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Valleyer Brauerei-Chef erklärt, warum es heute so schwer ist, Wirte zu finden

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Von: Florian Prommer

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Valleyer Brauerei-Chef erklärt, warum es heute so schwer ist, Wirte zu finden
Herr über Bier und Wirtschaften: Thomas Furtner, Betriebsleiter der Graf Arco Brauerei, vor dem Bartewirt in Kreuzstraße. © Andreas Leder

Gute Pächter sind goldwert. Wer weiß das besser als die Graf Arco Brauerei. Drei Wirtschaften hat sie derzeit allein in Valley verpachtet. Das war nicht immer so. Pächterwechsel prägten die letzten Jahre.

Valley – Morgens, kurz nach neun, am Bartewirt. Der Biergarten der Gaststätte in Kreuzstraße ist menschenleer. Ein Angestellter dreht einsam seine Runde, wischt Bierbänke ab, befreit Tische von Laub und Pollen. Wo im Sommer, zur Hochzeit, reger Betrieb herrscht, herrscht im Moment noch idyllische Ruhe. Thomas Furtner – groß gewachsen, Brille, Trachtenjanker – steuert einen der kleineren Tische nahe dem Eingang an. Der Kies knirscht unter seinen Schuhen. Sein Blick wandert durch den Biergarten, an den Kastanien vorbei. Er lächelt, denn er weiß: So ruhig wie jetzt, wird es hier in den kommenden Monaten selten sein.

Verpächter erinnert sich an Zeit, als Biergarten menschenleer war - trotz tollem Wetter

Der Biergarten mit 600 Sitzplätzen ist das Alleinstellungsmerkmal des Bartewirts, er ist der einzige klassische Biergarten im näheren Umkreis. Unter dem neuen Pächter brummt der Betrieb im Sommer, frohlockt Furtner, der Betriebsleiter der Gräflichen Brauerei Arco-Valley. Er erinnert sich aber durchaus noch an Zeiten, als der Biergarten wie ausgestorben war, unabhängig von Jahres- oder Tageszeit. Zu seinem Leidwesen. Die Traditionswirtschaft gehört der Brauerei, genauso wie der Kirchenwirt und das Bräustüberl in Valley. Die drei Gaststätten eint nicht nur der Besitzer, sondern eine bewegte jüngere Vergangenheit.

In den vergangenen Jahren wechselten in allen Betrieben die Pächter, teils mehrfach. Die Gründe, so abwechslungsreich wie eine gute Speisekarte: Insolvenz (Bräustüberl), ein Todesfall (Kirchenwirt) oder Unzufriedenheit mit der Geschäftsführung, wie beim vorherigen Pächter des Bartewirts. Unter ihm blieb Biergarten selbst bei schönstem Sommerwetter oftmals geschlossen. Im August 2015 zog die Brauerei die Reißleine. Sie trennte sich vom Wirt.

Was folgte, ist in den meisten Fällen unweigerlich mit einem Pächterwechsel verbunden: monate- oder gar jahrelanger Leerstand. Der Kirchenwirt in Unterdarching war – bevor dort Max Klaus und Marlies Huber gemeinsam den Betrieb übernommen haben – eineinhalb Jahre verwaist. Und ein Lokal, in dem kein Bier aus dem Zapfhahn sprudelt, ist für die Brauerei „eine Katastrophe“, sagt Furtner. „Uns fallen die Absatzstützen weg.“ Anders gesagt: Wenn niemand da ist, der Getränke verkauft, nimmt die Brauerei nichts ein.

Neue Wirte? „Die richtig guten haben ihre eigene Gaststätte“

Doch die Suche nach geeigneten Wirten gestaltet sich zunehmend schwierig. „Die richtig guten“, weiß Furtner, „haben meist eine Gaststätte.“ Findet sich einer, muss der sich das Wagnis Dorfwirtschaft jedoch erst einmal zutrauen. Beim Kirchenwirt, dem Anlaufpunkt für Vereine und Stammtische im Ort, etwa haben Interessenten von außerhalb abgewunken. Ihre Befürchtung: „Der Ort ist zu klein, da kommen doch viel zu wenig Gäste“, erinnert sich Furtner. Als Lockmittel hat die Brauerei ein paar Trümpfe in der Hand: Sie stellt den Pächtern einen Großteil des Inventars, die Einrichtung und, beim Bartewirt, die Biergarten-Garnituren. Und auch bei der Pacht sei man immer gesprächsbereit, wenn das Geschäft in den Wintermonaten zum Beispiel mal nicht so gut läuft, sagt Furtner: „Wir legen Wert auf eine gute Partnerschaft.“

So holprig die Suche sich oft gestaltet, auf die Gaststätten, die sie besitzt und verpachtet, will die Graf Arco Brauerei nicht verzichten. „Die sind gut fürs Image und fürs Renommee – wenn sie gut betrieben werden“, sagt Furtner, während er unter einem Schirm mit „Valleyer Schloss Bräu“-Aufschrift sitzt und hinter ihm die zwei großen Graf-Arco-Fahnen an der Gruber Straße im Wind flattern. Steht eine Wirtschaft aber leer, hat das eher den gegenteiligen Effekt in der Außenwirkung – und macht sich finanziell bemerkbar. Druck sei deshalb durchaus da, schleunigst eine Lösung zu finden. Furtner sagt aber auch: „Schnellschüsse bringen nichts, wir brauchen einen Wirt, mit dem wir und die Gäste zufrieden sind.“

Mit dem aktuellen Pächtern im Bartewirt, der Familie Kremer, die das Lokal seit nunmehr gut zwei Jahren betreibt, ist Furtner „zufrieden“. Ein Glücksgriff? Nicht ganz. Bevor der Pachtvertrag unterschrieben wurde, hat sich Furtner in Hessen umgehört, dort wo das Wirtspaar zuvor einen Gasthof hatte. „Ich bin hochgefahren, habe mich umgeschaut und Auskünfte eingeholt, wie sie sich schlagen“, erzählt Furtner. Die Kremers haben überzeugt. Und auch Kirchenwirt und Bräustüberl sind bei den derzeitigen Pächtern in guten Händen, findet Furtner. Nach turbulenten Jahren sind die Wirtschaften der Brauerei, so scheint es, in ruhigem Fahrwasser angekommen.

Die Gastronomie im Landkreis

ist im Umbruch. Häufige Pächterwechsel bereiten sogar Traditionshäusern Probleme. Wir haben das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Dafür haben wir uns mit einer ehemaligen Bräustüberl-Bedienung unterhalten, die in Tegernsee jetzt eine eigene Bar betreibt, und wir haben ein italienisches Restaurant in Miesbach besucht, um an das Erfolgsrezept von „Mamma“ und Inhaberin Concetta Giannini zu kommen. Im Interview spricht der Rottacher Gastronom Josef Bogner zudem über die Probleme in der Gastronomie, das Wirtshaussterben und die eigene Leidenschaft.

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