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Der Favorit: Auf der Wiese am Pfarrhof ( im Hintergrund l.) soll eine Asylbewerber-Unterkunft entstehen.

Warngauer Gemeinderat kürt seinen Favoriten

Asylbewerber-Unterkunft soll am Pfarrhof entstehen

Warngau – Der Gemeinderat hat seine Wahl getroffen: Als Standort-Favorit für eine Asylbewerber-Gemeinschaftsunterkunft gilt eine Wiese neben dem Pfarrhof. Einige Gemeinderäte sind allerdings skeptisch, ebenso ein Nachbar.

Die Lage lässt sich nicht wegdiskutieren: „Diese Menschen kommen, Punkt – und wir brauchen den Platz“, fasste Max Bauer (FWG) im Warngauer Gemeinderat zusammen. In Warngau soll wie berichtet eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber entstehen. Der Gemeinderat hat sich am Dienstag für einen Standort-Favoriten ausgesprochen: Die Wohncontainer sollen am Bergfeld entstehen, auf dem Grundstück der Kirche, das an den Pfarrhof angrenzt. Sollte die Prüfung des Landratsamts dort negativ ausfallen, bietet die Gemeinde ein Grundstück am Kapellenfeld an. 

In Warngau leben derzeit 16 Asylbewerber in Wohnungen. Gemäß Verteilungsschlüssel im Landkreis sollten es bis Ende des Jahres aber rund 50 sein, erklärte Vize-Bürgermeister Jakob Weiland (CSU), der derzeit Klaus Thurnhuber im Amt vertritt. „Es ist fünf vor zwölf.“ 

Drei andere Standortalternativen waren für den Gemeinderat schnell ausgeschieden. Ein Grundstück an der Ahornallee etwa, das eine Privatperson anbot, liegt so weit im Außenbereich, dass diese Option baurechtlich nicht umsetzbar ist. Auch das Kirchengrundstück Am Bergfeld liegt zwar im Außenbereich, allerdings grenzt es direkt an zusammenhängende Bebauung an; ein Bebauungsplan wäre möglich. 

Das Kirchengrundstück weist einen Vorzug auf, den das Kapellenfeld nicht hat: Der einzige direkte Nachbar hat die Fläche selbst angeboten. Der Leiter des Pfarrverbands Holzkirchen-Warngau, Pfarrer Gottfried Doll, wohnt selbst im Pfarrhof; zwei jugendliche Pflegesöhne aus Afghanistan hat er schon mitgebracht, als er vor fast einem Jahr einzog. Doll, da war sich Marlene Hupfauer (FWG) sicher, werde die Lage im Blick haben. „Hier ist schon ein Kümmerer da“, meinte auch Lorenz Rinshofer (Bayernpartei). 

Allerdings fanden einige Gemeinderäte an der Stelle auch einen Haken. Just am Tag der Gemeinderatssitzung erreichte die Gemeinde ein Schreiben eines Landwirts, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen Hof betreibt: Er werde zur nächsten Sitzung einen Vorbescheidsantrag für einen neuen Milchviehlaufstall einreichen. Die Gemeinde will den Betrieb nicht gefährden: Im Beschluss des Gemeinderats ist ausdrücklich festgehalten, dass der landwirtschaftliche Betrieb durch eine Gemeinschaftsunterkunft nicht beeinträchtigt werden darf. Falls doch, soll die Alternative Kapellenfeld greifen. Die Mehrheit des Gemeinderats geht ohnehin davon aus, dass es nicht zu Problemen kommt. „Sonst hätte der Landwirt ja auch mit dem Kindergarten und dem Pfarrhof schon Probleme kriegen müssen“, meinte Christian Triendl (Grüne). 

Engelfried Beilhack (CSU) war gegen den Standort, der den Landwirt klar benachteilige. „Wenn wir da eine Unterkunft für 40, 50 Asylbewerber hinbauen, schmälert das den Wert der Immobilien“, warnte der CSU-Ortsvorsitzende, „wir sind für unsere Leute gewählt und haben einen Eid geleistet, zum Wohle des deutschen Volkes, nicht für alle anderen.“ Marinus Thurnhuber (Draxlhamer Liste) wollte die Unterkunft lieber weiter aus dem Ort haben, da könne man die Lage besser kontrollieren. Ebenso wie Anton Bader (FWG), der das Angebot des Kirchengrundstücks im Pfarrgemeinderat mit abgesegnet hatte, und Peter Huber (CSU) kam für sie schließlich nur der Standort am Kapellenfeld in Frage. Die vier stimmten gegen die Beschlussvorlage mit dem Kirchengrundstück als Favorit. 

Die Mehrheit im Gremium zeigte Ressentiments entschlossen die Rote Karte. „Mit einem Tierstall im Ort hätten wir kein Problem – aber mit Menschen, die wir wohnortnah unterbringen? Das verstehe ich nicht“, sagte Winfried Dresel (Grüne). „Wir sollten ihnen mit dem nötigen Respekt begegnen“, appellierte Leonhard Obermüller (CSU). „Ich traue Warngau und seinen Bürgern durchaus zu, das sie das schaffen.“ Man stelle sich vor, man komme in einem fremden Land an und sitze dort dann „im Holz“, meinte Adolf Schwarzer (CSU): „Wir würden doch auch Anschluss wollen.“ Natürlich dürfe man Ängste ansprechen, meinte Max Bauer, man müsse aber sachlich bleiben. Zu Raufereien mit Asylbewerbern sei es bisher allenfalls untereinander gekommen, erklärte Andrea Anderssohn (Grüne). Der Helferkreis, in dem sie federführend aktiv ist, wachse auch ohne Aufrufe kontinuierlich. „Die Menschen wollen helfen.“ 

Die Gemeinde wird einen Infoabend für alle Bürger organisieren, sobald feststeht, welcher Standort kommt und wie es zeitlich weitergeht, kündigte Weiland an. Zur Prüfung durch das Landratsamt und den Vertragsschluss mit der Pfarrgemeinde kämen am Pfarrhof das Bebauungsplanverfahren, dazu die Beschaffung der Wohncontainer sowie der Aufbau und Anschluss an Wasser- und Kanalnetz. Erfahrungsgemäß dürfte rund ein halbes Jahr vergehen, bis tatsächlich Asylbewerber einziehen.

Katrin Hager

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