Gäste beim Skulpturen Symposium an der Mangfall
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Skulpturen Symposium: Die Finissage war gut besucht.

Finissage

Skulpturen-Symposium: Zauberhafte Reflexe und ein neues Land

Die Finissage des neunten internationalen Kunstdünger Skulpturen-Symposiums an der Mangfall war gut besucht.

Anderlmühle – Das neunte internationale Kunstdünger Skulpturen Symposium ist Geschichte. Mit einer feierlichen und stimmungsvollen Finissage vor großem Publikum endete am Samstagabend auf dem Gelände an der Mangfall die Neuauflage nach der Pandemie-Zwangspause. Sieben neue und ein neu gestaltetes Objekt erwarten nun Besucher auf der Skulptur-Lichtung.

Der heuer verwendete rote Sandstein aus der Pfalz setzt dabei farblich Akzente. Zunächst blieben diese unter leuchtend roten Tüchern verborgen, als Valleys Bürgermeister Bernhard Schäfer von Spaziergängen an der Mangfall erzählte, bei denen er die Metamorphose von Felsblöcken und Holzpflöcken erlebt hatte. Als Schreiner wisse er, welche Arbeit dahinter steckt. Stellvertretender Landrat Jens Zangenfeind kam nach längerer Pause zur Skulptur-Lichtung und war „fasziniert, was hier entstanden ist“. Ein vorbildliches Projekt sei entstanden, das den Landkreis belebe. Gedankenspiele von einem gemeinsamen Projekt des weltoffenen Valleys mit seiner Gemeinde Hausham griff spontan ein Besucher auf, als Hausherr Tobel bei einem Überblick über den finanziellen Rahmen bedauerte, dass das Budget keine Künstlerhonorare erlaube. Etwa 70 000 Euro koste das Symposium, 40 000 Euro tragen Sponsoren – zehn Prozent davon öffentliche Gelder, den Rest Firmen und Privatleute, 30 000 Euro werden ehrenamtlich abgedeckt.

Kleiner als gewohnt arbeitete Tobel und er werde auch noch zwei Tage nacharbeiten müssen, entschuldigte sich der Künstler, dessen „Identity“ noch der letzte Schliff fehlt. Enthüllt von Vitus, einem Steinmetz auf der Walz, der sich spontan eingeklinkt habe, wie Christiane Ahlhelm erzählte, die zusammen mit Tobel für das Symposium verantwortlich zeichnet. Die Schauspielerin inszenierte mit dem Orchestra Leo und Annemarie Hagn eine stimmungsvolle Enthüllung. Rezitierte die italienische Philosophin Luisa Muraro, waberte als glupschäugiges Waldwesen durch Sibylle Kobus’ Strumpfhoseninstallation, rief als übergroße feine Dame „nicht Milch und Quark, nein Solidarität macht stark“ in die Runde und verkörperte für Chris Peterson mit steifem Renaissancekragen die Historie der Niederlande. Der Holländer, der mit dem ungewohnt weichen Stein umdisponieren musste, fand seine zweite Teilnahme nach 2017 noch magischer. Takeshi Kubo hatte seine Frau Nao an der Seite, die erklärte, was es mit Locobear, dem innig geliebten Hund aus Kindertagen auf sich hat. Ihn setzte der Japaner samt seiner eigenen Silhouette an die Mangfall – mit Augenlöchern, durch die irgendwann Blumen wachsen und seine enge Verbindung zu diesem Ort symbolisieren sollen. Von den zauberhaften Reflexen, die Kubos direkt ans Wasser gesetzten Zylinder im Morgenlicht gäben, schwärmte Ahlhelm, während das Künstlerpaar Stefanie und Emmanuel Heringer dazu animierten, diesen Ort mit dem leisen Plätschern der Mangfall aus ihrer Krone im Baum zu erleben.

Ein neues Stück Land habe man sich durch Fernando Pinto erarbeitet, hieß es. Auf der Almwiese oberhalb thront nun seine Auseinandersetzung mit Stein als Gedächtnisspeicher der Menschheit. Ein wenig Nacharbeiten muss auch die Künstlerin Teresa Glatt, deren archaischer Figurengruppe noch die Farbe fehlt. Dazu wolle sie sich gern musizierend daneben setzen, stellte Annemarie Hagn in Aussicht, nachdem die junge Künstlerin erklärt hatte, dass sie als starke Frau sie zu einer der Figuren inspiriert habe.

Von Heidi Siefert

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