Hin und weg: Hausherr Sixtus Lampl (vorne l.) übergibt Kreuzorganist Holger Gehring (vorne r.) eine Tafel zur Erinnerung an den Auftritt im Orgelzentrum.
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Hin und weg: Hausherr Sixtus Lampl (vorne l.) übergibt Kreuzorganist Holger Gehring (vorne r.) eine Tafel zur Erinnerung an den Auftritt im Orgelzentrum.

Wenn Vielfalt über sich hinauswächst

Konzert: Holger Gehring beeindruckt auf den Instrumenten des Valleyer Orgelzentrums

  • VonKatrin Hager
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Mit einem beeindruckenden Konzert hat sich das Orgelzentrum Valley aus der Corona-Pause zurückgemeldet. Holger Gehring, Kreuzorganist in Dresden, ließ die Vielfalt der Orgeln in der Zollingerhalle über sich hinauswachsen.

Valley – Zweimal ausverkauft – obgleich wegen Corona-Regeln mit je knapp 80 Gästen nur halb voll – war die Zollingerhalle am Orgelzentrum Valley am Sonntag zum Konzert des Dresdner Kreuzorganisten Holger Gehring. Orgelzentrums-Gründer Sixtus Lampl hatte den hochkarätigen Organisten zwar nicht zu seinem 80. Geburtstag geladen, sondern zum 30. Todestag des blinden Organisten Helmut Walcha, der die Eule-Orgel, die heute in der Zollingerhalle des Orgelmuseums steht, eingespielt hat. Doch folgte eine Reihe von Ehrengästen der Einladung, darunter Gräfin Monica und Graf Max-Georg von Arco auf Valley sowie Bürgermeister Bernhard Schäfer.

Am Ende von Gehrings Auftritt war der Hausherr selbst hin und weg: „Das ist ja der Wahnsinn“, staunte Lampl. Das Lob aus berufenem Munde kam nicht von ungefähr. Gehring, Jahrgang 1969, ließ die Vielfalt der Orgeln in der Zollingerhalle über sich hinauswachsen – von Johann Sebastian Bachs vollmundig runde Präludium, Largo und Fuge BWV 545 und 529/2 auf der eigentlich so zierlichen Eule-Orgel über zwei oft sanghafte Auszüge aus Georg Muffats „Appartus musico-organisticus“ auf der grazilen Münchner Rokoko-Orgel und die fast uhrwerkhaft wiederkehrenden Kuckucksrufe aus Johann Kaspar Kerlls „Capriccio sopra il Cucu“ auf der metallisch und doch warm klingenden Führer-Orgel bis hin zur mächtigen Steinmeyer-Orgel auf der Empore hinten über dem Publikum.

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Gehring brillierte auf ihr mit Franz Liszts Präludium und Fuge über BACH, durch die er die Orgel präzise steuerte, von zarten oder wie aus der Ferne gedämpften Melodieläufen bis hin zu temperamentvollen Akkorden, die den Zuhörer voll und ganz durchdringen.

Lampl hatte wohl recht, als er am Ende mit Blick auf die – wie alle in seiner Sammlung – einst ausrangierte Steinmeyer-Orgel sagte: „Hätten die in Heidelberg den Liszt auf dieser Orgel so gehört – sie hätten sie nicht weggegeben.“

Die nächsten Konzerte hat das Orgelzentrum Valley schon geplant. Termine und Infos gibt es auf seiner Webseite.

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ag

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