An der Schule in Valley wird es im kommenden Jahr keine 5. Klasse geben. Das weckt die alte Sorge um den Fortbestand der Mangfalltalschule.
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An der Schule in Valley wird es im kommenden Jahr keine 5. Klasse geben. Das weckt die alte Sorge um den Fortbestand der Mangfalltalschule.

Der Nachschub bleibt aus

Mangfalltalschule Valley: Zu wenig Anmeldungen für 5. Klasse

  • VonKatrin Hager
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Weil nicht genügend Anmeldungen kamen, wird es in der Mangfalltalschule in Valley im Schuljahr 2021/22 keine 5. Klasse geben. Eltern sind enttäuscht – und bangen um den Fortbestand der Dorfschule.

Valley – Die Mangfalltalschule ist eine der letzten ihrer Art – 2006 geboren aus politischer Entschlossenheit, dem Trend zur Schließung der wohnortnahen Teilhauptschulen etwas entgegenzusetzen. Das Bangen um die Schülerzahlen war der Schule in die Wiege gelegt, obgleich sie sich zwischenzeitlich sogar bis zur Abschlussklasse füllte. Seit 2014 zählt sie zum Schulverbund Holzkirchen/Rottach-Egern. Heute reicht sie nur noch bis zur 6. Jahrgangsstufe. Und im Schuljahr 2021/22 werden die Mittelschule in Valley nur noch die 20 Kinder dieser einen 6. Klasse besuchen: Eine 5. Klasse kommt nämlich nicht zustande.Die kleinste Mittelschule im Landkreis wird damit noch kleiner.

Nur zwölf Anmeldungen gingen für das neue Schuljahr ein: sechs von Kindern aus Valley, zwei aus Weyarn, sowie vier Kinder aus dem Verbund, die bislang die Valleyer Grundschule im selben Gebäude besuchen, weil diese über ein Inklusionsprofil verfügt. Zu wenig, um eine Klasse zu bilden.

Zu rechnen war damit nicht, erklärt Schulleiterin Anja Rettich. Es sei aber flächendeckend zu beobachten gewesen, dass weniger Kinder für die Mittelschulen angemeldet wurden. Möglicherweise, weil im schwierigen Corona-Schuljahr 2020/21 im Zweifel die bessere Note gewählt wurde, um den Schülern bei einer kaum aussagekräftigen Zahl von Prüfungen nicht auch noch Unrecht zu tun. Wie auch immer: Insgesamt könnten im Schulverbund Holzkirchen heuer nur vier statt fünf 5. Klassen gebildet werden. „Das Schulamt kann keine zusätzliche kleine Klasse genehmigen, da dafür die Mittel nicht da sind. Da sind dem Verbund und dem Schulamt die Hände gebunden“, sagt Rettich. „Das ist schmerzlich für uns, nicht nur für die betroffenen Kinder und ihre Eltern, sondern für die ganze Schulfamilie.“

„Die Schule ist ein Stück Infrastruktur“

Maria Müller vom Elternbeirat der Grundschule Valley ist besorgt. Der ältere ihrer beiden Söhne, derzeit einer von gut 30 Viertklässlern in Valley, hätte ab September eigentlich die 5. Klasse vor Ort besuchen sollen. Weil die Klasse nicht zustande kommt, muss er nach Holzkirchen fahren – in eine marode Schule, die während des Neubaus in Container ausgelagert wird, während in Valley schöne Klassenzimmer ungenutzt leerstehen, sagt seine Mutter kopfschüttelnd. Sie bangt aber auch insgesamt um die kleine, familiäre Schule: „Unsere Schule ist beliebt bei denen, die das Dörfliche schätzen.“ Die Situation passt für sie auch nicht in Zeiten von Corona, wenn lieber räumlich entzerrt statt konzentriert werden sollte. Vielleicht könne Holzkirchen ja auch eine Klasse nach Valley auslagern statt ins Containerdorf und so die Zeit überbrücken, bis wieder mehr Kinder nachkommen.

„Die Zahlen sprechen gegen uns“, das ist der Mitterdarchingerin klar. Müller hofft aber, dass sich noch eine Lösung auftut. Vielleicht, wenn das Thema am heutigen Dienstag im Gemeinderat diskutiert würde. „Die Schule ist ein Stück Valleyer Infrastruktur“, sagt Müller.

Entscheidung für kleine Klasse würde andernorts Riesenklasse bedeuten

„Wir müssen stabile Klassen bilden“, erklärt indes Schulamtsleiter Jürgen Heiß. Als Richtwert dafür gelten 15 Kinder. Weil erfahrungsgemäß nach der 5. Klasse noch einmal drei, vier Kinder aus Valley an die Wirtschaftsschule wechselten, blieben im Schuljahr darauf vielleicht noch acht Kinder für die 6. Klasse übrig. Das stehe in keinem Verhältnis mehr. „Die Zuteilung von Lehrerstunden erfolgt pro Schüler-Kopf, nicht pro Klasse“, erläutert der Schulamtsleiter. Würde in Valley eine winzige Klasse gebildet, drohe andernorts eine Riesenklasse mit mehr als 30 Schülern – ungerecht, meint Heiß. „Wir müssen schon die Gesamtstrukturen im Blick haben.“ Alternativen sieht er nicht. Kombiklassen etwa seien in der Mittelschule nicht zulässig. Und die Auslagerung einer Klasse von auswärts, die nach der 6. Klasse an die eigentliche Schule zurückwechselt, sei auch wenig zielführend. Dass die 5. Klasse in Valley nun ausfällt, sieht Heiß als „Zahnlücke“, noch nicht als existenzbedrohend.

Auch Schulleiterin Rettich sieht das Ende noch nicht gekommen. „Wenn die Schülerzahlen wieder steigen, wird es nächstes Jahr wieder eine 5. Klasse geben.“ Die folgenden Jahrgänge seien wieder stärker. „Wir hoffen, dass wir über die zwei Jahre mit je einer Klasse kommen.“ Und dass die kleine Dorfschule Bestand hat, denn: „Nicht jede Schule passt zu jedem Kind. Der Schulverbund hält auch weiterhin an der Vielfalt der Schulen fest.“

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ag

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