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Schön, aber gerade nach Regen nicht alltagstauglich: Radeln auf einem Feldweg in Warngau (Blick auf Oberwarngau und B 318). 

Bürgermeister drückt auf das Gas

Ein Radweg von München bis an den Tegernsee - es geht voran

Wer auf Asphalt mit dem Radl von München kommt, soll an der Landkreisgrenze nicht plötzlich auf Schotter fahren müssen. Der Gemeinderat Warngau hat jetzt den ersten Schritt gemacht für einen Radweg von Otterfing nach Gmund.

Warngau – Wer das Fahrrad als echte Alternative zum Auto etablieren will, muss dafür sorgen, dass es für Radfahrer sicher und bequem von A nach B geht.Ein durchgängiger Radweg von München bis an den Tegernsee wäre dafür schon mal eine wichtige Achse – so, wie es heute die B 318 für den Kraftverkehr ist. Nun wollen die Bürgermeister entlang dieser gedachten Achse einen Vorstoß unternehmen und auch den Landkreis in die Pflicht nehmen. Im Warngauer Gemeinderat hat Bürgermeister Klaus Thurnhuber die Vision nun vorgestellt und sich die nötige Rückendeckung vor Ort geholt, damit das Projekt vorwärtszubringen.

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Ein Radweg von München bis an den Tegernsee - es geht voran

Eine Raddirektverbindung von München bis an den Tegernsee ist kein Luftschloss. An der nördlichen Landkreisgrenze in Otterfing dockt nämlich bald ein Radweg aus der Landeshauptstadt an: Durch die Gemeinden Unterhaching, Taufkirchen, Oberhaching und Sauerlach soll bald ein Radschnellweg von München-Harlaching bis an die Otterfinger Gemeindegrenze führen, den der Landkreis München plant. Es wäre also nur logisch, den Weg nicht im Nichts enden zu lassen. Zumal der Ausbau des Radwegenetzes Teil des Verkehrskonzepts für den Landkreis und eine Direktverbindung Otterfing-Gmund eine der angepeilten Hauptachsen der Miesbacher Radloffensive ist (wir berichteten).

Ein Jahr vor der Kommunalwahl drückt der Warngauer Bürgermeister und stellvertretende Landrat nun aufs Gas in Sachen Radweg. „Wenn wir das im Verkehrskonzept drin haben, müssen wir das auch mit vereinten Kräften umsetzen“, sagt Thurnhuber. Mit seinen Amtskollegen Jakob Eglseder (CSU) aus Otterfing, Olaf von Löwis (CSU) aus Holzkirchen, Sepp Hartl (FWG) aus Waakirchen und Alfons Besel (FWG) aus Gmund hat er den Schulterschluss gesucht. „Es hilft nix, wenn Warngau in der Mitte das allein macht“, findet Thurnhuber. Man habe sich zunächst auf eine Machbarkeitsstudie verständigt. Die soll zeigen, wo und wie ein solcher durchgängiger Radweg von Otterfing bis Gmund zu schaffen wäre. Und was er kosten würde. Die Standortmarketinggesellschaft (SMG) des Landkreises soll sich darum kümmern und sei auch schon eingebunden worden in die Gespräche, sagt Thurnhuber. Für die Machbarkeitsstudie rechnet er mit Kosten in Höhe von rund 60 000 Euro. Die wollen sich die Gemeinden mit dem Landkreis teilen: 50 Prozent soll der Kreis für das übergreifende Projekt bezahlen, die andere Hälfte wollen sich die Gemeinden teilen. Auf Warngau kämen rund 6000 Euro zu, erklärte Thurnhuber im Gemeinderat.

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Ein Radweg von München bis an den Tegernsee: die Mobilität der Zukunft?

Dort stieß das Projekt auf Wohlwollen – auch wenn Marlene Hupfauer (FWG) anmahnte, wieder auf den Gemeinderat zuzukommen, sollten die Kosten für die Expertise deutlich steigen. „Die Zeit ist reif für solche Projekte, man muss sich auch mal was trauen“, fand Leonhard Obermüller (CSU), der wie Thurnhuber auch dem Kreistag angehört. Und Manuela Gschwendtner (FWG) merkte an, dass es gerade in Oberbayern erheblichen Nachholbedarf beim Ausbau von Radwegen gebe: „Das ist hier verschlafen worden.“ Auch in Warngau gibt es bislang keinen einzigen Meter Radweg. Das Gremium fasste einstimmig den Grundsatzbeschluss für eine Machbarkeitsstudie, um den interkommunalen Radweg auf Kurs zu bringen. „Ich hoffe, dass unser Beschluss Signalwirkung hat“, meinte Obermüller.

In den Gemeinderäten der anderen vier Gemeinden entlang der Radl-Achse steht der Grundsatzbeschluss noch aus, ebenso auf Kreisebene. Er habe zwar mit Kreiskämmerer Gerhard de Biasio schon geklärt, dass der Landkreis den von den Gemeinden erhofften Anteil an der Machbarkeitsstudie lockermachen könnte. „Aber das Thema sollte in den Kreisausschuss“, meint der Warngauer Bürgermeister, der auch als Kandidat für eine Landratskandidatur 2020 gehandelt wird. Auch wenn Verlauf und Kosten in der Machbarkeitsstudie erst geklärt werden müssen: Der Bau eines rund 20 Kilometer langen Radwegs wäre finanziell sicher kein Pappenstiel. „Wenn wir wissen, was das kostet, müssen wir nach Fördermitteln schauen.“

Die Radwegachse von Nord nach Süd einmal durch den Landkreis wäre jedenfalls ein wichtiger Baustein für die Mobilität der Zukunft. Und sie wäre nicht nur interessant für Radausflügler, sondern auch für Alltagsradler, die zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit aufs Rad umsteigen könnten, hofft Thurnhuber: „Mit dem E-Bike sind solche Strecken ja heute keine Distanz mehr.“

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von Katrin Hager

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