Wer wird hier ab Mai arbeiten? Das Bürgermeister-Amtszimmer im Warngauer Rathaus.
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Wer wird hier ab Mai arbeiten? Das Bürgermeister-Amtszimmer im Warngauer Rathaus.

Es wird unverhofft spannend

Bürgermeisterwahl in Warngau: Alle Infos zu Kandidaten und Gemeinde

Große Auswahl so kurz vor der Kommunalwahl 2020 am 15. März. Wir geben den Überblick über die politische Lage in Warngau und stellen die Bürgermeisterkandidaten vor.

  • Bürgermeisterwahl in Warngau - unverhofft spannend: Nachfolgend alle Infos zur Gemeinde Warngau, wo sie steht und wo die Herausforderungen liegen. Im Anschluss stellen sich alle Kandidaten selbst vor.
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  • Warngau – Wenn ein Amtsinhaber nochmal antritt, ist die Sache erfahrungsgemäß so gut wie geritzt, sofern er sich keine Skandale geleistet hat. In Warngau wäre die Bürgermeisterwahl nach dieser klassischen Lesart eine langweilige. Doch die Lage bei der Kommunalwahl ist komplexer. Und birgt unverhoffte Spannung.

    Gleich vier Kandidaten bewerben sich um den Chefsessel im Warngauer Rathaus – Amtsinhaber Klaus Thurnhuber (FWG) inklusive. Der sitzt so fest im kommunalpolitischen Sattel, dass er bis zum Stierunfall auf dem heimischen Bio-Hof im Sommer 2019, den der 56-Jährigeschwerstverletzt überlebte, sogar als potenzieller Landratskandidat der FWG gehandelt wurde.

    Mit einem so gefestigten Amtsinhaber aufnehmen könnte es allenfalls jemand, der selbst auch ein gewisses Gewicht auf der politischen Bühne mitbringt. Und einen solchen Joker spielt die CSU Warngau-Wall schon bei dieser Kommunalwahl aus: Mit ihrem Mandats- und Hoffnungsträger Leonhard Obermüller (43) aus Wall, Gemeinde- und Kreisrat, bläst sie zur Attacke aufs Rathaus.

    Die bloße Zahl der Bürgermeisterkandidaten macht eine Stichwahl am 29. März gar nicht mal so unwahrscheinlich. Denn auch die – in Warngau bereits traditionell starken – Grünen mit Gemeinderätin Andrea Anderssohn (55) und die Draxlhamer Liste mit dem politisch noch unerprobten Hans Gillhuber (48) wollen ein Wörtchen mitreden bei der Bürgermeisterwahl – und sei es als Zugpferd für die Gemeinderatsliste.

    Damit bekommt es Thurnhuber, der nach monatelangem Krankenstand mit Tatendrang zurück ist, mit gleich drei Herausforderern zu tun. Eine ganz andere Situation als bei der Kommunalwahl 2014, als CSU und Grüne auf Gegenkandidaten verzichteten. Damals trat einzig Lorenz Rinshofer als Gegenkandidat an, der wenige Monate vor der Wahl der CSU den Rücken gekehrt hatte und zur Bayernpartei gewechselt war.

    Die CSU-Fraktion büßte ihre Zurückhaltung 2014: Die Grünen gewannen damals ein Mandat hinzu, und die CSU-Fraktion verlor das von Rinshofer, der als Gemeinderat wiedergewählt wurde, aber eben schon der Bayernpartei angehörte.

    Der Warngauer Gemeinderat ist damit – abgesehen vom Kreistag – bislang das einzige kommunale Gremium im Landkreis, in dem die Bayernpartei vertreten ist. Um dies nach dem Rückzug von Rinshofer, der nicht mehr antritt, am 15. März zu verteidigen, tritt sie zur Gemeinderatswahl mit einer kompletten, 16-köpfigen Kandidatenliste an und hat einen Ortsverband Warngau gegründet – ebenfalls ihren ersten im Landkreis. Ortsvorsitzender ist ausgerechnet der Mandatsträger der eigentlich parteiunabhängigen Draxlhamer Liste, Marinus Thurnhuber. Der bleibt aber zur Gemeinderatswahl seiner Ortsliste treu und tritt für die Bayernpartei nur für den Kreistag an. Den Bayernpartei-Landratskandidaten Martin Beilhack, der in Warngau wohnt, werden die Warngauer wiederum nicht auf dem Wahlzettel für den Gemeinderat finden. Für die Warngauer Wähler gilt’s also, den Überblick nicht zu verlieren.

    Die Gemeinde Warngau in Zahlen

    • Ortsteile: 81, die größten davon sind Bernloh, Bürg, Draxlham, Einhaus, Hummelsberg, Lochham, Oberwarngau, Osterwarngau, Reitham, Taubenberg und Wall. 
    • Wahlberechtigte: 2912, Einwohner: 4204 (3930 Erstwohnsitze, 274 Zweitwohnsitze). 
    • Gemeindefläche: 52,34 Quadratkilometer. 
    • Gemeindestraßen: 71 Kilometer. 
    • Gemeinderäte: 16. 
    • Derzeitige Sitzverteilung: FWG 5, CSU 5, Grüne 4, Bayernpartei 1, Draxlhamer Liste 1. Kandidatenlisten 2020: FWG, CSU, Grüne, Bayernpartei, Draxlhamer Liste.

