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Klassiker des bayerischen Humors: Schloßbergler-Theater zeigt Karl Valentin

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Im feinen Weinlokal sind alle überfordert – Vater (Josef Dittmayer, r.), Firmling (Gabi Neuner) und der Ober (Wolfgang Neuner, nicht im Bild).
Im feinen Weinlokal sind alle überfordert – Vater (Josef Dittmayer, r.), Firmling (Gabi Neuner) und der Ober (Wolfgang Neuner, nicht im Bild). © Stefan SChweihofer

Die Stimmung der Zeit verlangt nach besseren Aussichten. Die liefert die Theatergruppe der Schloßbergler Valley mit einer Legende des bayerischen Humors: „Früher war die Zukunft auch besser!“ mit Einaktern nach Karl Valentin und Liesl Karlstadt.

Valley – Der Ukraine-Krieg wirkte auch auf die Theatertruppe der Schloßbergler Valley: Nach den Corona-Bremsen 2021 und 2022 sahen die Schauspieler das für diesen Winter geplante, humorvolle „Zwölfeläuten“ über österreichische Freiheitskämpfer von Heinz Rudolf Unger durch die schaurige Realität in Osteuropa überrollt. Eher traf für sie Karl Valentins Ausspruch „Die Zukunft war früher auch besser!“ zu. Unter diesem Motto feierten die Schloßbergler nun mit fünf Szenen des Münchner Komikers und seiner Partnerin Liesl Karlstadt auf den Brettern ihrer kleinen Bühne im Trachtenheim eine umjubelte Premiere.

Die Herausforderung, die bekannten, schwarz-weißen Filmszenen selbst neu zu interpretieren, meistert das engagierte Dutzend um Regisseur Sepp Floßmann mit Spielfreude und Bravour. Schon der kurze Aufwärm-Sketch „In der Apotheke“ mit Helena Epp und Markus Kienbacher lässt herrlich Absurdes erwarten, wenn unsicherer Kunde und beflissene Apothekerin sich einig werden über isopropyl-profimil-barbitursaures Phenyl-dementhyl-amino-pyrazolon. Natürlich darf „Der Firmling“ nicht fehlen. Ebenso drastisch wie saukomisch werfen sich der köstliche Sepp Dittmayer als immer mehr betrunkener Vater, die wunderbare Gabi Neuner als forscher, Zigarren-vergifteter Firmling und der trefflich arrogante Ober Wolfgang Neuner (auch Theaterheft und Plakat) die Pointen zu und treiben so gekonnt wie präzise den Tumult in der feinen Weinstube auf die Spitze.

Auftritte von „Firmling“ und „Buchbinder Wanninger“

Ein Paradestück für den großartigen Sepp Weindl: der berühmte „Buchbinder Wanninger“, der sich zunehmend verzweifelt durch eine Baufirma hindurchtelefoniert, um die fertigen Kassenbücher abzuliefern. Moderne Hotlines sind ein Klacks dagegen, und heutige Telefonhörer lassen sich nicht so variantenreich handhaben wie der alte schwarze Knochen von Weindl. Ein Lob verdienen hier Techniker Alois Keppeler, der auf den Punkt die Antworten der Originalaufnahme einspielt, und Beleuchter Andreas Weindl.

Auch „Der verflixte Scheinwerfer“ erlaubt den Darstellern, all ihre komödiantischen Talente auszuleuchten. Sepp Hechenthaler glänzt als fahriger Elektrofachmann, Martina Hechenthaler in der Hosenrolle des vorlaut-dümmlichen Lehrbuben, Ulrich Frey als hilflos-betulicher Theaterdirektor und Helena Epp als himmlisch zickige Ballerina, die bei kaputtem Scheinwerfer nicht tanzen will.

Ins beinahe Unerträgliche steigert das Ensemble lustvoll das abseitige Chaos im Einakter „Im Photoatelier“. Meister Franz Lechner versucht, natürlich vergebens, auch in Abwesenheit seinen widerborstigen Fotogehilfen Markus Kienbacher und den aufsässigen Lehrling Franz Gröbmeyer kundenfreundlich zu wissen. Die Missverständnisse und Schwierigkeiten sorgen für höchstes Gaudium. Wolfgang Neuner als Oma mit kleinem Enkelkind entkleidet nicht den Schrazen fürs Eisbärfell, sondern beginnt selbst einen unglaublichen Strip. Scharfrichter Sepp Weindl verängstigt das Personal, und schon taucht als (dann doch nicht) kopfloser, aber baumlanger Bräutigam Jakob Hechenthaler mit seiner puppenhaften Braut Helena Epp auf, der trotz geduldiger Verrenkungen einfach nicht auf die Fotoplatte passen will.

Zwei Zusatzvorstellungen

Mehr als gelungene Schwerarbeit leistet an diesem Theaterabend Bernadette Weber in der Maske mit unterschiedlichen, überlangen Nasen, diversen Schnurr- oder Spitzbärten, Perücken und Make-up. Das Premierenpublikum belohnte das Vergnügen mit langem Beifall. Sepp Floßmann drückte namens des Ensembles seine Freude aus: „Es ist toll, nach drei Jahren wieder auf der Bühne zu sein und den Applaus zu hören!“

Weil alle fünf weiteren geplanten Vorstellungen schon ausverkauft waren, haben die Schloßbergler zwei Zusatztermine angesetzt: jeweils donnerstags am 2. und 9. Februar 2023 um 19.30 Uhr im Trachtenheim Valley. Reservierung: 0 80 24 / 24 84.

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