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Im Hoffeld in Valley – hier die Zufahrt zum jüngsten Einheimischenbauprogramm – hätten Eltern gerne eine Spielstraße. Der Gemeinderat Valley sagt Nein. 

Am Hoffeld in Valley

Trotz viel Verkehr im Wohngebiet: Spielstraße erhält Abfuhr

Sackgasse? Hier fahren doch nur Anwohner, könnte man meinen. Weil aber auch Lieferanten gerne mal durchfahren, forderten Eltern eine Spielstraße für das Hoffeld in Valley. Doch der Gemeinderat winkt ab.

Valley – Die Kinder im Neubaugebiet Am Hoffeld in Valley leben gefährlich, fürchten die Eltern. Zwar gibt es dort keinen Durchgangsverkehr, doch Pizzaboten, Paketdienste und Besucher fahren viel schneller durchs Wohngebiet, als dies vernünftig wäre, haben sie beobachtet. „Die Kinder sind einem sehr hohen Risiko ausgesetzt“, schrieben die 15 Familien an die Gemeinde und beantragten einen verkehrsberuhigten Bereich. Doch der Gemeinderat lehnt das ab.

Ein Doppel- und 13 Einfamilienhäuser sind in den vergangenen Jahren in der Erweiterung des Hoffelds gewachsen – und dort ist viel Leben eingezogen: 24 Mädchen und Buben, vom Baby bis zum Grundschulkind, leben dort mit ihren Eltern. Trotz eigener Gärten hat sich die Zufahrt zum Wohngebiet zum beliebten Treffpunkt für die Kleinen entwickelt, auf dem sie gerne spielen. Mangels Alternativen, schreiben die Eltern, denn einen Spielplatz gibt es nicht. Doch das Spielen auf der Sackgasse birgt Gefahren: Lieferanten, die Pakete oder Pizza bringen, oder Besucher bretterten durch das Wohngebiet. „Jeder Anwohner hat schon mehrmals gefährliche Situationen erlebt.“ Man dürfe nicht warten, bis etwas passiere.

Deshalb wünschen sich die Familien einen verkehrsberuhigten Bereich ab Hausnummer 11/12 bis zum Ende des Wohngebiets. Eine Spielstraße, in der nur Schrittgeschwindigkeit mit vier bis sieben km/h erlaubt ist. Dann könne man jene Fahrer, die schneller unterwegs sind, auch unmissverständlich zur Rede stellen. Da alle Anwohner den Antrag mittragen und es sich ohnehin um eine Sackgasse handelt, würde diese Spielstraße auch niemanden groß stören, argumentieren die Eltern.

Gemeinderat Huber: Spielstraße vermittelt trügerische Sicherheit

Dass ein verkehrsberuhigter Bereich zum Schutz der Kinder das Mittel der Wahl ist, daran bestanden im Gemeinderat allerdings Zweifel. „Dass wir eine Beruhigung schaffen sollten, finde ich auch“, sagte Bürgermeister Andreas Hallmannsecker (FWG), „aber nicht so.“ Das sah auch der Verkehrssachbearbeiter der Polizeiinspektion Holzkirchen, Ernst Größwang, so, den die Gemeinde zu Rate zog. Das Problem: „Kinder lassen sich durch ein Schild, das den verkehrsberuhigten Bereich aufhebt, nicht aufhalten.“ Tempo 30, das der Verkehrssachbearbeiter der Polizei stattdessen vorschlug, geht den Eltern indes nicht weit genug. Falls die Spielstraße nicht möglich ist, wünschen sie sich Tempo zehn und ein Schild, das auf spielende Kinder hinweist. Das konnte Claudia Zimmer (Valleyer Liste) gut nachvollziehen: „30 ist sehr viel, wenn man bedenkt, dass immer schneller gefahren wird als erlaubt.“

Josef Huber (Valleyer Liste) konnte die Forderung der Eltern nicht ganz nachvollziehen: „Man findet in der gesamten Gemeinde keinen so idealen Platz für Kinder.“ Eine Spielstraße vermittle nur trügerische Sicherheit. „Für meine Kinder würde ich das nicht wollen“, bekannte er. Bernhard Schäfer (FWG) sah das ähnlich. Auch wenn der verkehrsberuhigte Bereich mit baulichen Veränderungen optisch abgegrenzt würde: „An einem Strich halten Kinder doch eh nicht an.“ Zumal die Kinder am Hoffeld auch nicht unbedingt auf der Straße spielen müssten. „Die Bewohner haben alle einen Haufen Grund und Riesen-Gärten. Man kann Kindern schon beibringen, dass sie nicht auf der Straße spielen.“

Zumal eine Spielstraße Nebenwirkungen hat, die die Mehrheit im Gemeinderat vermeiden will: Parken ist dann nur noch in eigens ausgewiesenen Flächen erlaubt. „Das gibt Krieg“, glaubt Schäfer. Die Befürchtung: Parkende Autos könnten sich dann verlagern, in den westlichen Bereich des Hoffelds oder in die Graf-Arco-Straße. „Wir sollten das anders lösen als mit einer Spielstraße“, fand Hallmannsecker. Den Antrag der Eltern lehnte der Gemeinderat mit 11:6 Stimmen ab.

Das Gremium will sich nun quasi von unten an die künftig zulässige Höchstgeschwindigkeit im Hoffeld herantasten. „Wir sollten bei zehn anfangen und spätestens bei 30 aufhören“, appellierte Günter Schuler (SPD). Die Gemeinde werde sich dazu fachlichen Rat einholen, sicherte Hallmannsecker zu.

Katrin Hager

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