Konstantin Klages mit seinen Kamelen in Grub
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Konstantin Klages ist froh, dass er seinen Betrieb verkleinert hat. Jetzt könne er wieder mehr Zeit mit seinen Kamelen verbringen, anstatt im Büro zu sitzen.

Corona-Krise setzte Betrieb zu

Klages verkleinert Kamelhof in Grub: „Jetzt bin ich glücklich“

  • Marlene Kadach
    VonMarlene Kadach
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Die Corona-Krise zwang den Kamelhof in Grub dazu, sich zu verkleinern, Tiere zu verkaufen. Doch den Betreibern Konstantin und Bianca Klages gefällt die Veränderung.

Grub – Konstantin Klages ist einer, der gerne durch die Natur streunt, viel Zeit mit seinen Tieren verbringt. Zuletzt aber musste er oft im Büro sitzen. „Wie ein Disponent in einer Spedition“, erzählt der 35-Jährige. Schuld daran war der Erfolg. Nichts für einen Naturburschen wir Klages. Die Corona-Krise entpuppte sich für Klages und seine Frau Bianca dann als Katalysator. „Wirtschaftlich gesehen sind wir die großen Corona-Verlierer“, sagt der 35-Jährige. „Aber mental haben wir enorm von dieser Zeit profitiert.“ Kurz: „Jetzt bin ich glücklich.“

Im Zuge der Pandemie hat sich der Kamelhof in Grub stark verändert. Die Klages haben den Betrieb verkleinert. „Wir haben uns in eine sehr positive Richtung weiterentwickelt“, findet der Kameltreiber.

Vor 20 Jahren – mit gerade einmal 15 Jahren – startete Klages seine ersten Touren mit Kamelen. Damals steckte er noch voller Träume. „Ich wollte Wildhüter in Afrika werden“, erinnert er sich. Ein paar Jahre später lernte er seine jetzige Frau Bianca kennen. Auch sie mischte bald mit in der wunderbaren Welt der Bayern-Kamele. Und die schlug beim Publikum voll ein. Der Betrieb wuchs und wuchs. Vor sechs Jahren baute das Ehepaar den Kamelhof aus, nahm Geld in die Hand. Es entstanden eine große Halle, ein orientalisches Zelt, ein Museum, ein Infostand. Immer mehr Tiere kamen hinzu. „Zu Spitzenzeiten hatten wir 34 Kamele“, sagt Klages. „Wir haben uns in eine Eventagentur verwandelt.“ Er reiste durch Deutschland, fuhr auf Messen. Das Geschäft boomte. Doch der Erfolg gefiel den Klages bald nicht mehr. „Wir haben uns vergaloppiert“, meint der 35-Jährige. „Wir wollten eigentlich nie so ein großes Business aufziehen.“ Zu viel Idealismus sei verloren gegangen. „Wir wollen mit, nicht von den Tieren leben.“

Mit zu viel Idealismus waren die beiden wohl auch an den Besucherhof herangegangen. Jeder durfte nach Grub kommen, die Tiere anschauen und streicheln. Eintritt haben die Klages dafür nie verlangt. „Unsere Idee war, den Kindern die Natur näher zu bringen.“ Und je größer der Hof – gelegen in der „Münchner Einflugschneise“ – wurde, desto mehr Besucher lockte er an. „Wir wurden zum Teil richtig belagert.“ Es seien meist „liebe Leute“ gewesen. „Aber in der Summe einfach zu viel.“ Das Enttäuschende: Als es dem Betrieb in der Krise schlecht ging, hat sie keiner der Besucher unterstützt.

Lockdown und Co. brachten den Hof schnell in finanzielle Engpässe. Denn Personalkosten sowie Geld für Futter und Tierarzt mussten weiter laufen. Die staatlichen Hilfen waren schnell aufgebraucht. „Wir mussten also reagieren“, sagt der 35-Jährige. Inzwischen haben die Klages die Mitarbeiter von 14 auf drei reduziert. Auch der Tierbestand – dazu zählen Kamele, Esel, Lamas, Alpakas, Ziegen und Schafe – wurde verkleinert, um 50 Prozent. Von ursprünglich 34 Wüstenschiffen sind 17 übrig geblieben. Man habe die Kamele nur an Leute verkauft, die sich damit auskennen, betont Klages. „Wir haben Top-Plätze für sie gefunden.“ Immerhin müsse man deren Haltung behördlich genehmigen lassen und diverse Nachweise erbringen. Dabei habe es aus Laienkreisen viele Interessenten gegeben: Angefangen vom Kegelverein, der einem Mitglied aus Gaudi ein Kamel zum 60. Geburtstag schenken wollte, bis hin zum Familienvater, der ein zweihöckriges Tier für seine Tochter suchte. Solche Anfragen lehnte Klages dankend ab.

Auch programmmäßig speckte der Kamelhof ab. Der öffentliche Besucherhof ist geschlossen. Das Gelände steht nur noch angemeldeten Gästen von Reittouren durchs Mangfalltal, für Kindergeburtstage, Ferienprogramme und kleinere Betriebsausflüge zur Verfügung. Und zwar immer donnerstags bis sonntags, in den Ferien auch mittwochs. Die Leute rennen ihnen immer noch die Bude ein, der Terminkalender ist voll.

Aber: „Wir haben jetzt wieder mehr Zeit für uns“, schwärmt Klages. Zum Lesen, Wandern, Freunde treffen. „Jetzt haben wir wieder Spaß.“ Mehr noch: „Kamele sind sehr entspannte und gemütliche Tiere“, weiß der Kameltreiber. Sind nur wenige Leute am Hof, könnten diese die ruhige Stimmung besser aufsaugen. „Davon profitieren alle.“

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