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Ein Meister am Marimbaphon: Schlagzeuger Stefan Landes sorgte für bisher ungehörte Klangfarben im Orgel-Reservat Zollingerhalle.

Konzert in der Zollingerhalle

Das Marimbaphon lockt die Orgel aus der Reserve

„Sagenhaft.“ Hausherr Sixtus Lampl hat in der Zollingerhalle schon viel gehört, aber das Konzert am Samstagabend entlockte selbst ihm Superlative – und verführte zu etwas Stolz. „Das kann man im Münchner Dom nicht hören, sondern nur bei uns.“ Was war passiert?

Valley – Stefan Landes und Marcus Sterk holten mit ihrem Programm „Summer Organ & Drums“ die Orgel aus ihrem andächtigen Kirchenraum heraus. Dabei begeisterte nicht nur ein sehr ungewohnter Frank Sinatra das Publikum. Auch Bach und Schumann kamen ganz anders daher. „Wir freuen uns, die Orgel mit weltlicher Musik zusammen zu führen“, hatten die Musiker eingangs angekündigt.

Ein erstes Bravo entlockten sie dem Hausherrn mit Gaetano Felice Piazzas Sonata F-Dur für Orgel und Marimba. Die Instrumente ergänzten sich fast scheu, wechselten einander ab und gaben dem anderen viel Raum. Schon damit machten sie neugierig auf mehr. Es sollte sieben Stücke dauern, ehe sie wieder gemeinsam antraten.

Zunächst spielte Stefan Landes die Suite G-Dur BWV 1007 Menuet-Prélude am Marimbaphon, „dem großen Bruder des Xylophons“. Ursprünglich eine Cellosuite aus der Feder Johann Sebastian Bachs, gab ihr der 30-jährige, mit zahlreichen Preisen dekorierte Ingolstädter auf dem Schlaginstrument einen tiefen, warmen Klang. 

Es folgten drei leichte, beschwingte Orgelsoli von Marcus Sterks neuester CD „Serenity“: Franz Murschhausers Finale et Fuga septimi toni, das Allegro aus Franz Xaver Schnitzers Sonata B-Dur und Franz Bühlers Galanteriestück G-Dur, ehe Landes eine „Marimba Fantasy“ entfachte. „Machen Sie sich eigene Bilder“, bat er sein Publikum; er selbst stellte sich den Spaziergang eines jungen Mädchens in Asien vor, das sich unter blühenden Kirschbäumen an eine Reise nach Südfrankreich und Marokko erinnert.

Vielleicht waren es nicht gerade Kirschblüten und Südfrankreich. Doch wohin die Musik an diesem Abend auch trug, sie faszinierte und zeigte, wie viel mehr in einer Orgel steckt als nur bisweilen so knirschende und tief schnaufende Kirchenmusik. Nach Orgelsoli mit zackiger Marschmusik von Edward Elgar und leichter Kammermusik von Robert Schumann begannen die beiden Musiker immer mehr, die Instrumente ineinander zu verweben. Zunächst im Wechsel bei der wie ein Windhauch beginnenden Eigenkomposition „Ascolta – eine Klangreise“, die für Landes auch zu einer Reise zwischen den Instrumenten des Schlagwerks wurde und fulminant in eine „Konzertsuite“ für kleine Trommel überging. Dann legte Landes die Sticks zur Seite und bearbeitete mit den Händen Instrument und Körper, sprang auf den Fußboden, dass es schepperte. Immer weiter zog er seine Kreise, um zuletzt den kompletten Raum einzubeziehen.

Ob Gounod, Rimsky-Korsakow oder de Falla – was nun folgte, war furios. Die Orgel klang wie ein komplettes Orchester; schnell, kraftvoll, einfach schön. Dazu mischte sich das mit verschiedensten Techniken gespielte Schlagwerk. Gegenseitig trieben sich die beiden Künstler an, jedes einzelne Stück hätte den Konzertbesuch gelohnt. Am meisten vielleicht die „Summer Impressions“ für Schlagwerk und Orgel, die spontan entstanden seien, wie die Musiker erklärten.

Ihren Wunsch, den Gästen viel von der Energie der Musik mit nach Hause zu geben, hätten sie nicht explizit äußern müssen. Auf eine gemeinsame CD müssen Musikfreunde leider bis nächstes Jahr warten. Vielleicht bei einem Wiedersehen an gleicher Stelle?

Heidi Siefert

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