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Bescherte den Zuhörern eine vorgezogene Weihnachtsfreude: Pianist Amadeus Wiesensee.

Zum achten Mal bei „Klassik im Advent“

Amadeus Wiesensee: Junger Pianist verzaubert Altwirt-Saal

Er ist erst 24, aber spielt Klavier wie ein reifer Philosoph: Amadeus Wiesensee begeisterte das Publikum im Altwirt-Saal in Warngau mit einem fulminanten Klavierkonzert.

Warngau – Advent, die Zeit der Erwartung. Für die Liebhaber klassischer Klaviermusik, die den Warngauer Altwirt-Saal bis zum letzten Platz füllten, hatte das Warten ein schnelles Ende. Für sie war Weihnachten schon am Samstag, als Amadeus Wiesensee, einer der leuchtendsten Sterne am Nachwuchshimmel, ein fulminantes Klavierkonzert ablieferte.

Amadeus Wiesensee – nomen est omen! – ist erst 24 Jahre alt, aber in der Warngauer Veranstaltungsreihe „Klassik im Advent“ bereits zum achten Mal zu Gast. Am Tegernsee aufgewachsen, wohnt er jetzt in München und ist schon längst musikalisch in die große Welt hinausgezogen, debütierte bereits als Zwölfjähriger mit dem Münchner Rundfunkorchester, konzertierte mit den renommiertesten Orchestern, studierte in Salzburg, Hannover und München, absolvierte Meisterkurse bei berühmten Pianisten und gibt im nächsten Jahr sein Debüt in London.

Der Präsident des Deutschen Musikrats Professor Martin Maria Krüger, der den musikalischen Leckerbissen sachkundig und charmant moderierte, wünschte einen „hochromantischen Abend“ mit Schubert, Brahms und Schumann. Schubert als herausragendem Vertreter der frühen Romantik ging es bereits sehr schlecht (er litt an Syphilis), als er 1823 die Klaviersonate a-Moll D 784 schrieb, düster und voller Schmerz und Leid.

„Harte Kost“, räumte Krüger ein, „von einer angstdurchsetzten Atmosphäre geprägt“, erklärte Wiesensee. Mit seinem emotionalen Einsatz und einer kompromisslosen Wucht im Spiel führte der Pianist sich selbst und vor allem auch den Flügel an seine Grenzen.

Als „eines der lichtesten Werke“ von Johannes Brahms bezeichnete Krüger die Sonate für Klavier und Violine Nr.2 A-Dur op.100, die „Thuner Sonate“, die Wiesensee zusammen mit der ebenfalls blutjungen Violinistin Amelie Böckheler zum Besten gab. Sie studierte an der Münchner Hochschule für Musik und Theater, am Konservatorium in Wien, ist seit 2016 Akademistin im Symphonieorchester des BR und gewann zahlreiche Nachwuchswettbewerbe.

Der Moderator wies darauf hin, wie anspruchsvoll es sei, dem Stück in der künstlerischen Ausgestaltung gerecht zu werden, nicht in die Beliebigkeit abgleiten zu lassen und mit der gebotenen Innigkeit, Zartheit und Beseeltheit zu agieren.

Den beiden Interpreten gelang es herausragend. Amadeus Wiesensee ist – ganz nebenbei – auch studierter Philosoph. Vielleicht ist das mit eine Erklärung für die ausgeprägte Reife, die er zusätzlich zu einer überragenden Virtuosität, erlesenen Klangkultur und höchsten musikalischen Empfindsamkeit noch in sein Spiel einbringt und dies noch um eine weitere Dimension, die mancher Pianist auch im fortgeschrittenen Alter noch nicht hat, bereichert.

Die innere Ruhe, mit der Wiesensee langsame Stellen oder Schlüsse interpretiert, ist bewundernswert. So meisterte er auch das „titanische Werk“ (Prof. Krüger) der Romantik von Robert Schumann, die Fantasie in C-Dur von 1839.

Wiesensee bezeichnete sie als „einzigen Liebesschrei“, der Schumanns Verlobter Clara Wieck (später seine Ehefrau) galt, für den Komponisten „das Passionierteste, was ich je gemacht habe“.

Amadeus Wiesensee spielte das leidenschaftliche, spannungsvolle und aufgewühlte Stück im Stile eines großen Meisters, der schon tausend Konzerte auf dem Buckel hat. Manch einer aus dem aufnahmebereiten und fachkundigen Publikum schien mit geschlossenen Augen in einer anderen Welt zu träumen, zumindest aber war es für viele ein musikalischer Heiliger Abend.

Von Reinhold Schmid

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