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Endlich Schranken: Bahnübergänge nach jahrelangem Kampf der Gemeinde freigegeben

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Von: Katrin Hager

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Endlich Schranken: Bürgermeister Klaus Thurnhuber ist froh, dass an den Bahnübergängen bei Thann (Bild) und Lochham für mehr Sicherheit gesorgt ist. 
Endlich Schranken: Bürgermeister Klaus Thurnhuber ist froh, dass an den Bahnübergängen bei Thann (Bild) und Lochham für mehr Sicherheit gesorgt ist.  © Thomas Plettenberg

Viele Jahre hat die Gemeinde Warngau darauf gewartet: Am Mittwoch sind die neuen Bahnübergänge bei Thann und Lochham nach dem Umbau in Betrieb gegangen – mit den lang ersehnten Halbschranken, um die die Gemeinde schwer hatte ringen müssen.

Warngau – In normalen Zeiten hätte gestern womöglich ein kleiner Festakt stattgefunden. Das fiel angesichts Corona flach. Nichtsdestotrotz ein erfreulicher Tag für den Warngauer Bürgermeister: Die neu gebauten Schrankenanlagen an den beiden Bahnübergängen bei Lochham und bei Thann sind nach der Abnahme durch einen vom Eisenbahnbundesamt anerkannten Prüfsachverständigen offiziell freigegeben worden und am Mittwoch in Betrieb gegangen. „Das ist ein Meilenstein, weil wir uns so lange mit der Sicherheit an den Bahnübergängen befassen mussten und das bisher so schwierig war“, sagt Klaus Thurnhuber.

Nachdem es an den unbeschrankten Bahnübergängen auf Warngauer Gemeindegebiet immer wieder zu schweren, teils tödlichen Kollisionen von Zügen und Pkw kam, weil Autofahrer das Rotlicht übersehen hatten, versuchte die Gemeinde jahrelang, dort Schranken durchzusetzen – besonders ab 2011, nachdem im August zwei junge Männer am Bahnübergang Thann gestorben waren. Doch jedes Bohren blieb ohne Erfolg.

Jahrelanges zähes Ringen

Bei einem Ortstermin platzte dem Rathauschef deshalb sogar der Kragen. „Damals war ich noch jung“, sagt Thurnhuber heute mit einem Lachen. Damals war er stocksauer: Immer wieder kam seitens der DB Netz AG die Ansage, einen Bahnübergang nur aufzurüsten, wenn ein anderer ersatzlos geschlossen würde. Für die Gemeinde ein unmoralisches Angebot, auf das sie sich nicht einlassen konnte. „Diese Straßen sind asphaltiert und werden im Winter geräumt, weil sie genutzt werden“, betont Thurnhuber. „Man kann sie nicht einfach zurückbauen. Gerade im ländlichen Raum ist diese Infrastruktur doch wichtig.“

Der Gemeinderat beschloss 2018, plakativ jedes Jahr 500 000 Euro im Haushalt einzustellen – für das Drittel, das Kommunen damals an Baukosten für Bahnübergänge zu tragen hatten. 2019 holte die Gemeinde gar auf eigene Faust ein Angebot für einen Umbau ein. Tatsächlich ist die Gemeinde nun gänzlich aus den Kosten – nach Bahnangaben rund eine Million Euro pro Übergang – raus: Eine Neuerung im Eisenbahnkreuzungsgesetz trat zwischenzeitlich in Kraft, wonach sich Bahn, Bund und Bundesland die Kosten teilen – also der Freistaat statt der Gemeinde.

Erst die technischen Nachwehen eines neuerlichen Unfalls bei Thann brachten Bewegung in die Sache. Am 8. September 2020 wurde dabei ein Paar mit Baby schwer verletzt. Der Wagen der kleinen Familie war vom Zug ins Schalthäuschen geschleudert worden, die komplette Signaltechnik wurde zerstört. Mit weitreichenden Folgen: Das Schalthaus steuerte nicht nur die Signalanlagen bei Thann und Lochham, sondern auch die Schranken der vielfrequentierten Bahnübergänge in der Tegernseer und der Miesbacher Straße in Holzkirchen. Im Herbst 2020 mussten diese wochenlang von Hand bedient werden, ehe die Technik geflickt war; es kam zu langen Schließzeiten und in der Folge langen Staus auf den Hauptverkehrsachsen.

Verbindung mit Holzkirchner Übergängen ist aufgelöst

Ein Problem, das so nach dem Umbau nicht mehr auftreten soll: Die technische Verbindung der vier Übergänge wurde in zwei Duos aufgelöst. Die Übergänge Miesbacher und Tegernseer Straße in Holzkirchen hängen nun an einer gemeinsamen Steuerung, ebenso die Übergänge Lochham und Thann. Die Arbeiten waren im September gestartet, an den Übergängen Thann und Lochham waren unterdessen bereits mobile Schrankenanlagen aufgestellt worden.

An zwei der vier bislang unbeschrankten Bahnübergängen auf Warngauer Flur betseht noch Handlungsbedarf: dem bei Tannried am Sportplatz und dem an der Gemeindestraße nach Piesenkam. Dort stehen ebenfalls Umbauten an.
An zwei der vier bislang unbeschrankten Bahnübergängen auf Warngauer Flur betseht noch Handlungsbedarf: dem bei Tannried am Sportplatz und dem an der Gemeindestraße nach Piesenkam. Dort stehen ebenfalls Umbauten an. © Grafik: dak

Zwei weitere Bahnübergänge werden noch umgebaut

Das Projekt Sicherheit an Bahnübergängen ist mit dem gestrigen Tag in Warngau noch nicht abgehakt. Für zwei weitere noch unbeschrankte und kritische Bahnübergänge auf Warngauer Flur ist die Lösung aber auch aufs Gleis gesetzt. Zum „Bahnübergang Piesenkam“ in der Warngauer Gemeindestraße in Richtung Piesenkam sind die Planungen seitens der Bahn angelaufen. „Wir stehen mit der Gemeinde Warngau in Kontakt und noch am Anfang der Planungen“, teilte eine Bahnsprecherin auf Anfrage unserer Zeitung mit. Thurnhuber geht mit diesem Sachstand auch d’accord: „Es war von der Bahn klar kommuniziert, dass sie erst die beiden Bahnübergänge Thann und Lochham sowie die Holzkirchner Bahnübergänge abschließen will. Da war ja die ganze Technik zerstört.“

Die Arbeiten in der Piesenkamer Straße – und damit auch die Planung – werden deutlich aufwendiger: Es ist ein kreuzungsfreier Umbau vorgesehen, die Gemeindeverbindungsstraße soll die Bahngleise dort künftig unterqueren. Am Bahnübergang Tannried nahe dem Sportplatz sind derweil ebenfalls Halbschranken geplant. Auch dies für Thurnhuber eine neuralgische Stelle: „Dort fahren viele Jugendliche mit dem Radl zum Training.“

ag

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