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Ein Brauch mit langer Tradition: Das Kräuterbuschenbinden  bei Kreisbäuerin Marlene Hupfauer (l.) in Osterwarngau mit (ab 2.v.l.) Antonie Huber, stellvertretender Kreisbäuerin Andrea Rieder, Annemarie Eham, Rosi Probst, Centa Läßer und Angelika Prem. 

Bayerisches Brauchtum zu Mariä Himmelfahrt

Für alle Sinne: Was es mit den Kräuterbuschen auf sich hat

Zu Mariä Himmelfahrt werden in Bayerns traditionell Kräuterbuschen gebunden und zur Weihe gebracht. Bäuerinnen aus dem Kreis Miesbach erklären, was es damit eigentlich genau auf sich hat.

Osterwarngau– Wenn der Sommer seinen Höhepunkt erreicht und die Blumen und Kräuter im bäuerlichen Garten, auf Wiesen und Fluren in voller Pracht stehen, feiert die katholische Kirche am 15. August das älteste und größte Marienfest: Mariä Himmelfahrt. Dazu gehört in der Region auch der Duft von Kräutern und bunten Blüten. Die Ortsbäuerinnen aus dem Landkreis waren am Dienstag zum Kräuterbuschenbinden auf dem Hof von Kreisbäuerin Marlene Hupfauer in Osterwarngau. Am Donnerstag werden die Buschen in der Kirche gesegnet.

Die „Kräuterweihe“ erinnert an die Graböffnung Mariens. Statt des Leichnams sollen die Apostel dort Rosen und Lilien vorgefunden haben, vor dem Grab wuchsen die Lieblingskräuter der Gottesmutter. Nach alter Tradition werden in Teilen Bayerns zu Mariä Himmelfahrt heilkräftige Kräuter zum Strauß gebunden und gesegnet. Dieser Brauch lässt sich bis ins 10. Jahrhundert zurückverfolgen, berichtet Hupfauer. Schon ein Kalender aus dem Kloster Tegernsee aus dem späten Mittelalter weist darauf hin, dass alle Kräuter um diese Jahreszeit ihre vollste Wirkungskraft haben. Der gesegnete Kräuterbuschen sorgt nach altem Volksglauben für Schutz und Gesundheit und bekommt daher einen besonderen Platz, erklärt die stellvertretende Kreisbäuerin Andrea Rieder: im Herrgottswinkel, über der Tür oder unterm Dach. Die Bäuerinnen binden meist zwei Sträuße, damit einer zum Schutz auch im Stall hängt. Bei heraufziehendem Gewitter oder drohendem Unwetter gibt man einige Kräuter aus dem Buschen ins Herdfeuer; zum Schutz des Viehs vor Krankheiten mischt man sie ins Futter.

Was darf rein in den Kräuterbuschen zu Mariä Himmelfahrt?

In jeder Gegend sieht der Kräuterbuschen anders aus. sagt die Schlierseer Ortsbäuerin und Kräuterpädagogin Angelika Prem. Rein darf, was einem wichtig ist oder für die Gesundheit besonders wertvoll scheint. Fast jede Pflanze hat eine Bedeutung: Die Mitte bildet die Königskerze zum Schutz, die Rose steht für Maria und die Liebe, die Lilie für Reinheit. Baldrian verhilft zu gutem Schlaf, Salbei gilt als reinigend. Wermut verspricht Kraft, Mut und Schutz, Minze wirkt anregend, unterstützt das Gedächtnis und soll bei Ohnmachtsanfällen helfen, Arnika bei Schock und Verstauchungen. Für Glück und Liebe in der Familie steht die Kamille, Getreide für das tägliche Brot. Die Zahl der Kräuter soll „magisch“ sein, so die Kräuterpädagogin. Mindestens sieben Kräuter soll ein Buschen enthalten. Aber auch neun, zwölf oder gar 77 sind möglich.

Mit Mariä Himmelfahrt beginnt auch der „Frauendreißiger“, erklärt Hupfauer, der am 8. September zu Mariä Geburt wieder endet – wie der Mai eine Zeit besonderer Marienverehrung, in der Marien-Wallfahrtsorte aufgesucht werden.

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