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Dieses Panorama von Heinrich C. Berann mit Achensee, Ahornboden und Sylvensteinspeicher mit Blick auf die Gipfel des Karwendel zählt zu den Schmuckstücken im Buch des Valleyers Tom Dauer.

Gipfel-Ansichten sind wahre Kunstwerke

Neues Buch des Valleyers Tom Dauer: Vom Reiz des Alpenpanoramas

  • vonHeidi Siefert
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Beim Wandern am Gipfel oder Aussichtspunkten zeigen sie, wo welcher Gipfel zu sehen ist. Dass Alpen-Panoramakarten echte Kunst sind, das würdigt der Valleyer Tom Dauer jetzt in einem Buch.

Valley– Wer Berge liebt und Coffee Table-Bücher schätzt, der kommt ums neue „Alpen“-Buch von Tom Dauer (50) aus Valley nicht herum. Ebenso wenig wie alle, die beim Anblick sorgsam gemalter Panoramabilder von neuen Zielen träumen oder in Erinnerungen an Aufenthalte in den Bergen schwelgen. Der begeisterte Alpinist, Journalist, Drehbuchautor und Regisseur von Dokumentarfilmen – unter anderem war er Autor und Co-Regisseur des preisgekrönten Kinofilms „Streif – One Hell of a Ride“ – hat 90 eindrucksvolle Zeichnungen zusammengetragen. 

Damit dokumentiert er nicht nur den Alpenbogen zwischen Slowenien und Südfrankreich auf konzentrierte Art. In einem – optisch leider etwas sperrig verpackten – Essay beschreibt der Valleyer, wie 1935 zur Eröffnung der Großglockner-Hochalpenstraße erstmals ein solches „vogelschauartiges Panorama“ in Auftrag gegeben wurde und der Österreicher Heinrich C. Berann (1915 bis 1999) damit eine neue Kunstform begründete, die auch in digitalisierten Zeiten noch Berechtigung und Reiz hat.

Herr Dauer, nehmen Sie sich für die Berge noch klassische Panoramakarten, oder vertrauen Sie doch lieber moderner Technik?

Tom Dauer, Alpinist und Journalist aus Valley

Tom Dauer: „Mit klassischen Panoramakarten als Orientierungshilfe wäre man in den Bergen aufgeschmissen, und mit moderner Technik bin ich persönlich schnell überfordert. Am liebsten bin ich mit klassischen topografischen Karten unterwegs. Diese sind meisterhaft gezeichnet, unverwüstlich und passen in jede Deckeltasche. Und wenn man sie daheim auf dem Küchentisch ausbreitet, offenbaren sich sowohl Erinnerungen an vergangene als auch Pläne für neue Abenteuer.“

„Leider gehen viele Panoramakarten verloren“

Gibt es im Hause Dauer auch noch eine Schublade oder einen Schuhkarton voller Panoramakarten?

Tom Dauer: „Nein, den gibt es nicht. Leider sind viele alte Panoramakarten im Original verloren gegangen. Dafür haben wir jetzt das Buch gemacht. Da kann man wunderschön drin blättern.“

Was zeichnet eine gute Panoramakarte aus?

Tom Dauer: „Eine gute Panoramakarte verändert das abgebildete Relief so, dass die landschaftsbestimmenden Merkmale – die der Betrachter oft aus eigener Anschauung kennt – so prominent wie möglich dargestellt werden. Das bedeutet auch, dass sie oft in Größe, Orientierung und Lage verändert werden. Die Kunst dabei ist, das Panorama so zu gestalten, dass der Eingriff in die Realität niemandem auffällt.“

Gibt es Moden hinsichtlich der Darstellung?

Tom Dauer: „Moden würde ich nicht sagen. Aber natürlich hat jeder Panoramamaler seinen eigenen Stil. Ein Werk des Tirolers Heinrich C. Berann, der als Vater der Panoramamalerei gilt, würde man vermutlich sofort erkennen – anhand der Gestaltung, der Detailtreue, der faszinierenden Wolkenbilder.“

Haben Sie denn auch ein Lieblingspanorama?

Tom Dauer: „Ein eindeutiges Lieblingspanorama habe ich nicht. Aber mir gefallen diejenigen am besten, mit denen sich Erinnerungen an Berg- und Klettertouren verbinden. Wenn ich etwa das Panorama des Wettersteingebirges sehe, denke ich an Abenteuer an den Felstürmen im Oberreintal. Oder das Abbild der Marmolada: Da habe ich sofort vor Augen, wie wir im Schneesturm über die gewaltige Südwand abseilen mussten.“

Dieses Alpenpanorama zeigt die Berge um Riva del Garda am Gardasee. 

Lesen Sie auch: Unterwegs in den Bergen - Zehn einfache Regeln für rücksichtsvollen Naturgenuss

Das heimische Mangfallgebirge ist nicht im Buch erfasst. Ist es zu unbedeutend im Alpenraum, oder gibt es keine schöne Darstellung, die eine Abbildung verdient hätte?

Tom Dauer: „Tatsächlich hat sich meines Wissens noch niemand an ein Panorama des Mangfallgebirges gewagt. Vielleicht ist das ja ganz gut so – das Mangfallgebirge ist eine schüchterne Schönheit, die sich nur demjenigen zeigt, der sie immer wieder und mit ganzem Herzen sucht.“

Das Buch

Tom Dauer, „Alpen – Die Kunst der Panoramakarte“ (192 Seiten, 91 farbige Abbildungen, 40 Euro) ist im Prestel-Verlag erschienen. ISBN: 978-3-7913-8586-0.

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