    Klaus Thurnhuber (56), Kandidat der FWG - „Heimat für die Zukunft erhalten“

    Klaus Thurnhuber (56), Kandidat der FWG - „Heimat für die Zukunft erhalten“

    Welche konkreten Herausforderungen sehen Sie in den kommenden sechs Jahren auf die Kommunalpolitik in Warngau zukommen?

    Thurnhuber: Bezahlbaren Wohnraum für die ortsansässige Bevölkerung zu schaffen, ist die größte Herausforderung. Wir werden in den Ortschaften eine optimale Auslastung der Grundstücke für Wohnraumschaffung unterstützen. Auch neue Einheimischen-Bauprogramme (Eigentumswohnungen, Häuser) werden gebraucht. Die Vergabe der Grundstücke nach dem Erbbaurecht als Antwort auf die extrem steigenden Grundstückspreise werden angedacht mit der Option, das Grundstück später erwerben zu können.

    In welchen Bereichen sollte die Gemeinde in der nächsten Amtsperiode am dringendsten investieren?

    Thurnhuber: Der Bedarf an Kinderbetreuung in Wall und Warngau steigt ständig, deshalb wird das einen großen Teil der zukünftigen Investitionen ausmachen, aber auch ein neues Feuerwehrhaus in Warngau muss gebaut werden, da es den gesetzlichen Bestimmungen nicht mehr entspricht.

    Arten- und Naturschutz sind heiß diskutierte Themen. Was kann und soll die Gemeinde Warngau diesbezüglich tun?

    Thurnhuber: Die Gemeinde hat sich schon vor „Rettet die Bienen” auf den richtigen Weg für mehr Artenvielfalt gemacht. Die gemeindlichen Rasenflächen werden zu Blühwiesen umgenutzt, um dadurch das Ökologische-Ausgleichskonto aufzufüllen.

    Was liegt Ihnen als Bürgermeister besonders am Herzen?

    Thurnhuber: Die lebens- und liebenswerte Gemeinde weiterentwickeln, um der nächsten Generation eine gute Zukunft in der Heimatgemeinde zu ermöglichen.

    Zur Person

    verheiratet, drei Kinder, Landwirt, seit 2008 Erster Bürgermeister. Stellvertretender Landrat seit 2014, Vorstandsvorsitzender Landschaftspflegeverband, Bürgermeistervertreter in der Öko-Modellregion, Kommunalvertreter im Bezirksfeuerwehrverband Oberbayern, bis 2008 18 Jahre lang Gemeinderat. Leitsatz: „Lebens- und liebenswerte Heimat für die Zukunft erhalten.“

    Leonhard Obermüller (43), Kandidat der CSU - „Mit Herz und Verstand“

    Leonhard Obermüller (43), Kandidat der CSU - „Mit Herz und Verstand“

    Welche konkreten Herausforderungen sehen Sie in den kommenden sechs Jahren auf die Kommunalpolitik in Warngau zukommen?

    Obermüller: Unsere Gemeinde soll lebens- und liebenswert bleiben. Wohnraum muss effizient und flächensparend entstehen, um die Menschen im Ort zu halten. Kinderbetreuung muss zukunftsorientiert sein, ebenso die Infrastruktur wie Straßenunterhalt, Raumbedarf für Feuerwehr, Ausbau von Geh- und Radwegen und schnellem Internet. Das neue Gewerbegebiet soll behutsam entwickelt werden, vorrangig einheimischen Betrieben Platz bieten und wohnortnahe Arbeitsplätze schaffen.

    In welchen Bereichen sollte die Gemeinde in der nächsten Amtsperiode am dringendsten investieren?

    Obermüller: Kinder sind unsere Zukunft. Es ist wichtig, durch vorausschauende Planung bedarfsgerechte und flexible Bedingungen für die optimale Förderung und Betreuung zu schaffen.

    Arten- und Naturschutz sind heiß diskutierte Themen. Was kann und soll die Gemeinde Warngau diesbezüglich tun?

    Obermüller: Sie soll auf kommunalen Flächen ihre Vorbildfunktion nutzen, kleinbäuerliche Familienbetriebe stärken und im ständigen Dialog mit Landwirten und Naturschutzverbänden stehen. Als überzeugter Biobauer (seit 1996) ist für mich der nachhaltige Umgang mit der Natur Grundlage meiner Arbeit.

    Was liegt Ihnen als Bürgermeister besonders am Herzen?

    Obermüller: Ein wertschätzendes Miteinander aller Generationen, ein aktives Vereinsleben, die Förderung von Familien; Ehrlichkeit, Empathie, Transparenz und Weitblick; gute Kommunikation mit den Bürgern.

