+
Die Vorbereitungen auf die Premiere laufen auf Hochtouren: Die Theatergruppe der Valleyer Schloßbergler um Spielleiter Sepp Floßmann (mittlere Reihe l.) inszeniert heuer den Faust auf Bairisch.

Theatergruppe der Schloßbergler 

Sepp Floßmann: „Der Bauernschwank ist nicht meine Sache“

Valley - Die Schloßbergler heben Jahr für Jahr Laien-Volkstheater auf eine neue Ebene. Das ist vor allem Sepp Floßmann (60) zu verdanken, der heuer seit 30 Jahren Spielleiter der Theatergruppe ist.

Zum Jubiläum macht sich Sepp Floßmann selbst ein Geschenk: Am morgigen Donnerstag feiert die Theatergruppe der Schloßbergler Premiere mit dem „Faust“ – einer bairischen Kurzfassung von Goethes Klassiker. Wir sprachen mit dem Landwirt aus Sonderdilching über sein Jubiläum und das Volkstheater im Landkreis.

Herr Floßmann, was zeichnet eigentlich gutes Volkstheater aus?

Dass die Stücke eine Aussage haben. Man braucht die Anforderung sicher nicht so hoch zu stecken wie die Profis, aber man sollte das Bestmögliche herausholen an Mimik und Gestik, damit es glaubwürdig wird. Volkstheater ist ja nicht gleich Bauerntheater, das meistens viele Klischees bedient, etwa von der dümmlichen Magd und vom lüsternen Bauern. Ich will vermeiden, dass die Leute auf der Bühne dem Gelächter preisgegeben werden.

In den vergangenen zehn, 15 Jahren haben sich im Landkreis ja viele ambitionierte Theatergruppen entwickelt. Wie sah’s denn aus, als Sie anfingen?

Vor 30 Jahren haben wir auch noch den ländlichen Bauernschwank gespielt. Das ist aber nicht so meine Sache. Ich wollte immer den Weg in Richtung ernsthafteres, auch sozialkritisches Theater gehen. Wir haben dann Thoma und Anzengruber gespielt, Stücke also von angesehenen Literaten. Dann muss man auch mal wieder einen Schritt zurückgehen, damit das Publikum nicht überfordert wird. Die Leute fragen jedes Jahr als erstes: Und was spielt ihr heuer, was Lustiges oder was Ernstes? Am besten ist es, wenn das Stück beides ist. Wir sind immer einen Schritt weiter gegangen, und das Publikum ist mitgegangen.

„Wir haben hier wirklich Gruppen, die der Wahnsinn sind. Das tut der Theaterlandschaft sehr gut.“

Die Laien-Theaterszene im Landkreis ist regelrecht aufgeblüht. Man hat den Eindruck, das befruchtet sich gegenseitig.

Ich habe auch das Gefühl, dass mehr Gruppen in diese Schiene gehen und das Spielniveau immer besser wird. Jeder hat den Ehrgeiz, besser zu werden. Und wir haben hier wirklich Gruppen, die der Wahnsinn sind. Das tut der Theaterlandschaft sehr gut.

Hatten Sie schon Erfahrung als Spielleiter, als Sie angefangen haben?

Eigentlich nicht. Unsere Gruppe hat Ende der 1970er Jahre mit Einaktern angefangen, das hat sich dann immer weiter gesteigert, wir sind da so reingewachsen. Aber ich war damals schon sehr theaterinteressiert. Ich hatte in meiner Jugend das Glück, dass ich Freunde hatte, die in München studiert haben und mit denen ich zum Theater gekommen bin. Wir haben viel angeschaut. Diese Begeisterung ist mir bis heute geblieben. Eigentlich ist sie sogar gewachsen.

Wie kommt es eigentlich, dass Sie als Weyarner Bürger bei den Valleyer Schloßberglern aktiv sind?

Ich bin ja aus Sonderdilching, und über die Jahrhunderte ist das eigentlich so gewachsen, dass die Beziehungen über die Mangfall die engeren waren als nach Weyarn. Das hat sich erst mit dem Schulsprengel geändert. Ich bin noch in Valley in die Schule gegangen, und wir gehörten auch zur Pfarrei Unterdarching.

Wenn Sie drei Stücke auswählen müssten, die Ihnen in den vergangenen 30 Jahren die liebsten waren – welche wären es?

Das ist nicht ganz leicht. Als erstes würde ich sagen „Der Weibsteufel“ von Karl Schönherr. Das war eigentlich fast nicht vorstellbar für uns, weil es nur ein Drei-Personen-Stück ist und wir ja mehr sind. Aber es hat sich wirklich gelohnt. Theresia Benda war eine tolle Hauptdarstellerin, 1997 war das. Als zweites dann unser größter Publikumserfolg, der „Lumpazivagabunbus“ von Johann Nestroy 2003. Wir haben das Stück 16 Mal vor 3000 Leuten gespielt – da kommen wir wohl nie mehr hin. Und dann etwas von meinem Lieblingsschriftsteller, Felix Mitterer, der schreibt eher düstere Sachen: „Kein Platz für Idioten“, ein Plädoyer für Integration, haben wir 1999 gespielt. Das war ein Risiko, als Laiengruppe einen Behinderten auf die Bühne zu stellen, über den man nicht lachen, sondern mit dem man mitfühlen soll.

