1. Startseite
  2. Lokales
  3. Holzkirchen
  4. Warngau

Brücke über den Festenbach: So teuer wird der Neubau in Thalmühl

Erstellt:

Von: Katrin Hager

Kommentare

Völlig marode ist die Brücke über die Festenbach. Eine Sanierung wäre wirtschaftlich nicht sinnvoll.
Völlig marode ist die Brücke über die Festenbach bei Thalmühl. Eine Sanierung wäre wirtschaftlich nicht sinnvoll. © Thomas Plettenberg

Die Brücke über den Festenbach in Thalmühl ist gefährlich marode. Die Gemeinde Warngau wird sie durch einen Neubau ersetzen. Doch der wird teuer.

Warngau – Der Brückenschlag für die Gemeindeverbindungsstraße zwischen Thalmühl in der Gemeinde Warngau und Louisenthal in der Gemeinde Gmund wird teuer. Im November haben die Gemeinderäte Warngau und Gmund beschlossen, die Brücke über die Mangfall, die auch die Gemeindegrenze bildet, neu zu bauen. Die Kosten werden auf mehr als 870 000 Euro geschätzt. Doch damit ist es für Warngau noch nicht getan: Im weiteren Verlauf der Gemeindestraße in Richtung Sägewerk in Thalmühl, etwa 200 Meter nördlich der Mangfallbrücke, gibt es an der Brücke über den Festenbach nicht weniger Handlungsbedarf.

Bei der regelmäßigen Brückenprüfung offenbarten sich gravierende Schäden an dem Bau aus den 1960er-Jahren. Auf einer Skala von 1,0 bis 4,0 erreichte die Festenbachbrücke die Zustandsnote 3,9 – ungenügend. „Die Brücke ist derzeit nicht verkehrssicher“, erklärte Brückenbauingenieur Marcel Kober vom Fachingenieurbüro OK aus Lenggries, das auch den Neubau der Mangfallbrücke plant. „Es kann keiner sagen, wie lange das gut geht.“ Die Tonnage der Brücke wurde nach Berechnungen von den ursprünglichen 24 auf neun Tonnen herabgesetzt. Die Haupttragelemente wiesen große Schäden auf, der Beton ließ sich von Stahlträgern teils flächig abziehen. Und Probebohrungen zeigten, dass die Stahlträger durch eindringendes Wasser komplett verrostet seien. Eine Sanierung sei weder technisch noch – aufgrund regelmäßiger Folgekosten – wirtschaftlich sinnvoll.

Für einen Neubau hatte das Ingenieurbüro verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Parametern sowie Bauweisen durchgespielt, um schließlich bei einer Vorzugsvariante zu landen. Die Vorplanung sieht eine schlanke Brücke mit einer Länge von 4,43 Metern und einer Höhe von 2,30 Metern bei einer Erhöhung um etwa 20 Zentimeter in Fertigteil-Bauweise vor. Die bestehende Bachsohle bliebe dabei unverändert, die Bauzeit würde so kurz wie möglich gehalten. Eventuell würde aber eine Behelfsbrücke nötig.

Neue Brücke in Thalmühl kommt Warngau teuer zu stehen

Bei in der Vorplanung angesetzten 33 Quadratmetern Brückenfläche schätzte Kober die Baukosten auf etwa 280 000 Euro, zuzüglich 85 000 Euro Baunebenkosten und 50 000 Euro für eine Behelfsbrücke. Wären in der Summe 415 000 Euro. Dafür würde die Brücke eine faktische Verbesserung der Infrastruktur bieten, weil sie auf eine Tonnage von 40 Tonnen käme, und wäre damit – je nach Solvenz der Gemeinde – mit 40 bis 60 Prozent auf die reinen Baukosten förderfähig, so Kober.

Die Kosten ließen manchem Gemeinderat den Atem stocken. Adolf Schwarzer (CSU) etwa mahnte: „Auch die Fördermittel sind aus unser aller Tasche, vom Steuerzahler.“ Einige Gemeinderäte versuchten, Möglichkeiten zum Sparen zu finden. Warum die bislang zwei Meter von der Bachsohle bis zur Unterkante der Brücke nun nicht mehr reichen sollten, wollte etwa Peter Huber (CSU) wissen. Die Höhe ergebe sich auch aus Vorgaben des Wasserwirtschaftsamts, das den Durchlass der Brücke auch für ein hundertjährliches Hochwasser (HQ100) gewappnet sehen will, erklärte der Brückenbauingenieur. Florian Rank (FWG) wandte ein, der Abfluss im Festenbach sei ja am Oberlauf geregelt, seit es bei Moosrain das Rückhaltebecken gebe.

Der Bürgermeister will am Wasserwirtschaftsamt nachhaken, wie der geforderte Wert berechnet wurde und ob daran zu rütteln wäre. Eine Brücke aus Wellstahlrohren, wie Rank vorschlug, habe auch er zunächst im Sinn gehabt, berichtete Thurnhuber. „Aber dann müsste man den ganzen Bach während der Bauzeit verlegen – das sind wieder hohe Kosten.“ Jedenfalls keine Möglichkeit zum Sparen, wie auch Kober bestätigt hatte. Schwarzer mahnte an, die Breite möglichst gering zu halten. „Begegnungsverkehr ist da ja keiner.“ Nur für Holztransporte muss es reichen. Die Entscheidung fiel 15:2 für die Vorzugsvariante.

Preise im Brückenbau „regelrecht explodiert“

Die Preise im Brückenbau seien in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert, erklärte der Ingenieur. Die Gemeinde könnte immerhin vielleicht Profit daraus schlagen, dass sie wenige Hundert Meter weiter südlich ebenfalls eine Brücke zu bauen hat: die über die Mangfall. Thurnhuber hofft, dass sich die Gemeinde das bei einer gemeinsamen Ausschreibung zunutze machen kann.

Bis es so weit ist, wird noch einiges Wasser die Mangfall und den Festenbach hinabfließen. Nun muss erst geplant werden, auch eine wasserrechtliche Genehmigung wird nötig, so Kober. Und dann erst die Ausschreibung, bis der Bau beginnen kann: „Das wird 2022.“

Auch interessant

Kommentare