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Bei 400 Gästen war Schluss: Mehr sind im Sportzentrum einfach nicht erlaubt. Doch wer drin war, amüsierte sich köstlich und verlebte einen bunten Abend mit der Garantie zum Lachen.

Volles Haus beim Weiberfasching in Otterfing 

Schonfrist für den Bürgermeister

Jedes Jahr anders. Neu. Auch heuer feierten die Damen vom Frauenbund in den Weiberfasching hinein. Und wie immer waren die Karten restlos ausverkauft.

Otterfing – Mehr als 400 Gäste dürfen nicht in das Sportzentrum, hinein gewollt hätten durchaus mehr. Super sei es gelaufen, freut sich Hildegard Kaiser, nachdem sie und ihre Kolleginnen für die Gäste Spalier gestanden und sie mit wedelnden Armen und „Hey“-Rufen verabschiedet haben.

Kaiser ist zweite Vorsitzende des Frauenbundes und zeichnete zum zweiten Mal für die Organisation zuständig. Dabei ist sie seit 20 Jahren. Dass Frauen zwischen 25 und 65 Jahren aktiv werden, macht den Reiz des Otterfinger Weiberfaschings aus, unterstreicht sie. Weil der Bürgermeister auf Kur sei, hätten sie Gags mit ihm komplett aus dem Programm genommen. Weil, ihn aufziehen, „das machen wir nur wenn er da ist und darauf reagieren kann“. Überhaupt war der Weiberfasching heuer politfreie Zone. Ausnahmsweise. „Im vergangenen Jahr war es so politisch. Und nächstes Jahr bestimmt auch wieder“. Wirklich Bemerkenswertes sei eben in Otterfing nicht passiert.

Welche Arten von Party gibt es? Das hätten sie sich überlegt. Herausgekommen ist ein buntes Potpourri. Kurze Sequenzen. Selbst ausgedacht. Ein wenig Inspiration holten sie sich freilich schon aus dem Internet, erzählt Kaiser. Und der Otterfinger Schauspieler Leo Reisinger gab Tipps, „wie wir uns ein bisschen günstiger hinstellen könnten und so“. Er half beim Straffen und Ausbauen mancher Szenen und war ihnen überhaupt „künstlerische und moralische Unterstützung“. Witze und Sketche ergänzten das Thema Party. Ein Pappauto kam brummend auf die Bühne. BMW i8 war darauf gepinselt. Dem Mann am Steuer gelang das Lösen eines Tickets freilich problemlos. Und dann kam ein „Käferl“ mit einer Klischee-Frau am Steuer, die erst einmal Hilfe beim Rangieren benötigte.

Mit einer Abfolge von vielen kurzen Sketchen und Witzen unterhielten die Mitwirkenden ihr Publikum.

Durch „Paarshipping“ gehe in Deutschland „alle elf Sekunden jemand fremd“. Ein Date mit Weinprobe entgleiste prompt und endete mit den Worten „jetz geh ma zum Schnakseln, scheiß aufs Niveau!“ Bei einer Disko-Party mit Kopfhörern wurde lautlos getanzt. Und bei der Après Ski Party der „Skihaserl“ dröhnte „Anton aus Tirol“ aus den Boxen und die Gäste klatschten und gröhlten „ich bin so schön...“.

Wobei, ein bisschen ortspolitisch wurde es dann doch. „Vier, fünf Bäcker“ gebe es ja „Gott sei Dank“ in Otterfing. Was fehle, sei ein Drogeriemarkt. Deswegen werde zur „Putzparty“ geladen, im Stil einer Tupperparty. Putzgeräte wurden lasziv geschwungen, denn „putzen kann so schmutzig sein“. Dazu spielte flotte Musik, die Bärbel Richard zusammengestellt hatte. Im Weißlicht schlängelten sich neongelbe und pinke Kostüme bei geschmeidigen Choreografien über die abgedunkelte Bühne.

Aus Vereinsschatulle nähmen sie keinen Cent für den Weiberfasching, betont Kaiser. Jeder bezahle selbst für Kostüme und Equipment. Um den Erlös aus Kartenverkauf und Tombola komplett spenden zu können. An den Kindergarten gehe meist ein Teil, so Kaiser. Und eben dahin, wo im Ort oder darüber hinaus gerade finanzielle Unterstützung gebraucht werde. Im vergangenen Jahr hätten sie noch vor dem Weiberfasching spontan nach Simbach überwiesen, „obwohl die Kasse noch leer war“. Spaß haben und Gutes dabei tun, das ist seit vierzig Jahren ohne Unterbrechung das Erfolgsrezept des Otterfinger Weiberfaschings.

Johanna Wieshammer

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