+
Orgelreferent Sixtus Lampl , hier im Alten Schloss in Valley, kennt die Geschichte der Weihnachtsmesse.

Diese Show sollten sich Klassik-Fans nicht entgehen lassen: 

Uralte Weihnachtsmesse erlebt Auferstehung 

Valley – Ein kulturhistorischer Schatz – die Weihnachtsmesse von Joseph Christian Willibald Michl aus dem Jahr 1791 – erfährt zu Weihnachten in Valley seine Auferstehung. Mehr als 200 Jahre, nachdem er in Vergessenheit geriet.

Man schreibt das Jahr 1778, es ist Anfang Januar. Wenige Tage zuvor, an Silvester 1777, ist der bayerische Kurfürst Max III. Joseph gestorben – der letzte altbayerische Wittelsbacher. Knall auf Fall übernimmt der kurpfälzische Wittelsbacher Karl Theodor aus Mannheim das Regiment in Bayern und schafft Fakten, ehe die Habsburger ihre Erbansprüche in München auch nur anmelden können. Sixtus Lampl, der den Schlossverlag Valley betreibt und einige kunsthistorische Werke veröffentlicht hat, kann sich kaum vorstellen, was wäre, würde Bayern heute zu Österreich gehören.

Bei dieser rasanten Regentschaftsübernahme blieb einer der talentiertesten Musiker Bayerns auf der Strecke: Denn Karl Theodor brachte seine eigene Hofkapelle aus Mannheim mit, die bestehende Münchner Hofkapelle setzte er vor die Tür. „Joseph Christian Willibald Michl war damit auf einen Schlag nicht mehr Hofkomponist, sondern arbeitslos.“

In seiner Not in diesen turbulenten Zeiten wandte sich der geschasste Hofkomponist an seinen Onkel Johann Baptist Moser, der damals Klosterrichter in Weyarn war, ob dieser nicht eine freie Stelle habe. „Frei war keine, aber erfunden wurde doch eine“, erklärt Lampl: Der arbeitslose Michl wurde vom Kloster als „Recreations-Secretarius“ angestellt. Er war also für die der „Recreation“ dienende, sprich weltliche Musik zuständig. Im Augustinerchorherrenstift stand Michl auch ein Orchester zur Verfügung: Von den 44 Chorherren spielte fast jeder ein Instrument.

Die Geschichte blieb dem Schaffen Michls dennoch nicht hold: Fast alle seine Werke wurden im Zuge der Säkularisation 1803 vernichtet, erklärt Lampl. Erhalten blieben lediglich jene geistlichen Werke, die in einem Schrank auf der Orgelempore gesammelt waren.

Dass es diese Werke überhaupt noch gibt, sei dem Umstand zu verdanken, dass es den Aufhebungskommissären im Februar 1803 offenbar einfach zu kalt war, auch noch die Orgelempore zu durchsuchen. Der Notenschrank geriet fast 150 Jahre lang in Vergessenheit, ehe er 1948 wiederentdeckt wurde. Und zu den Schätzen aus dem Schrank, mit denen sich Lampl nach Pfarrer Matthias Mayer am ausführlichsten beschäftigte, zählt auch eine große Weihnachtsmesse Michls.

Sie wird heute in der Freisinger Dombibliothek aufbewahrt, Lampl erhielt eine Kopie der Notenblätter. In etwa 300 Schreibstunden übertrug Hannes Lang, Hornist bei den Valleyer Barockmusikfreunden, die alten Notenblätter am Computer zu einer Partitur und Aufführungsstimmen.

Seit zwei Monaten proben die Barockmusikfreunde nun Michls Weihnachtsmesse – und sind begeistert von dem Werk, das doppelt so lang wie übliche Pastoralmessen ist. 

Reservierung und Termin

Am Zweiten Weihnachtsfeiertag am Montag, 26. Dezember, erwecken Solisten sowie Chor und Orchester unter der Leitung von Sixtus Lampl das Mammutwerk zum Leben. Das Konzert in der Zollingerhalle beginnt um 15 Uhr und kostet 15 Euro. Reservierungen sind unter 0 80 24 / 41 44 und per E-Mail an info@lampl-orgel zentrum.com möglich.

Komponist Michl ging, nachdem er zum zweiten Mal seine Stelle verloren hatte, übrigens zurück in seinen Geburtsort Neumarkt. Dort starb er heuer vor 200 Jahren im Alter von 71 Jahren.

Katrin Hager

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Gewerbegebiet fast voll: Bürgermeister will Fläche verdoppeln
Das Gewerbegebiet Holzkirchen Nord ist fast voll. Der Bürgermeister denkt über eine große Erweiterung nach. Doch die ist im Gemeinderat umstritten.
Gewerbegebiet fast voll: Bürgermeister will Fläche verdoppeln
Marlene Hupfauer ist Kreisbäuerin aus Liebe zur Landwirtschaft
Marlene Hupfauer hat das Amt der Kreisbäuerin übernommen. Sie will dem Verbraucher die Landwirtschaft wieder näherbringen. Selbst kann sich die 46-Jährige ein Leben ohne …
Marlene Hupfauer ist Kreisbäuerin aus Liebe zur Landwirtschaft
So teuer kommt den Holzkirchnern die Geothermie
Die Geothermie kommt die Gemeinde teuer zu stehen: Das geht aus dem Haushalt 2017 hervor. Trotzdem ist in der Kasse noch Platz für andere Projekte.
So teuer kommt den Holzkirchnern die Geothermie
Sperrung in der Tegernseer Straße in Holzkirchen
Der Verkehrsfluss in Holzkirchen hat noch einen Pfropfen bekommen: Seit Montag ist der Bahnübergang in der Tegernseer Straße zwischen Holzkirchen und Lochham komplett …
Sperrung in der Tegernseer Straße in Holzkirchen

Kommentare