Auf der B318 nördlich von Warngau fahren Autos und ein Lkw. Hier soll ein neuer Funkmast für den digitalen Behördenfunk entstehen.
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An der B318 bei Warngau soll ein neuer Funkmast für den digitalen Behördenfunk entstehen.

Landeskriminalamt informiert Gemeinderat

Behördenfunk soll Lücken schließen: Neuer Mast ist in Warngau geplant

  • VonKatrin Hager
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Das Landeskriminalamt plant drei Masten für den Behördenfunk im Nordlandkreis. Ein Standort in Warngau zeichnet sich ab. Der Gemeinderat nahm das Vorhaben zur Kenntnis.

Warngau – Ein stabiles Netz mit klarer Sprachqualität: Eigentlich versprach der Digitalfunk für die „Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben“ (BOS) nur Verbesserungen. Doch das Versprechen hat der Tetrafunk nicht ganz gehalten: Im Landkreis Miesbach offenbart das Digitalfunknetz der Blaulichtorganisationen teils eine bescheidene Sprachqualität. Bei Einsätzen nicht nur lästig, sondern gefährlich. Drei weitere Funkmasten im Nordlandkreis sollen Abhilfe schaffen. Einer davon soll nach Warngau an die B 318 kommen. Über diese Pläne informierte den Gemeinderat nun ein Vertreter des Landeskriminalamts (LKA). Das Gremium nahm die Pläne ohne Diskussion zur Kenntnis. Mit einem Bauantrag wird es sich zu späterer Zeit beschäftigen, kündigte Bürgermeister Klaus Thurnhuber (FWG) an.

Das Problem mit der Sprachqualität tritt im Landkreis ausgerechnet in den flacheren Regionen im Norden auf. Schuld sei auch nicht mangelnde Netzabdeckung, erklärte Stefan Klein vom LKA im Gemeinderat: „Die Ursache sind zu viele Zellwechsel.“ Die Handfunkgeräte der Einsatzkräfte wechseln stets in die Zelle, die gerade den besten Empfang bietet. Überlagern sich in einem Bereich mehrere Zellen in ähnlicher Qualität, wechselt das Gerät permanent. Im Ergebnis wird der Ton blechern, werden Worte der Gegenseite schwer verständlich.

„Das ist nicht das Optimale“, bestätigte Kreisbrandrat Anton Riblinger im Gemeinderat. Die Zeit, das Problem zu lösen, drängt: „Das ist notwendig, weil ab 2023 auch die Alarmierung über den BOS-Funk erfolgen soll. Wir können nicht wieder bei jedem Baum, der über eine Straße fällt, die Sirene anwerfen – wir brauchen die Piepser-Alarmierung.“ Im Einsatzfall könne sich die Feuerwehr kraft Vielzahl der Einsatzkräfte noch etwas besser behelfen, aber Polizeistreife oder Rettungsdienst und Notarzt seien mit ihrem Funkgerät auf sich allein gestellt: „Man müsste dann aufs Telefon zurückgreifen – das geht nicht“, machte Riblinger deutlich.

Man sei in den vergangenen Jahren nicht untätig gewesen, betonte Klein. Die Thematik, die ja nicht nur den Kreis Miesbach betrifft, sei aber sehr komplex. Es sei ein „Alpenkonzept“ erstellt worden, berichtete der federführende Vertreter des LKA. Die Feldstärke habe nicht ausgereicht, um die Sprachqualität zu sichern, weshalb weitere Basisstationen erforderlich würden. Drei Suchkreise gibt es im nördlichen Landkreis Miesbach: bei Otterfing, westlich von Holzkirchen und bei Warngau.

Von einem bestehenden Mobilfunkmasten an einem Stadel nahe Schmidham hatten die Planer wieder Abstand genommen. Auch dort wäre ein Neubau fällig geworden, weil der Vodafone-Mast nicht mitgenutzt hätte werden können. Obendrein wäre der Standort weniger geeignet für das Versorgungsziel, weshalb ein Standort weiter westlich an der B 318 favorisiert werde: zwischen Oberwarngau und Lochham, von der Straße aus betrachtet hinter einem Wäldchen.

Der neue Mast soll an dieser Stelle voraussichtlich 45 Meter hoch werden, plus ein drei Meter langes Aufsatzrohr. Auf zwei Richtfunkbühnen mit Richtfunkspiegel finden zwei Sektorantennen Platz. Die Strahlung des BOS-Funk, sagte Klein, spiele insgesamt nur eine untergeordnete Rolle. Denn die abgegebene Leistung steige über die Zahl der Nutzer – und im Gegensatz zum Mobilfunk hat der BOS-Digitalfunk davon nur wenige, und die nicht laufend, sondern nur bei Einsätzen oder Übungen. „Sonst ist das nur ein Trägersignal.“ Auch bei Funkverkehr wird nur Sprache übertragen, also keine großen Datenmengen.

„Eine Schönheit ist es nicht, aber das ist ein Strommast auch nicht“, kommentierte Gemeinderat Max Bauer (FWG). Er fragte nach, ob man den Masten dann nicht auch gleich für Mobilfunk nutzen könne, etwa für den 5G-Ausbau. Klein antwortete, dies hänge davon ab, ob die Gemeinde das zulasse, ob der Grundstückseigentümer dazu bereit sei und ob seitens der Netzbetreiber der Standort überhaupt in Betracht gezogen werde. „Aber der Freistaat steht dem nicht entgegen.“ Statisch geeignet wäre der Mast.

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