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Männer in orange: Die bayerischen Müllmänner Hans Stieb (r.) und Andreas Haupt säubern den Strand von Copacabana mit Rechen. Sie waren im Rahmen der BR-Sendung „Mein Job – Dein Job“ fünf Tage zu Besuch in  Rio de Janeiro.

Ein besonderer Austausch

Die Feger von Copacabana: Warngauer Müllmänner in Brasilien 

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Die Müllmänner Hans Stieb und Andreas Haupt von der VIVO in Warngau lernten bei einem Austauschjob Rio kennen. Zeitgleich übernahmen zwei Brasilianer ihre Arbeit daheim.

Warngau/ Rio – Der Babyhut hätte ihm beinahe alles versaut. Die Arbeitskleidung war ähnlich. Orangene Hose, orangenes Oberteil. „Bis auf diesen saublöden Hut“, sagt Hans Stieb, er lacht. „Damit sieht man ja aus wie ein Kind, dem man einen Sonnenhut aufgesetzt hat.“ Mit dieser Kopfbedeckung leerte Stieb Mülltonnen in Rio de Janeiro aus, machte den Strand von Copacabana mit dem Rechen sauber. Vor laufender Kamera.

Zeitgleich sprangen die beiden brasilianischen Kollegen Vanilde und William (Mitte) für die Bayern in Warngau ein.

Stieb und sein Kollege Andreas Haupt leeren normalerweise 800 Mülltonnen täglich im Landkreis Miesbach. Sie arbeiten beim Kommunalunternehmen für Abfall-Vermeidung VIVO in Warngau. Jetzt stellten sie sich im BR-Format „Mein Job – Dein Job“ einer ungewöhnlichen Aufgabe: Sie tauschten ihren Arbeitsplatz zu Hause mit Kollegen aus Rio de Janeiro.

Der Weg nach Rio war gar nicht so leicht. Zunächst hatte das Filmteam bei der VIVO nachgefragt. „Viele Kollegen haben sich gemeldet“, erzählt Stieb. Daraufhin gab es ein Casting – und am Ende durften Stieb und Haupt mit. Anfang Februar stiegen die beiden ins Flugzeug. „Wir haben erst am letzten Tag erfahren, wo es hingeht.“ Als er das Reiseziel erfahren hat, überkamen Stieb gemischte Gefühle. „Im ersten Moment habe ich mich gefreut, dann war ich schockiert“, erinnert sich der Schlierseer. Angelockt hat ihn das schöne Wetter. Etwas abgeschreckt haben ihn die vielen Kilometer. Seine Frau aber ermutigte ihn schließlich: „Du wärst ja blöd, wenn du es nicht tun würdest“, sagte sie zu ihrem Mann. Und Stieb gehorchte.

Verschnaufpausen gab’s kaum. In Brasilien am Flughafen angekommen ging die Filmerei los. Die beiden fuhren zu ihrem brasilanischen Arbeitgeber, der sich um Müllabfuhr und Stadtreinigung kümmert. „Dann musten wir gleich aufi aufs Müllauto und wir sind einmal durch Rio gefahren“, erzählt Stieb. Sein erster Eindruck: „Eine Katastrophe, mit was für alten Maschinen die da arbeiten.“ Nichts mit Automatik, alles mit dem Hebel betätigen. „Aber am meisten hat uns die Hitze zu schaffen gemacht.“ Morgens um 10 Uhr zeigte das Thermometer 33 Grad an. „Man hat schon beim Nichtstun geschwitzt.“

Etwas geschwitzt hat Stieb dann auch, als er erfahren hat, wie es Rio mit der Mülltrennung hält: „Da hat man nicht gesehen, dass da irgendwas getrennt wird“, sagt der 38-Jährige. „Da wird alles auf einen Haufen geworfen – und rein ins Müllauto.“ Fleißig seien die Kollegen in Brasilien. Sie seien rund um die Uhr im Dienst, das ganze Jahr über. Einmal leerten die beiden Bayern Tonnen in einer Favela, einem der Armenviertel aus, in denen es zuweilen wegen der hohen Kriminalität sehr gefährlich werden kann. Angst hatte Stieb nicht. Denn die „Männer in orange“ genießen in Rio ein hohes Ansehen. „Weil sie alles so sauber halten.“ Jeder wolle dort so einen Job ergattern.

Übernachtet haben die Bayern bei ihren Dolmetschern. Zwischendurch blieb ein wenig Zeit für Spaß. „Wir haben denen die bayerische Bierkultur beigebracht“, scherzt Stieb. Das heißt: Wie kann man möglichst schnell ein Bier aus der Flasche trinkt, bevor es warm wird.

Eher kalte Verhältnisse fanden derweil Vanilde und William von der brasilanischen Müllabfuhr bei ihrem Gegenbesuch in Warngau vor, die für die beiden Bayern einsprangen. „Die sind erschrocken, weil sie noch nie Schnee gesehen haben“, erzählt Hermann Ulbricht von der VIVO, der die beiden betreut hat. Sie machten eine Schneeballschlacht und probierten sich im Langlaufen. „Die waren zünftig.“ Und sie waren begeistert von der modernen Technik der deutschen Müllautos. „William wäre am liebsten hiergeblieben.“ Aber das ging natürlich nicht.

Auch die Bayern mussten wieder zurück nach Warngau. „Obwohl uns der dortige Chef sofort eingestellt hätte“, sagt Stieb. Den „saublöden Hut“ hat Stieb übrigens mit nach Hause genommen. „Es liegt jetzt im Schrank“, sagt er. Als Erinnerung an Brasilien.

Die Sendung

„Mein Job – Dein Job“ mit den Warngauer Müllmännern läuft am Freitag, 19. Mai, um 20.15 Uhr im Bayerischen Fernsehen. Weitere Folgen mit anderen Austauschpartnern sind am 26. Mai, 2. Juni, 9. Juni und 16. Juni zur selben Sendezeit zu sehen.

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