag bot das Becken keinen Schutz. Es sei zwar später vollgelaufen, sagte Schäfer. Die schlimmsten Fluten hatte es aber nicht abfangen können; denn als diese die Wiesen hinunterstürzten, wäre im Becken noch Puffer gewesen. „Wir müssen uns Gedanken machen, was wir tun können“, sagte Schäfer. Er wolle sich dazu mit den Feuerwehren beraten.

Den Einsatzkräften sprach Schäfer seine „große Hochachtung“ aus. Auch den Anwohnern, die sich bei der Beseitigung der Schäden gut unterstützen würden. Das erklärte er auf Nachfrage von Nicole Weinfurtner (Grüne), die wissen wollte, ob der Bauhof helfen sollte. „Aber wenn wir Hilfe leisten können, dann gerne“, sagte Schäfer.

Die Szenen vom Montagabend haben auch Warngaus Bürgermeister zu denken gegeben. „Was da vom Taubenberg runterkam, das schaffen die alten Entwässerungssysteme nicht mehr“, sagt Klaus Thurnhuber (FWG). Die Gemeinde beschloss deswegen vor über zwei Jahren, ein „Konzept zum kommunalen Starkregen-Risikomanagement“ in Auftrag zu geben. Ein Fachbüro soll potentielle Risikoflächen im Gemeindegebiet kartieren. „Rathaus und Hausbesitzer wissen dann, wo Sturzfluten zu erwarten sind und was sie tun können“, sagt Thurnhuber.

Gemeinden hoffen, Grundstücke für Hochwasserabwehr zu bekommen

Den Regen könne man nicht aufhalten, „aber den Leuten Hilfestellung geben, sich besser zu schützen.“ Die Kosten (100 000 Euro) bezuschusst der Freistaat mit 75 Prozent. Demnächst, so Thurnhuber, werde man den Auftrag ausschreiben.

Der Klimawandel sei immer deutlicher zu spüren, sagt Weyarns Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU). „An Orten, wo es zuvor nie Probleme gab, tauchen bei Starkregen jetzt Probleme auf.“ Der Montag mit den flächigen Überflutungen habe gezeigt, dass „es dringend geboten ist, mehr zu tun“. Dass nicht noch mehr passiert sei, habe man den zupackenden Einsatzkräften vor allem der Feuerwehren zu verdanken, die bis in die Morgenstunden schufteten. „Man sieht, was wir an ihnen haben. Sie sind da, wenn man sie braucht“, lobte der Rathauschef.

Wöhr geht davon aus, dass die Starkregen-Ereignisse noch heftiger ausfallen werden. „Man schaue nur in Deutschlands Westen, das ist sehr besorgniserregend.“ Wasser in solchen Mengen lasse sich nicht wegzaubern, versickern allein reiche nicht mehr. In der Gemeinde gebe es einige heikle Stellen. „Dort brauchen wir private Flächen, die notfalls Hochwasser aufnehmen können.“ Der Rathauschef hofft, dass die große Politik mehr Anstrengungen unternimmt, den Klimawandel abzufangen, „sonst laufen wir immer nur den Symptomen hinterher“.

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