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Baustoffrecycling im Blick: Das neue Forschungsgebäude wird auf der freien Fläche zwischen dem bestehenden Betonlabor, dem Fluglabor (vorne) und der Multifunktionshalle (rechts) gebaut.

Fraunhofer Institut für Bauphysik

Vom Bauschutt zu neuem Baustoff: Beton-Forscher bekommen neue Halle

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Sie erforschen, wie aus Bauschutt neue Baustoffe recycelt werden können. Dafür bekommen die Forscher mehr Platz. Das Fraunhofer Institut für Bauphysik will eine neue Anlage bauen.

Holzkirchen – Die Baubranche boomt. Damit einher geht ein enormer Rohstoffverbrauch. Laut dem Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) in Oberlaindern gehört die Branche zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftssektoren Deutschlands. Bundesweit stecken in Bauwerken demnach rund 100 Milliarden Tonnen Kies, Sand und Co.. Nur: Was passiert mit den Baustoffen, sobald die Gebäude abgerissen werden? Eine Frage, mit der sich am IBP seit 2012 eine eigene Forschungsabteilung beschäftigt.

„Unsere Aufgabe ist es, Bauschutt aufzubereiten und zu recyceln, um die Deponien, auf denen dieser bislang gelagert wurde, durch Rückbau zu entlasten“, erklärt Dr. Severin Seifert, Gruppenleiter in der Abteilung Mineralische Werkstoffe und Baustoffrecycling. Bislang landen ausrangierte Materialien tonnenweise auf jenen Müllhalden oder werden in Straßen verbaut. Am IBP haben die Forscher unter anderem eine Methode entwickelt, wie sich Altbeton in seine Bestandteile zersetzt lässt. Für die „elektrodynamische Fragmentierung“ erhielten sie den Bundespreis des Wettbewerbs „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“.

Bislang tüftelten die 13 IBP-Forscher in ihrem sogenannten Betonlabor an den Recyclingmethoden. Nun sollen sie deutlich mehr Raum für ihre Forschungen bekommen. Das Institut plant den Bau einer 540 Quadratmeter großen Halle, in der Technologien zum Trennen, Sortieren und Neuzusammensetzen von Baustoffen entwickelt und verfeinert werden. Der holzverschalte Neubau entsteht zwischen Betonlabor, Fluglabor und Multifunktionshalle. Läuft alles nach Plan, erklärt Seifert, hofft das Institut, im September mit dem Bau zu beginnen.

Für die Forscher bietet die neue Halle neben einem Plus an Forschungsfläche auch wichtige Präsentationsflächen. In der „Demo-Anlage“ können die Wissenschaftler potenziellen Nutznießern ihrer Forschung, Baustoffproduzenten oder professionelle Aufbereiter, ihre Aufbereitungsmethoden präsentieren. Und zwar im großen, industriellen Maßstab. „Wir wollen der Industrie aufzeigen, was wir bislang im Labor im Kleinen erforscht haben“, erklärt Seifert.

Neben Technologien zur Aufbereitung von Schlacke oder Asche ist und bleibt eines der Kernforschungsfelder auch im Neubau die elektrodynamische Fragmentierung. Dabei wird ein Betonklotz in ein Gefäß gelegt, das mit Wasser gefüllt ist. Ein Hochleistungsimpuls trennt den Beton in seine Einzelteile auf: Zementstein und Zuschläge wie Kies und Sand in verschieden grober Körnung, die man nur noch aussieben muss. Das Prinzip umschrieb IBP-Forscher Dr. Volker Thome einmal so: „Das ist, als ob Sie versuchen würden, aus altem Brot Mehl herauszuholen, um daraus neues Brot zu backen.“

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Mit dem Forschungslabor wachsen freilich auch die Mengen an Baustoffen, die bearbeitet werden. Um die Materialien in verarbeitbare Happen vor zu zerkleinern, braucht es einen sogenannten Backenbrecher. Als im Valleyer Gemeinderat der Bauantrag behandelt wurde und die Sprache auf den „Zertrümmerer“ kam, wurde Robert Hofstetter hellhörig. „Macht der ordentlich Radau?“, wollte der FWG-Gemeinderat wissen. Architekt Gerhard Krogoll, der die Gemeinde berät, konnte ihn beruhigen. Die Lärmemissionswerte müssten eingehalten werden, sonst gäbe es gar keine Baugenehmigung. Der Gemeinderat gab dem Vorhaben einmütig seine Zustimmung. Gut so, fand Josef Huber (Valleyer Liste): „Wenn ich dran denke, wie viele Bauruinen überall rumstehen, die abgerissen werden müssen, ist es gut, wenn in diese Richtung geforscht wird.“

Laut IBP fallen bundesweit pro Jahr bis zu 55 Millionen Tonnen Bauschutt an – die dank der Forschung in Oberlaindern künftig ja vielleicht weitestgehend recycelt werden. Das Ziel ist klar: „Mit unseren Techniken wollen wir den Recyclingkreis schließen“, sagt Seifert. „Der Grundstein ist die neue Halle.“

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fp

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