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Lärmschutz an der A 8

Weiter Warten wegen Wasserschutz

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Gute Nerven brauchen die Bewohner der von Autobahn-Lärm geplagten Valleyer Ortsteile schon seit Jahren – und ihre Geduld wird weiter auf die Probe gestellt. Die Lärmschutz-Bauten verzögern sich, wieder einmal. 

Valley Bürgermeister Andreas Hallmannsecker (FWG) wohnt in der Valley, drei Kilometer Luftlinie entfernt von der ewig dröhnenden Autobahn. „Manchmal, bei entsprechendem Wind, hört man die A 8 noch bei mir so laut, dass man meint, die würden durch unseren Garten fahren“, berichtet Hallmannsecker. Er weiß, wie sehr die Bewohner von Unter- und Mitterdarching sowie Unterlaindern leiden, die in Sichtweite der A 8 leben.

Seit vielen Jahren kämpfen Anwohner und Gemeinde um wirksamen Lärmschutz. Starke Hoffnung keimte 2009, als der Gesetzgeber – nach höchstrichterlichem Urteil – einen Rechtsanspruch auf nachträgliche Abschirmung feststellte. 

Denn beim sechsspurigen Ausbau in den 1970er-Jahren hatten die Behörden die Entwicklung des Verkehrsaufkommens unterschätzt. Damals glaubte man, im Jahr 2000 würden auf diesem Abschnitt 34 000 Kfz pro Tag unterwegs sein – es waren aber über 76 000.

Tatsächlich begann die Autobahndirektion Südbayern mit Planungen für zusätzliche Lärmvorsorge in Valley, so wie auch in Aberg bei Föching, in Weyarn und Irschenberg. Auf einer Länge von rund 2,7 Kilometern ist neben dem Bau von Lärmschutzanlagen auch die Erneuerung von sechs Brückenbauwerken (Unterführungen) sowie die Erneuerung des Fahrbahnbelags und der Entwässerung geplant. Die Regierung von Oberbayern leitete ein Planfeststellungsverfahren (PFV) ein; das war 2016. Der Gemeinderat gab bereits eine Stellungnahme ab.

Doch das Verfahren stockt. Wie die Autobahndirektion jetzt wissen ließ, durchquert die A 8 auf Valleyer Gebiet das Wasserschutzgebiet Mühlthaler Hangquellen der Münchner Stadtwerke – auf 1,2 Kilometern die weitere Schutzzone (Zone III) und auf 1,1 Kilometern sogar die engere Schutzzone (Zone II). Da hier ein Viertel des Münchner Trinkwassers gewonnen werde, sei sorgfältig zu prüfen, ob Beeinträchtigungen, die das Wasserschutzgebiet gefährden könnten, vermieden werden können.

Zweck der Prüfung ist es, für die geplanten Bauten eine Befreiung von den Einschränkungen der Schutzgebietsverordnung zu erlangen. Diese Prüfungen jedoch brauchen Zeit. Laut Autobahndirektion müsse womöglich sogar ungeplant werden; und diese Umplanungen wolle man „noch einmal intensiv mit den Fachbehörden abstimmen“. Es könne „mehrere Monate“ dauern, ehe das PFV wieder anläuft.

Als der Bürgermeister am Dienstag dem Gemeinderat die Botschaft übermittelte, beschränkten sich die meisten Räte auf stilles Seufzen. Nur Günther Schuler (SPD) machte sich vernehmbare Gedanken: „Wasserschutz ist also wichtiger als Lärmschutz für die Menschen.“

Laut Hallmannsecker wurden etwa 120 Häuser einzeln geprüft, ob sie schutzwürdig sind, sprich: weniger als 500 Meter von der A 8 entfernt sind und in den 1970er-Jahren schon standen. Unterlaindern und Teile Unterdarchings fallen da durchs Raster.

Die Gemeinde machte sich in einer ersten Stellungnahme zum PFV dafür stark, auch diese Wohngebiete zu schützen. „Inzwischen fahren dreimal so viele Fahrzeuge als beim Autobahnbau angenommen“, begründet dies der Rathauschef. Mindestens poche man auf den Einbau von Flüsterasphalt.

Den will die Autobahndirektion ohnehin aufbringen, wenn die A 8 zwischen Brunnthal- und Inntaldreieck achtspurig ausgebaut wird. Laut Bundesverkehrswegeplan soll dies bis 2030 geschehen. Schon bei der Lärmschutz-Nachrüstung sollen deswegen die Brücken über die Holzkirchner Straße, die Zufahrt zum Sportplatz/Osterwarngauer Weg, die Alpenblickstraße/Fichtweg und die Staatsstraße 2073 sowie zwei kleinere Durchlässe so ertüchtigt werden, dass sie acht Spuren tragen können.

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