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Betrunken auf Streifenwagen geklettert

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Nahaufnahme von einem Richterhammers
Das Miesbacher Jugendgericht verpasste dem Warngauer einen Denkzettel (Symbolbild) © IMAGO / U. J. Alexander

Erst stieg er der Polizei aufs Dach, dann widersetzte er sich den Beamten: Ein 20 Jahre alter Warngauer ist vom Miesbacher Jugendgericht zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Der Richter will ihm damit einen Denkzettel verpassen.

Warngau – Der Polizei wortwörtlich aufs Dach gestiegen ist im Mai dieses Jahres ein 20-jähriger Warngauer (wir berichteten). Beim Burschenfest in seinem Wohnort soll er auf das Dienstfahrzeug zweier Beamten geklettert sein und habe anschließend weglaufen wollen. Als die Polizisten den Mann zu Boden brachten und ihm Handschellen anlegten, habe er sich befreien wollen. Vor dem Miesbacher Jugendgericht musste sich der Warngauer nun wegen versuchter Sachbeschädigung sowie Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte in zwei Fällen verantworten. „Das tut mir wahnsinnig leid“, sagte der 20-Jährige vor Gericht reuig. „Ich weiß echt nicht, was mich da geritten hat, sowas zu machen.“

Er sei sehr betrunken gewesen, gab er an. „Das war das erste große Fest bei uns nach der Corona-Krise.“ Und da sei es alkoholtechnisch eben etwas aus dem Ruder gelaufen. Sein Pegel habe wohl dazu geführt, „so einen Blödsinn“ zu fabrizieren. Ob er damals realisierte, dass er auf einen Streifenwagen kletterte, daran erinnerte er sich am Verhandlungstag nicht mehr.

Dass das Polizeiauto eindeutig als solches identifizierbar war, das gab der einzige Zeuge des Prozesses zu Protokoll. „Mein Kollege und ich waren in einem uniformierten Einsatzfahrzeug unterwegs“, so der 43-jährige Beamte der Inspektion Holzkirchen. Der Dienstwagen sei in unmittelbarer Nähe zum Festzelt gestanden, um das Geschehen im Blick zu behalten. Reine Routine zunächst. „Dann hat es plötzlich hinten am Wagen gerumpelt“, erinnerte sich der Zeuge. „Und dann plötzlich oben.“ Sein Kollege sei aus dem Wagen ausgestiegen und habe beobachtet, wie ein junger Mann vom Dach des Streifenwagens sprang. „Dann wollte er weglaufen, wir haben ihn aber nach wenigen Metern einfangen können“, so der 43-Jährige, der den Angeklagten eindeutig als Täter identifizieren konnte. Weil dieser sich im Anschluss wehrte, „mussten wir ihn zu Boden bringen und ihm Handschellen anlegen“, berichtete der Polizist, der schmunzelnd ergänzte: „Im Dienstfahrzeug meinte er noch zu uns, dass wir den Falschen hätten.“

Allzu betrunken habe der 20-Jährige auf den Beamten gar nicht gewirkt. „Wir mussten ihn nicht stützen und er hatte auch keine verwaschene Aussprache“, erinnerte sich der Ordnungshüter. Wie sich bei einem Atemalkoholtest herausstellte, hatte der Warngauer aber immerhin rund 1,5 Promille Alkohol im Blut. Weil sich der Beschuldigte reuig zeigte und sich vor Gericht beim Polizisten entschuldigte, wollte der Staatsanwalt in Sachen Strafmaß die Kirche im Dorf lassen. 300 Euro Geldauflage hielt er für die beiden Taten für angemessen. „Die Widerstandshaltung war ja auch am unteren Ende der Fahnenstange und es entstand kein Schaden am Streifenwagen“, ergänzte der Jurist.

Amtsgerichtsdirektor Klaus-Jürgen Schmid ging mit dem staatsanwaltschaftlichen Vorschlag mit und brummte dem Warngauer eine Geldauflage in exakt dieser Höhe auf. „Das war jetzt kein krasser Widerstand“, wusste auch der Direktor, „aber eben doch zu viel für eine Einstellung.“ Die 300 Euro solle der 20-Jährige als „Denkzettel“ verstehen, so Schmid, „denn die Polizei ist Jedermanns Freund und Helfer - auch, wenn das manche nicht einsehen“.

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Von Philipp Hamm

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