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Das Gelände des Fraunhofer Instituts für Bauphysik bei Holzkirchen mit den beiden neuen Hallen (r.).

Festakt am Fraunhofer Institut 

Vorstoß in neue Dimensionen

Die grauen Riesen mit ihren dicken Bäuchen prägen den Ortseingang von Oberlaindern: Das Fraunhofer Institut für Bauphysik (IBP) in Valley zeigt inzwischen selbstbewusst, dass hier Grundlagenforschung für die Zukunft betrieben wird. Am Freitag wurden die Neubauten beim Festakt mit Wirtschaftsministerin Ilse Aigner eingeweiht.

Oberlaindern– Aus der „Geistersiedlung“ mit kleinen Versuchs-Häuschen ist ein futuristischer Forschungscampus geworden. Die derzeit 155 Mitarbeiter des Instituts arbeiten praxisnah an Grundlagen, die Bau-, Kraftfahrzeugs- und Luftfahrtindustrie brauchen. „Das sind Schlüsselbereiche unseres Wirtschaftsprofils in Bayern“, hob Aigner beim Festakt hervor. „Sie liefern die Ergebnisse, auf die andere bauen.“ Unter den Gästen waren auch Landrat Wolfgang Rzehak, Valleys Bürgermeister Andreas Hallmannsecker und der frühere Institutsleiter Professor Helmut Künzel.

Seit knapp zwei Jahren bereits stehen die neuen Hallen, die während hitziger Debatten im Gemeinderat schon mal als „Brotkasten“ bezeichnet wurden. Freistaat und Bund steckten jeweils 15,5 Millionen Euro in diese Erweiterung. Das Technikum (66 Meter lang, 44 Meter breit, 13 Meter hoch) mitsamt Labor- und Bürotrakt und seine Schwesterhalle (42 Meter lang, 47,50 Meter breit, 15 Meter hoch) haben es in sich. Ein Teil des Bodens der Multifunktionshalle besteht aus Gitterrost, darunter öffnet sich ein Schlund, mit dem die Halle Flugzeugrümpfe schlucken kann. Ein gelber Deckenkran spannt sich an der säulenfreien Tragwerkskonstruktion entlang.

Auf einer freien Höhe von drei Stockwerken wird hier bald der Rumpf eines Regionalflugzeugs gebaut und erforscht. Neue Verbundmaterialien sollen Flugzeuge leichter und sparsamer machen. Das hat auch Auswirkungen auf den Innenraum, in dem Crew und Passagiere sitzen.

Und das ist nur eines von vielen Projekten. Nebenan befindet sich das HiPIE-Labor. Der Raum wirkt wie Science Fiction. Mattgraue Edelmetallplatten, deren Temperatur einzeln regulierbar ist, kleiden Wände und Boden, an der Decke wechseln sie sich mit weißen Ventilatoren und milchigen Leuchtsegmenten ab. Hier werden die entsprechenden Gefühlseindrücke zu virtuellen 3D-Plänen für Bauprojekte realistisch simuliert. Damit bekommt die optische Planung eine neue Dimension: Man kann nachfühlen, ob es sich im geplanten Gebäude etwa im Sommer gut arbeiten lässt – oder ob ein umfangreicherer Sonnenschutz nötig ist.

Beim Festakt bekamen die Neubauten auch den kirchlichen Segen.

Die Forschungsfelder, die das Institut bestellt, boomen. Hier treffen sich große Zukunftsthemen: Energieeffizienz und Digitalisierung. Letztere war auch Thema bei einem Gespräch, zu dem sich die Institutsleiter Professor Klaus Sedlbauer und Professor Philip Leistner sowie Professor Alfred Gossner, Finanzvorstand der Fraunhofer-Gesellschaft, mit Vertretern aus Politik und Bauwirtschaft nach dem Festakt zurückzogen. Dabei sollten Folgen und Chancen der Digitalisierung konkretisiert werden und in eine „Valleyer Erklärung“ münden.

Mit den Forschungsfeldern wird auch das IBP in Oberlaindern weiter wachsen. Gleichwohl die Neubauten riesig sind: „Es war der Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Sedlbauer. „Der Neubau ist die erste bauliche Entwicklung hier jenseits von reinen Zweck- und Versuchsbauten.“ Eine dritte Halle, für die bereits Baurecht besteht, soll bis 2020 errichtet werden. Aigner sagte dafür bereits 5,5 Millionen Euro vom Freistaat zu. Nur ein Teil der Altbauten wird weichen. „Wir können sie nicht abreißen, weil wir sie brauchen“, sagt Sedlbauer. Man überlege intensiv, wie es weitergehe auf dem Gelände. „Wir werden uns irgendwann einmal eine neue Mitte schaffen.“ Südlich des Areals kommt eine neue Fläche für Freilandversuche hinzu.

Katrin Hager

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