Viele wollen sich mit Stücken zum Nationalsozialismus nicht auseinandersetzen 

So wie auch bei „Kein schöner Land“ 2006.

Richtig. Wir haben ein paar Sachen zum Nationalsozialismus gespielt, „Kein schöner Land“ und den „Bockerer“. Das sind tolle Stücke. Publikumserfolge werden das meistens nicht, viele Leute wollen sich eben nicht mit sowas auseinandersetzen. Aber das macht mir nix, sowas muss man auch mal zeigen.

Und jetzt der Faust – also ein uralter Stoff und ein Literaturklassiker, aber gekürzt und auf Bairisch. Was hat Sie daran gereizt?

Ich hab den Faust schon früh gelesen. Ich bin kein Akademiker und hatte das auch nicht in der Schule, aber die Geschichte um Teufel und Gott und um den Menschen, der seine Grenzen überschreiten will, das hat mich fasziniert. Ich hab nie daran gedacht, Goethes Original zu inszenieren, die alte Sprache hätte uns und unser Publikum ja überfordert. Vor zehn Jahren ist mir dann das Büchlein von Thomas Stammberger und Johannes Reitmeier in die Hände gefallen. Sie haben den Faust I sehr gut aufs Wesentliche reduziert – und das in wunderbarem Oberbairisch, obwohl sie Oberpfälzer sind (er lacht). Es sind zwar immer noch viele Darsteller und viele Bühnenbilder, aber das haben wir jetzt durchgezogen. Wenn ich aufhören würde und ich hätte diesen Faust nicht gespielt, dann würde mir was fehlen. Der Aufwand war sehr groß, die Vorbereitungen haben sechs Monate gedauert, seit über drei Monaten proben wir. Aber ich denke, es lohnt sich. Ich hoffe, dass wir die Leute dazu animieren können, sich mal über die deutschen Klassiker herzumachen.

Bleiben Sie den Schloßberglern und der Theaterszene noch ein bisserl erhalten?

Es gibt fast jedes Jahr eine Phase bei den Proben, wo ich sag: I mog nimmer. Aber wenn es die nicht gäbe, wüsste ich, dass es nichts mehr bringt. Ich bin jetzt etwas über 60, sowas wie heuer geht natürlich auch an die Substanz. Aber ich hab noch einige Stücke, die ich gerne machen würde.

Der Vorverkauf

Für die Premiere von „Der Faust – bairisches Schauspiel nach Goethe“ am Donnerstag, 5. Januar, um 20 Uhr sind nur noch einzelne Restkarten erhältlich, es gibt aber weitere Gelegenheiten, die Inszenierung der Schloßbergler im Valleyer Trachtenheim zu sehen: am Sonntag, 8. Januar, um 19 Uhr, am den Freitagen und Samstagen, 13., 14., 20., 21. und 28. Januar jeweils um 20 Uhr sowie am Sonntag, 22. Januar, um 13.30 Uhr. Karten unter z 0 80 24 / 24 84.

Katrin Hager

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Jugendfreizeitanlage: Anwohner bemängeln Kommunikation
Die Holzkirchner Jugendlichen freuen sich schon auf die neue Freizeitanlage Am Ladehof. Ganz im Gegensatz die Anlieger, die eine bittere Pille schlucken müssen.
Jugendfreizeitanlage: Anwohner bemängeln Kommunikation
Rottacher Thomas Tomaschek (41) will für die Grünen in den Landtag
Die Kreis-Grünen nehmen Kurs auf die Landtagswahl 2018. Ihre Galionsfigur für den Wahlkampf ist erst seit Kurzem an Bord. Musikproduzent Thomas Tomaschek (41) aus …
Rottacher Thomas Tomaschek (41) will für die Grünen in den Landtag
Föchinger Hof sucht neuen Wirt
Was wünschen sich die Föchinger für ihren Ort? Die FWG organisierte dazu eine Dorfversammlung. Einer der größten Wünsche: Der Föchinger Hof soll weiter ein lebendiger …
Föchinger Hof sucht neuen Wirt
Trotz Schwarzarbeit Hartz IV kassiert: Holzkirchner (68) verurteilt
Er verdiente bis zu 1000 Euro im Monat - und kassierte trotzdem fleißig Sozialhilfe. Fast 16 000 Euro hat ein Holzkirchner (68) zu unrecht eingestrichen. Jetzt wurde er …
Trotz Schwarzarbeit Hartz IV kassiert: Holzkirchner (68) verurteilt

Kommentare