In den Gerichtssaal in Miesbach wurde der Angeklagte von der Polizei geführt (Symbolbild).
+
In den Gerichtssaal in Miesbach wurde der Angeklagte von der Polizei geführt (Symbolbild).

Ganze Litanei an Straftaten

Von Diebstahl bis Exhibitionismus: 21-Jähriger kommt um Haftstrafe nicht herum

Drogen, Geldmangel, Kriminalität: Ein 21-Jähriger aus Valley ist jetzt am Jugendschöffengericht in Miesbach zu einer Jugendstrafe verurteilt worden. Er muss eineinhalb Jahre in Haft.

Valley – Ein derart bewegtes Leben wie der 21-Jährige, der sich nun vor dem Miesbacher Jugendschöffengericht verantworten musste, haben wohl nicht viele in seinem Alter. 2012 floh er aus seiner Heimat Algerien, kam über mehrere europäische Staaten nach Deutschland, bis er schließlich in einer Asylbewerberunterkunft in Valley landete. Immer wieder hatte der junge Mann schwere Rückschläge zu verkraften, stürzte in Drogenabhängigkeit und Kriminalität ab. Derzeit sitzt er in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim ein, weshalb ihn zwei uniformierte Polizisten in den Gerichtssaal des Amtsgerichts Miesbach führten. Dort musste er sich wegen einer ganzen Litanei an Straftaten verantworten: Zu einer Reihe von Diebstählen und versuchten Diebstählen gesellten sich zwischen Dezember 2019 und Juli 2020 ein Diebstahl mit Waffen, Sachbeschädigung, vorsätzliche Körperverletzung, Bedrohung, unerlaubter Besitz von Betäubungsmitteln und exhibitionistische Handlungen.

Der Staatsanwalt musste erst einmal tief Luft holen, nachdem er die Anklage verlesen hatte. In der S-Bahn an der Haltestelle Kreuzstraße soll der Angeklagte einem Mann dessen Apple-Watch im Wert von 100 Euro vom Handgelenk gezogen und mitgehen lassen haben. Noch am selben Tag wurde der 21-Jährige in der Asylbewerberunterkunft in Valley mit einem Joint erwischt. Zwei Tage darauf klaute er in München zwei Personen ihre iPhones im Wert von je 500 Euro sowie Bargeld, wobei er ein Taschenmesser bei sich trug. Keine Woche später entwendete er in einem Münchner Hotel den Geldbeutel einer Frau mit 90 Euro. Dort durchsuchte er zudem zwei weitere Jacken, wurde aber nicht fündig.

Angeklagter entblößt sich vor der Polizei

Im Januar 2020 soll sich der Angeklagte abermals in München an einem Pkw zu schaffen gemacht haben, wurde jedoch entdeckt und suchte das Weite. Einen Tag später klappte es jedoch, er erbeutete eine Umhängetasche im Wert von 100 Euro. Im Mai soll er in der Asylbewerberunterkunft dann einen Rollladen beschädigt und einem anderen Bewohner mit der Faust in den Bauch geschlagen sowie ihn mit einer Kugelschreiber-Mine bedroht haben. Aus einem Firmenwagen eines Holzkirchner Unternehmens soll der 21-Jährige tags darauf eine Tankkarte sowie Fahrzeugpapiere entwendet haben. Und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, soll sich der 21-Jährige im Juli vor einer Polizistin entblößt haben.

„Er räumt das weitestgehend ein“, erklärte Verteidigerin Johanna Braun. Lediglich das Rollo wollte ihr Mandant nicht beschädigt und den Mitbewohner auch nicht mit einer Kugelschreiber-Mine bedroht haben. „Er hat oft unter hohem Suchtdruck gehandelt, weil er drogenabhängig war“, ergänzte Braun. Zu den diversen Diebstählen erklärte sich ihr Mandant selbst in nahezu perfektem Deutsch. Auf seinen Arabisch-Dolmetscher griff der Angeklagte nur äußerst selten zurück. Das Geld habe nicht gereicht, sagte der 21-Jährige – jedenfalls nicht, um seine Drogensucht zu finanzieren. Mit den gestohlenen iPhones etwa habe er sich damals Drogen gekauft. Das Messer, das er bei den Diebstählen beis sicht trug, habe er aber nur verwendet, „um einen Apfel zu essen“.

Heute, beteuerte der Angeklagte, „bin ich vollkommen clean und brauche keine Drogen mehr“. Sein Aufenthalt in einer Klinik habe ihm gezeigt, was Drogen aus Menschen machen können. „So will ich nicht enden.“

Beeindruckt von der Ehrlichkeit des Angeklagten zeigte sich auch der Staatsanwalt, der es für den fünffach Vorbestraften bei einer Jugendstrafe belassen wollte. „Sie haben heute reinen Tisch gemacht, und Ihre Beute bei den Diebstählen war bis auf die iPhones eher gering“, so der Staatsanwalt. Um eine Freiheitsstrafe komme man aufgrund der Fülle an Straftaten und der hohen Rückfallgeschwindigkeit jedoch nicht herum. Der Staatsanwalt und plädierte auf 21 Monate ohne Bewährung – „plus Fortsetzung der U-Haft“. Dass eine Freiheitsstrafe angebracht war, sah auch Rechtsanwältin Braun ein. Sie bat jedoch darum, die Strafe auf zwölf Monate zu beschränken und angesichts des Geständnisses zur Bewährung auszusetzen.

Bei einer Bewährungsstrafe spielte das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Klaus-Jürgen Schmid aber nicht mit. Das Urteil lautete ein Jahr und sechs Monate Jugendstrafe. Die Zeit in der Untersuchungshaft wird dabei angerechnet. Den fraglichen Vorfall in der Asylbewerberunterkunft klammerte das Gericht in Absprache mit der Staatsanwaltschaft schließlich aus.

Schmid erkannte zwar die Reue und das Geständnis des 21-Jährigen an, hielt die Jugendstrafe aber dennoch für geboten – wohl als letzten Warnschuss: „Wenn Sie so weitermachen“, mahnte der Richter, „dann werden Sie den Großteil Ihres Lebens im Gefängnis verbringen.“

hph

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion