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Begradigt und beengt: Der Darchinger Dorfbach hat mit einem natürlichen Bachlauf inzwischen wenig zu tun. Nicht nur in den Ortschaften, wie hier in Oberdarching, sondern auch auf den Wiesen und Feldern. 

Infoabend zu Gewässerentwicklungskonzept 

Dorfbach-Debatte schlägt hohe Wellen

Valley - Der Darchinger Dorfbach soll wieder naturnäher werden: Das wäre das Ziel eines Gewässerentwicklungskonzepts. Bei Landwirten sorgt das allerdings für viele Sorgen. 

Er ist eingezwängt in Rohre, selbst durch Wiesen fließt er schnurgerade, wie am Reißbrett in die Landschaft eingezogen. Mit einem natürlichen Bachlauf hat der Darchinger Dorfbach in der Gemeinde Valley wenig gemein. Ein Gewässerentwicklungskonzept könnte das ändern. Zumindest gibt es eine Richtung vor, wo und wie wieder naturnähere Strukturen entstehen könnten – unverbindlich. Doch das Konzept hat hohe Wellen geschlagen: Bauern sehen die Landwirtschaft in Gefahr, sogar von „Enteignung“ munkelte man schon im Ort. Am Donnerstag versuchte die Gemeinde die Stimmung mit einem Infoabend einzufangen, nachdem die beiden Ortsobmänner des Bayerischen Bauernverbands (BBV) und Gemeinderäte Josef Huber (Valleyer Liste) und Magnus Epp jun. (FWG) im Gemeinderat einen Antrag dazu gestellt hatten. 

Rund 30 Bürger kamen in den Bräu in Oberdarching. Der von der Gemeinde beauftragte Planer, der das Konzept entworfen hatte, war wegen einer Erkrankung nicht dabei. Andreas Holderer, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamts Rosenheim, versuchte, ins Kraut schießenden Sorgen mit Antworten den Nährboden zu nehmen. 

Das Gewässerentwicklungskonzept (GEK) baut im Grunde darauf, der Natur künftig weniger ins Handwerk zu pfuschen. Künstliche Uferverbauungen etwa sollten im Verlauf durch Wiesen nicht mehr „repariert“ oder durch Wasserbausteine ersetzt werden. Das gäbe dem Bach auf Dauer eine natürlichere Struktur – und Kleingetier und Fischen wieder mehr Lebensraum. Regelrechte Uferabbrüche seien am Darchinger Dorfbach nicht zu erwarten, so Holderer. Aufgehenden Uferbewuchs solle man nicht mehr aktiv verhindern, sondern sich auch mal entwickeln lassen. Das Wurzelwerk sorge an kleinen, wenig dynamischen Bachläufen wie dem des Darchinger Dorfsbachs auch für eine gewisse Befestigung, erklärte Holderer. 

Um diese Ziele festzuhalten, sieht das GEK entlang jener Bachabschnitte, die durch Wiesen verlaufen, zwei bis fünf Meter breite „Pufferzonen“ vor, die in allen Bundesländern außer Bayern gesetzlich vorgeschrieben sind. Die Pufferzonen hatten den Landwirten offenbar große Bauchschmerzen bereitet. „Mir stellt sich die Frage, wo ihre landwirtschaftliche Nutzung beeinträchtigt ist“, meinte indes Holderer. Gesetzlich vorgeschrieben ist ein GEK nicht, stellte er klar. Es sei eine unverbindliche Empfehlung ohne Rechtskraft, eröffnet der Gemeinde allerdings den Weg zu staatlichen Zuschüssen beim Unterhalt so genannter Gewässer dritter Ordnung wie dem Darchinger Dorfbach, zu dem sie verpflichtet ist. Ob die Gemeinde das GEK fallen lässt, sei ihre Entscheidung, so Holderer. „Es wäre eben schade ums Geld, das Sie dafür ausgegeben haben.“ Die Planung kostet 12 500 Euro, 75 Prozent davon decken staatliche Zuschüsse ab, gut 3000 Euro zahlt die Kommune selbst. 

Der Gemeinderat sah im Februar 2013 offenbar durchaus Sinn in einem GEK: Das damalige Gremium beschloss einstimmig, ein Konzept erstellen zu lassen, erinnerte Bürgermeister Andreas Hallmannsecker (FWG). Die Sitzung war nichtöffentlich. Und auch der Fortschritt der Planung blieb bislang weitgehend hinter verschlossenen Türen. „Wenn keine öffentliche Beteiligung vorgeschrieben ist, dann macht man’s auch nicht, weil es das Ganze sonst verzögern würde“, konstatierte Hallmannsecker. Die Quittung scheint die Gemeinde jetzt im Unmut der Landwirte zu bekommen. „Da wird auf meinem Grund was geplant“, ärgerte sich einer der Besucher beim Infoabend, „da wäre es doch nicht zu viel verlangt, dass die Gemeinde uns anschreibt.“ 

Eine öffentliche Beteiligung sei für ein GEK zwar tatsächlich nicht verpflichtend. „Aber das Landesamt für Umwelt empfiehlt in seinem Leitfaden, die Grundstücksbesitzer einzubeziehen“, betonte BBV-Fachberater Franz Sedlmeier. Warum das sinnvoll ist, untermauerte auch Holderer: Ohne die betroffenen Grundstücksbesitzer könnten die empfohlenen Ziele aus dem GEK gar nicht umgesetzt werden, weil ihm die Rechtskraft fehle. Holderer riet der Gemeinde deshalb, gemeinsam mit dem Planer des GEK Kompromisse mit den Grundbesitzern zu suchen. Die betreffenden Bachabschnitte einfach ganz aus dem GEK zu streichen, könnte dazu führen, dass das Konzept die erforderlichen Ziele nicht mehr erreicht. In diesem Fall wäre es auch für die Gemeinde wertlos, weil es dann eben nicht förderfähig sei. 

Hallmannsecker warnte jedoch vor dem Trugschluss, man wäre fein raus, wenn das GEK komplett scheitere. Denn wenn staatliche Zuschüsse als Geldquelle nicht in Frage kommen, müsse die Gemeinde überlegen, die Grundbesitzer an Maßnahmen am Dorfbachs finanziell zu beteiligen. Das sei keine Drohung, betonte der Bürgermeister, sondern Realität. 

Ganz vom Tisch dürften die Sorgen der Landwirte nach dem Infoabend kaum sein. Aber Josef Huber war zufrieden, dass das GEK nun öffentlich diskutiert wird und die Grundstückseigentümer nicht mehr außen vor sind. „Nichts anderes wollten wir mit unserem Antrag.“ Der Gemeinderat wird sich in der öffentlichen Sitzung am Dienstag, 2. Februar, ab 19 Uhr im Rathaus mit dem GEK befassen. „Wir sind mit der Diskussion noch lange nicht am Ende“, betonte Huber.

Katrin Hager

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