Komplett zerstört: das Schalthäuschen mit der Signaltechnik des Bahnübergangs bei Thann.
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Komplett zerstört: das Schalthäuschen mit der Signaltechnik des Bahnübergangs bei Thann.

Nach Unfall werden jetzt vier Bahnübergänge mit Personal gesichert

Züge fahren ab Montag wieder mit Normalgeschwindigkeit

  • Stephen Hank
    vonStephen Hank
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  • Sebastian Grauvogl
    Sebastian Grauvogl
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Die Auswirkungen der zerstörten Signaltechnik beim Bahnübergang in Thann werden noch lange zu spüren sein. Zumindest die Verspätungen sollen ab Montag der Vergangenheit angehören.

  • Nach dem schweren Unfall am Bahnübergang Lochham bei Holzkirchen gibt es nun ein verbessertes Sicherungskonzept.
  • Bis die Schäden repariert werden, soll es Monate dauern.
  • Derweil ermittelt die Polizei Holzkirchen den Unfallhergang und hat neue Erkenntnisse.

Update vom 18. September: Nach dem schweren Unfall am Bahnübergang bei Thann soll sich der Zugverkehr zwischen Holzkirchen und Warngau nun ab Montag, 21. September, wieder normalisieren. Die DB Netz AG konnte jetzt weiteres Personal für die Sicherung der insgesamt vier betroffenen Übergänge bereitstellen, heißt es in einer Pressemitteilung der Bayerischen Regiobahn (BRB). Vom beschädigten Schalthaus aus werden insgesamt vier Bahnübergänge zwischen Holzkirchen und Warngau gesteuert. Zwei von ihnen wurden bislang mit Personal gesichert, an den anderen mussten die BRB-Züge weiterhin anhalten. Dadurch kam es zu erheblichen Verspätungen. Ab Montag soll nun die Überwachungssystematik umgestellt werden. Das zusätzliche Personal ermöglicht es, alle betroffenen Bahnübergänge (Thann, Lochham, Tegernseer- und Miesbacher Straße) zu sichern. Damit können die Züge die Strecke wieder mit Fahrplangeschwindigkeit befahren. Allerdings bedeutet die Sicherung der weiteren Bahnübergänge auch, dass Autofahrer dort aus Gründen der Verkehrssicherheit auf die Freigabe durch die Bahnübergangsposten warten und sich dadurch etwas länger gedulden müssen.

Ursprünglicher Bericht vom 10. September: Christopher Raabe spricht von einem „Dominoeffekt“. Wie berichtet, ist durch das bei dem schweren Unfall am Dienstagmittag zerstörte Schalthäuschen am Bahnübergang Thann bei Warngau die Signaltechnik von drei weiteren Anlagen ausgefallen. Und wie beim Dominospiel dauert auch hier der Wiederaufbau deutlich länger als das Umfallen. „Es wird Monate dauern, bis wieder ein normaler Fahrbetrieb möglich ist“, vermutet der Pressesprecher der Bayerischen Regiobahn (BRB).

Die für die Infrastruktur zuständige Deutsche Bahn (DB) teilt diese Einschätzung. Es reiche nicht, einfach nur ein neues Schalthäuschen hinzustellen. Da alle vier Bahnübergänge in diesem Bereich am selben Strang hängen, müsse man auch an allen vieren die Signaltechnik austauschen und neu koppeln. Und das nehme einiges an Zeit in Anspruch. Wie viel genau, dazu kann die Bahn derzeit noch nichts sagen.

BRB: „Verspätungen schaukeln sich auf“

Die Auswirkungen bekommen die Fahrgäste der BRB seit Wiedereröffnung der Strecke zu spüren: in Form von Verspätungen. Mittlerweile habe sich die Situation zumindest etwas verbessert, berichtet Raabe. Waren anfangs noch Kundenbetreuer der BRB zur Verkehrsregelung im Einsatz, ist am frühen Donnerstagmorgen die Ablösung der DB Netz AG eingetroffen. Im Schichtbetrieb sichern Mitarbeiter die vier Bahnübergänge. Da sie im Kontakt mit den Zugführern stehen und ihnen nach Absperrung der Straße die Freigabe der Schienenstrecke erteilen, haben sich die Verspätungen mittlerweile auf fünf bis zehn Minuten reduziert, erklärt Raabe.

Dennoch bleiben die Auswirkungen der gestörten Technik weiter zu spüren, sagt Raabe. „Die auf den ersten Blick nur kleinen Verspätungen schaukeln sich im Tagesverlauf auf.“ Wie BRB-Geschäftsführer Fabian Amini auf Nachfrage erklärt, scheidet eine mobile, automatische Schrankenanlage als Zwischenlösung aus. Wie Amini von der DB Netz erfahren hat, müsste auch diese wieder in die Signaltechnik eingebunden werden. Und genau die ist ja nach dem Unfall defekt.

Ermittlungen schließen technischen Defekt nahezu aus

Wie es überhaupt zu dem Zusammenstoß zwischen Auto und Zug kommen konnte, das ermittelt die Polizeiinspektion Holzkirchen. Auch wenn man den Fahrer des Pkw, einen 29-Jährigen aus Baden-Württemberg, wegen seines Gesundheitszustands nach dem Unfall noch nicht vernehmen konnte und auch die Auswertung des Fahrtschreibers des Zugs noch nicht abgeschlossen ist, deute derzeit nichts auf ein technisches Versagen am Bahnübergang hin, berichtet Dienststellenleiter Johann Brandhuber. Selbst wenn die Lichtsignalanlage defekt gewesen wäre, hätte der Zug eine Warnmeldung zur Einleitung einer Zwangsbremsung bekommen, ergänzt BRB-Chef Amini. Auf unbeteiligte Zeugenbeobachtungen kann die Polizei laut Brandhuber hingegen nicht zurückgreifen. Auch deshalb würden die Ermittlungen noch länger andauern. sg

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