Platz für Betriebe: Auf einer Wiesenfläche rechts neben dem Gewerbegebiet Birkerfeld (l., im Bild r. die Vivo) weist die Gemeinde das Birkerfeld II aus – und will dabei mehr auf ökologische Nachhaltigkeit achten.
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Platz für Betriebe: Auf einer Wiesenfläche rechts neben dem Gewerbegebiet Birkerfeld (l., im Bild r. die Vivo) weist die Gemeinde das Birkerfeld II aus – und will dabei mehr auf ökologische Nachhaltigkeit achten.

Planung soll nachhaltiger werden

Ein grünes Gewerbegebiet: Warngau weist Baugrund für Betriebe aus

  • VonKatrin Hager
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Bauland für Betriebe weist die Gemeinde Warngau am Birkerfeld bei Lochham aus. Das neue Gewerbegebiet soll aber nicht nur ökonomisch langfristig etwas bringen – sondern auch ökologisch nachhaltiger werden.

Warngau – Betonbunker an Betonbunker, umrahmt von Stellplätzen und Zufahrtstraße und vereinzelten Bäumchen: So sehen Gewerbegebiete klassischerweise aus. „Aus der Nummer müssen wir rauskommen“, sagt Bürgermeister Klaus Thurnhuber (FWG).

Die Gemeinde Warngau will einen nachhaltigeren Weg gehen. Der erste Entwurf dafür lag im Gemeinderat nun auf dem Tisch: mit viel Grün durchzogen, mit Baumreihen, die Straßen, Geh- und Radwege beidseitig säumen, und mit begrünten Dächern. „Das Ziel ist, ein nachhaltiges Gewerbegebiet zu entwickeln“, erklärte Planer Ludwig Hohenreiter von den Werkbureau Architekten, als er dem Gemeinderat den Vorentwurf für den Bebauungsplan vorstellte, der Baurecht schaffen wird.

„Das Ziel ist ein nachhaltiges Gewerbegebiet“

Auf rund elf Hektar östlich des bestehenden Gewerbegebiets bei Lochham entsteht die Erweiterung unter dem Namen Birkerfeld II. Trotzdem soll möglichst wenig Fläche versiegelt werden. Zum einen, indem die Bauparzellen gut ausgenutzt werden – mit Tiefgaragen, in denen die erforderlichen Stellplätze weitgehend verschwinden, und einer Wandhöhe von bis zu zwölf Metern bei drei Stockwerken auf großen Parzellen und zweistöckig mit acht Metern auf den kleineren Parzellen. Zum anderen, indem die Dächer begrünt werden.

Das neue Gewerbegebiet soll damit auch dem Klimawandel besser standhalten, indem es sich bei Hitze weniger aufheizt und die Folgen von Starkregen abmildert, der über die begrünten Dächer zeitverzögert abfließt. Mehr Grün steigere zudem die Aufenthaltsqualität, meint Thurnhuber: ein Plus für die Mitarbeiter, die an der Arbeitsstelle ja meist mehr Zeit verbringen als zu Hause – und ein Standortvorteil für Unternehmen, die um Fachkräfte buhlen. Aufgeständerte Solaranlagen sollen die Energie der Sonne nutzbar machen.

„Handwerkerhof“ im Zentrum angedacht

Bei den Zuschnitten der Parzellen will die Gemeinde möglichst flexibel bleiben. Es ist größtenteils eine Art modulweise Parzellierung vorgesehen: Die Grundeinheit beträgt 2500 Quadratmeter, die einfach auf 1250 geteilt oder auf 5000 zusammengefügt werden können, ohne dass die Erschließung problematisch würde. Die Gemeinde kann so auch über die Jahre, wenn sich das Gewerbegebiet allmählich füllt, eine größere Bandbreite anbieten. „Beim alten Gewerbegebiet war das nicht immer ganz einfach“, sagt Thurnhuber. Damit Firmengründer aus dem Handwerk leichter durchstarten können, ohne sich gleich ein Grundstück zu kaufen, ist ein „Handwerkerhof“ im Zentrum im Gespräch, in dem sie sich erst mal einmieten können. Auch drei Wohnhäuser sind angrenzend angedacht.

Bei einigen Gemeinderäten stießen die begrünten Dächer auf Skepsis. Hohenreiter versicherte auf Nachfrage Adolf Schwarzers (CSU), dass die Bauart ausgereift sei. Auf Vorschlag von Harald Stanke (FWG) wird die zulässige Dachneigung auf 15 Grad erhöht, um auch Satteldächer zu ermöglichen, die noch begrünt werden können, aber auch eine bessere Solarausbeute versprechen. Auf die Begrünung soll verzichtet werden können, wenn der Bauherr für einen entsprechenden Ökoausgleich auf dem eigenen Grundstück sorgt. Hans Gillhuber (Draxlhamer Liste) monierte, dass ein Handwerker mit fünf Mitarbeitern sich beim Geschäftsaufbau wohl keine Tiefgarage leisten könne. Thurnhuber hielt dagegen, dass Grund und Boden heute zu wertvoll seien: „Auf dem Quadratmeter muss mehr passieren.“ Auf Vorschlag Michael Spannrings (Grüne) wird aufgenommen, dass hochwasserangepasst gebaut werden soll.

Mit 16:1 billigte der Gemeinderat den Vorentwurf und schickte ihn in die Auslegung. Die entsprechende Flächennutzungsplanänderung hatte das Gremium einstimmig abgesegnet.

Einen Ladenhüter droht die Gemeinde nicht auszuweisen. „Wir werden 80 000 Quadratmeter verkaufbare Fläche haben“, erklärt der Rathauschef auf Nachfrage. „Anfragen wären schon für gut 90 000 Quadratmeter da.“ Freilich werde man das Klima nicht im Alleingang und mit einem neuen Gewerbegebiet retten. „Aber die eigene Nase ist die, die man als erstes erwischt“, sagt Thurnhuber.

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ag

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