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Anbau an der Westseite (im Bild): Die Bike Ranch in Reitham soll wachsen dürfen. Weitere Begehrlichkeiten will der Warngauer Gemeinderat per städtebaulichem Vertrag ausschließen. 

Bike Ranch-Erweiterung in Reitham 

Gemeinde Warngau arbeitet mit Netz und doppeltem Boden

Die Bike Ranch darf wachsen: Der Warngauer Gemeinderat leitet das Verfahren ein, um Baurecht für die geplante Erweiterung des boomenden Radlgeschäfts in Reitham zu ermöglichen. Weiteren Begehrlichkeiten will die Gemeinde aber einen Riegel vorschieben - per Vertrag.

Warngau – Der Laden brummt - und der Bike Ranch in Reitham geht der Platz aus. Ende 2016 hatte der Gemeinderat einmütig dem Antrag von Geschäftsinhaber Fabian Kniegl zwar zugestimmt, die Flächennutzungsplan- und Bebauungsplanänderung aber noch nicht ins Verfahren geschickt (wir berichteten). Denn das Gremium hatte eine Bedingung: Die beantragte Wohnnutzung von 60 Prozent im Obergeschoss des 20 Meter langen und elf Meter breiten profilgleichen Anbaus an den einstigen Bauernhof mit 8,65 Metern Firsthöhe sollte auf 40 Prozent sinken, damit der Schwerpunkt eindeutig auf dem Gewerbe liegt; im Erdgeschoss sind ohnehin ausschließlich Geschäftsräume vorgesehen. „Unser Planungsziel ist die Schaffung wohnortnaher Arbeitsplätze“, betont Bürgermeister Klaus Thurnhuber (FWG).

Darauf fußt die Argumentation, um für die Betriebserweiterung Baurecht auf der grünen Wiese zu schaffen. Ein zu hoher Anteil an Wohnnutzung hätte dieses Planungsziel konterkariert. Dass in dem Anbau überhaupt Wohnräume integriert werden dürfen, machen die Behörden davon abhängig, dass das Nebengebäude, ein Wohnhaus, auch tatsächlich abgerissen wird. Es soll weichen, damit der Innenhof der Bike Ranch für Be- und Entladungen sowie erforderliche Stellplätze genutzt werden kann. Nach Abstimmungen mit Gemeinde und Kreisbauamt hat der Inhaber nun einen entsprechenden Plan eingereicht. Im Flächennutzungsplan wird das Grundstück am Reithamer Westrand, in das der Anbau hinein lappt, als landwirtschaftliche Grünfläche festgesetzt.

Um böse Überraschungen auszuschließen, besteht die Gemeinde diesmal auf einen städtebaulichen Vertrag mit dem Bauwerber. Denn schlechte Erfahrungen hat die Gemeinde zuletzt immer wieder gemacht: wenn Bauwerber zusätzliches Baurecht einklagten. Die Planungshoheit der Gemeinde: quasi juristisch ausgehebelt. „Wir sind schon öfters vorgeführt worden“, berichtet Thurnhuber, und mit dieser Erfahrung steht die Gemeinde Warngau nicht allein da. Viele Kommunen beklagen, dass die Klagebereitschaft angestiegen ist – gerade, seit Grund und Boden die härteste Währung und den besten Profit versprechen. „Wir werden künftig öfters städtebauliche Verträge schließen“, kündigte der Warngauer Bürgermeister deshalb im Gemeinderat an: „Weil wir wissen, wie oft findige Juristen Baulücken rausziehen und weil wir Wildwuchs vermeiden wollen.“ Verbaut wären künftige Entwicklungen damit nicht: Der städtebauliche Vertrag mit Grundbucheintrag kann in Abstimmung mit der Gemeinde auch geändert werden – aber eben nicht über deren Kopf hinweg per Klage.

„Man muss schauen, dass man keine Bezugsfälle schafft“, erklärte Zweiter Bürgermeister Jakob Weiland (CSU), deshalb sei er mit dieser Lösung zufrieden. Der Gemeinderat gab mit 15:1 Stimmen den Startschuss für das Änderungsverfahren. Die einzige Gegenstimme kam von Anton Bader (FWG), dem der Änderungsbereich im Flächennutzungsplan zu groß ausfällt. Das, erklärte Thurnhuber, liege daran, dass die Änderung nicht auf den geplanten Anbau beschränkt werden könne.

Katrin Hager

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