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Der frühere Staatssekretär Wolfgang Gröbl zeigt auf seiner Terrasse am Schäfflerhof bei Bernloh Alben mit Erinnerungsfotos.

„Er war einer, der wusste, was er will“

Ex-Landrat Wolfgang Gröbl über Kohl

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Wolfgang Gröbl (76) arbeitete für Helmut Kohl. Gröbl war von 87 bis 98 Parlamentarischer Staatssekretär, im Umwelt-, Verkehrs- und im Landwirtschaftsministerium. Ein Gespräch.

-Herr Gröbl, können Sie sich an Ihr erstes Treffen mit Helmut Kohl erinnern?

Das war 1982, kurz nachdem er Kanzler wurde, bei einer Veranstaltung in der Wandelhalle in Bad Wiessee. Franz Josef Strauß stellte mich ihm vor. Kohl war sehr interessiert an Kommunalpolitik. Für mich war das ein sehr eindrucksvolles Erlebnis. Kohl war ein Mann mit Tatendrang und Führungsqualitäten und brachte das auch zum Ausdruck. Er war einer, der wusste, was er will.

-Wie kam es dann dazu, dass Sie unter Kohl Staatssekretär wurden?

Ich war damals Landrat in Miesbach und hatte nicht vor, mich für eine Position in Bonn zu bewerben. Dann wechselte unser Wahlkreisabgeordneter Franz Ludwig Schenk Graf von Stauffenberg ins Europäische Parlament, und unser Wahlkreis war verwaist. Es gab etliche Bewerber, und irgendjemand brachte meinen Namen ins Gespräch. Strauß sagte zu mir: „Du kritisierst doch immer die Bonner, mach’s doch mal selber.“

-So schnell ging das?

Nein. Am Faschingssonntag 1986 rief mich Strauß an, er sagte, er wolle zu mir nach Hause kommen. Er fragte, ob er jemanden mitbringen darf und sagte dann: „Ich bring den Helmut Kohl mit.“ Am Faschingsdienstag holte Strauß Kohl mit seinem Mercedes-Geländewagen am Flughafen ab, und die beiden fuhren zu mir. Ohne Chauffeur, Polizei oder Sicherheitsdienst.

-Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Wie ging’s weiter?

Wir machten bei uns Brotzeit, Strauß hatte einen Rollkragenpulli an, Kohl war ähnlich leger gekleidet. Dann hat mich Kohl um ein Gespräch unter vier Augen gebeten und mich gefragt, ob ich bereit wäre, nach Bonn zu gehen. Er wusste, dass ich gelernter Forstmeister bin und mir die Themen Umwelt und Umweltschutz nicht fremd waren. Er deutete an, dass er ein eigenes Bundesumweltministerium plane und dass er mich für eine Position in der Bundesregierung sehe. Im März 1987 verkündete Kohl, dass ich Parlamentarischer Staatssekretär im Umweltministerium werde.

- Hatten Sie zuletzt Kontakt zu Kohl?

Ich habe nie zum Küchenkabinett, also zum engsten Kreis Kohls, gehört. Aber er konnte sich immer auf meine Loyalität verlassen. Nach 1998 habe ich ihn noch ein paar Mal gesehen. Das letzte Mal bin ich ihm vor ein paar Jahren in Wiessee begegnet, wo Kohl zum Kuraufenthalt war.

-Kohl soll mit einem Staatsakt in Straßburg geehrt werden, und anschließend soll der Leichnam per Schiff über den Rhein zur Totenmesse gebracht werden. Sind Sie dabei?

Das weiß ich noch nicht. Ich muss mir anschauen, was im Einzelnen geplant ist.

Das Gespräch führte

Marlene Kadach.

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