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Schranke mit Öffnungszeiten: Der Bahnübergang am Pflugpointweg stammt aus den 1960er Jahren. Er soll noch heuer geschlossen werden. 

Relikt einer anderen Zeit

Uralter Bahnübergang wird dicht gemacht

Seit den 60er-Jahren verbindet der Bahnübergang am Pflugpointweg die B318 mit der Staatsstraße 2073. Jetzt soll das Relikt aus einer anderen Zeit geschlossen werden. Ein Ersatzweg soll kommen. 

Valley– Noch steht das kleine Bahnwärterhütterl neben den Gleisen an der Staatsstraße bei Oberlaindern. Und weil die Schranken von Hand gehoben und gesenkt werden, hat der Bahnübergang sogar Öffnungszeiten. Die Tage des Relikts aus einer anderen Zeit, als der Alltag noch weniger durchgetaktet und die Technik noch weniger automatisiert lief, sind gezählt. Der Bahnübergang am Pflugpointweg, an der Staatsstraße zwischen der Holzkirchner Spinne, die die B 318 und die Staatsstraße 2073 verbindet, und Oberlaindern wird geschlossen. Der Valleyer Gemeinderat hat sich stattdessen einmütig für einen Ersatzweg entschieden.

Das Gremium hatte dabei nur die Wahl zwischen extrem teuer oder gar nicht. Denn die Deutsche Bahn muss wegen veränderter Sicherheitsbestimmungen etwas tun am Bahnübergang Pflugpointweg.

Wie die DB auf Anfrage erklärt, ist der Bahnübergang bislang nicht in das Zugsicherungssystem auf der Bahnstrecke Holzkirchen-Miesbach eingebunden. Dies allerdings ist nun fällig, „entsprechend der Fortschreibung der Sicherungsbestimmungen“. Die Bahn muss den Übergang entweder technisch nachrüsten und auf den heutigen Stand bringen – oder ihn im Behördenjargon „auflassen“, also schließen. Die Nachrüstung wäre an dem kleinen Bahnübergang, der 1962 in Betrieb ging und 1970 erweitert und mit einem Schrankenwärter besetzt wurde, allerdings teuer: Mit 1,8 Millionen Euro kalkuliert die DB Netz AG. Die Kosten würden gedrittelt zwischen Bahn, Bund und dem Straßenbaulastträger, in diesem Fall die Gemeinde Valley. Damit würden auf die Gemeinde 600 000 Euro zukommen. Den Bahnübergang nutzen derweil eine Handvoll Grundanlieger, die zum Fichtholz wollen, um Wald und etwas Wiese zu bewirtschaften. Und die Sache hat noch einen weiteren Haken, erklärt Bürgermeister Andreas Hallmannsecker (FWG): Das Straßenbauamt habe bereits angekündigt, der Lösung nicht zuzustimmen. Denn wenn der Bahnüberang erneuert wird, greifen auch weitere aktuelle Vorschriften. Demnach müsste auf der Staatsstraße eine Ampelanlage installiert werden, um sicherzustellen, dass das „vorgeschriebene und sicherheitstechnisch notwendige Räumen des Bahnübergangs“ gewährleistet werden könne, teilt die Bahn mit. Eine Ampel auf freier Strecke – da will das Staatliche Bauamt nicht mitspielen. „Das wäre ja fast ein Schildbürgerstreich“, meinte auch Paul Hechenthaler jun. (FWG). Die DB Netz AG bezeichnet die Schließung des Bahnübergangs daher als „alternativlos“.

Die Nutzer brauchen allerdings eine Alternative, um ihre Grundstücke zu erreichen. Sie werden künftig über den knapp einen Kilometer entfernten Bahnübergang Osterläng in Oberlaindern geführt. Ein Ersatzweg direkt nördlich entlang der Bahngleise ist derweil nicht möglich. Dazu müsste eine Schneise am Waldrand entlang geschlagen werden, erklärt Hallmannsecker. Dabei spielen die Grundstücksbesitzer nicht mit, und auch aus forstlicher Sicht wäre das fragwürdig, weil Sturmschäden drohen, wenn sich bisher geschützte Bäume plötzlich selbst am Rand befinden. „Aber wir haben ja ohnehin ein Netz von 2,7 Kilometer Waldwegen in dem Bereich“, sagt Hallmannsecker. Zwei davon sollen nun verbunden und ordentlich ausgebaut werden.

Die bestehenden Wege sollen auf 3,5 Meter Breite mit Banketten ausgebaut und befestigt werden – mit Kies, ohne Asphalt. Die Gemeinde muss dafür noch Grundstücksverhandlungen ins Ziel bringen. Die Kosten für den Ausbau dürften im sechsstelligen Bereich liegen, eine Schätzung gibt es noch nicht. Die Gemeinde habe sich mit der Bahn darauf geeinigt, dass diese die Kosten übernimmt.

Laut Bahn soll der Alternativ-Weg im Herbst dieses Jahres ausgebaut werden. Ist der Alternativweg fertig, wird der Bahnübergang Pflugpointweg geschlossen. Der endgültige Rückbau erfolge voraussichtlich 2018. Die Bahnwärter würden weiterhin bei der DB Netz AG eingesetzt.

Kathrin Hager

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