    Zur Person

    verheiratet, zwei Kinder, Landwirtschaftsmeister und Industriekaufmann. Gemeinderat und Kreisrat seit 2002, aktuell Vorsitzender Rechnungsprüfungsausschuss der Gemeinde und im Landkreis, Vorsitzender Arbeitskreis Haushalt im Landkreis, stellvertretender Fraktionssprecher CSU-Fraktion im Kreistag, Sprecher der Biobauern im Mangfalltal, Lektor, Theaterspieler und vieles mehr. Leitsatz: „Mit Herz und Verstand die Heimat erhalten und gestalten – gemeinsam mit den Menschen aus allen Gemeindeteilen.“

    Andrea Anderssohn (55), Kandidatin der Grünen - „Zuhören, hinschauen, anpacken“

    Andrea Anderssohn (55), Kandidatin der Grünen - „Zuhören, hinschauen, anpacken“

    Welche konkreten Herausforderungen sehen Sie in den kommenden sechs Jahren auf die Kommunalpolitik in Warngau zukommen?

    Anderssohn: In erster Linie werden uns eine gemäßigte Ortsentwicklung, der Ausbau der Kinderbetreuung und die notwendige Verkehrssicherheit beschäftigen.

    In welchen Bereichen sollte die Gemeinde in der nächsten Amtsperiode am dringendsten investieren?

    Anderssohn: Dies wird unausweichlich der bereits genannte Ausbau der Kinderbetreuung sein und meiner Ansicht nach in Grunderwerb.

    Arten- und Naturschutz sind heiß diskutierte Themen. Was kann und soll die Gemeinde Warngau diesbezüglich tun?

    Anderssohn: Wir sollten auf gemeindlichen Flächen Blühwiesen und für Wildbienen Sandstreifen ermöglichen sowie das Mähverhalten deutlich reduzieren und auf weniger insektenaktive Uhrzeiten verlagern. Ebenfalls sollten wir bemüht sein, unsere Bürger für diese Verhaltensmaßnahmen entsprechend zu sensibilisieren. Grundsätzlich ist ein flächenerhaltendes Wirtschaften eine gesunde Basis für Natur- und Artenschutz.

    Was liegt Ihnen als Bürgermeisterin besonders am Herzen?

    Anderssohn: Ich möchte als Bürgermeisterin dafür Sorge tragen, dass jeder Bürger gesehen wird, dass wir schützen, was möglich, und ändern, was nötig ist. Sehr gerne möchte ich Möglichkeiten nutzen, unterschiedliche Generationen zusammenzubringen, damit Werte und Erfahrungen nicht verloren gehen.

    Zur Person

    verheiratet, zwei erwachsene Söhne, Dozentin im Bereich physikalische Therapie. Seit 2015 Koordinatorin Helferkreis Asyl Warngau, seit 2014 Gemeinderätin. Leitsatz: „Zuhören, hinschauen, anpacken – und sich selbst nicht so wichtig nehmen.“

    Hans Gillhuber (48), Kandidat der Draxlhamer Liste - „Pragmatische Lösungen finden“

    Hans Gillhuber (48), Kandidat der Draxlhamer Liste - „Pragmatische Lösungen finden“

    Welche konkreten Herausforderungen sehen Sie in den kommenden sechs Jahren auf die Kommunalpolitik in Warngau zukommen?

    Gillhuber: Bezahlbaren Wohnraum schaffen (leerstehende Gebäude, Speichernutzung); Kindergarten und Hort erweitern, zukunftsorientiert Räume schaffen (Sportraum); vernetzte Fahrradwege zum Beispiel Richtung Sportplatz; kommunale Ausschreibungen stärker regionalisieren.

    In welchen Bereichen sollte die Gemeinde in der nächsten Amtsperiode am dringendsten investieren?

    Gillhuber: Kindergarten und Hort erweitern, zukunftsorientiert Räume schaffen (Sportraum); Radwege ortszusammenführend planen; energieautarke Ortsteile entwickeln.

    Arten- und Naturschutz sind heiß diskutierte Themen. Was kann und soll die Gemeinde Warngau diesbezüglich tun?

    Gillhuber: Bei uns kümmern sich Gott sei Dank viele umweltbewusste Bürger und Bauern, Förster, Imker und so weiter um unsere Natur und Tiere, dadurch ist es bei uns noch so naturbelassen und lebenswert. Das ist über Jahrzehnte aufgebaut worden und sollte so erhalten bleiben. Da brauchen wir keine Greta-Thunberg-Gesellschaft, die alles in Frage stellt. Kombitierhaltung ermöglichen.

    Was liegt Ihnen als Bürgermeister besonders am Herzen?

    Gillhuber: Wassergenossenschaften erhalten und unterstützen, solide Finanzpolitik weiterführen, Aufgaben konstruktiv diskutieren und pragmatische Lösungen finden.

    Zur Person

    verheiratet, zwei Söhne (9 und 3), gelernter Landwirt, selbstständig, ehrenamtlicher E-Jugend-Trainer des SV Warngau und politisch interessiert. Einen Leitsatz hat Hans Gillhuber nicht genannt.

    Katrin Hager

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