Flügelmann S. (unten, rot) stößt in der Luft mit Formationsführer H. zusammen. Dabei wird dessen Tragfläche so stark beschädigt, dass die Maschine abstürzt. Der Flügelmann kann notlanden.
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Flügelmann S. (unten, rot) stößt in der Luft mit Formationsführer H. zusammen. Dabei wird dessen Tragfläche so stark beschädigt, dass die Maschine abstürzt. Der Flügelmann kann notlanden.

Heute vor zehn Jahren

Flugunglück von Warngau lässt sich nicht vergessen

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Es sollte ein unvergesslich toller Tag werden für den Motorfliegerclub Warngau, doch er endete mit einer Katastrophe. Heute vor zehn Jahren krachten zwei Flugzeuge bei der Flugshow des Vereins zusammen und stürzten ab. Einer der beiden Piloten starb. Eine Tragödie, die den Verein bis heute prägt.

  • Flugshow in Warngau am 18. September 2010 endet mit Katastrophe
  • Pilot (47) stirbt nach Zusammenstoß mit Flügelmann
  • Sechs Jahre Warten auf das Unfallgutachten
  • Verein lange Zeit unter Schock

Warngau – Wer dabei war, wird die Szene nie vergessen: Zwei Flugzeuge stoßen bei den Oldtimer-Flugtagen in Warngau in der Luft zusammen. Dabei wird vor den Augen der rund 6000 Zuschauer am Flugplatz in Warngau die Tragfläche des einen Oldtimers so stark beschädigt, dass die Maschine abstürzt. Ein Pilot kommt bei dem Absturz ums Leben. Das andere Flugzeug kann notlanden, der Pilot überlebt mit einem schweren Schock.

Ein langer Weg zurück zur Normalität

Heute, zehn Jahre nach dem Flugunglück, hat der Verein wieder zurück zur Normalität gefunden. Zumindest halbwegs. Die Narben von damals sind heute vielleicht nicht mehr so spürbar, aber sie sind immer noch da. „Das Ereignis gehört zum Verein“, sagt Vorsitzender Thomas Kniegl. „Es ist wie bei allen Schicksalsschlägen – man arrangiert sich. Aber es ist nicht vergessen.“

Der Formationsführer gerät in den Sturzflug.

Man habe viel geredet im Verein, sagt Kniegl. Viel diskutiert, viel analysiert und alles mehrfach Revue passieren lassen. „Und wir kommen immer wieder zu dem Ergebnis, dass wir alles im Vorfeld getan haben. Es war ein schlimmer Zufall, eine unglückliche Verkettung.“

Gutachten kommt zu „Verkettung von Fehlern“

Zu diesem Ergebnis kam auch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU), die im August 2016 – sechs Jahre nach dem Unglück – ihren Untersuchungsbericht veröffentlicht hatte. Aus deren Sicht war es eine Verkettung von Fehlern, die das Drama verursachte und Pilot Hannes H. im Alter von 47 Jahren das Leben kostete.

Der Gedenkstein zum Unglück vom 18. September 2010 wird immer noch gepflegt.

Geplant war damals ein Formationsflug mit Doppelloop, Kleeblatt-Formation und Fassrolle. Doch fünf Minuten nach dem Start rast Flügelmann Alex S. mit seiner Maschine von oben auf das Flugzeug seines Partners und Formationsführers H. zu. Um 16.49 Uhr kollidieren beide. Der Flieger von H., der aus dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen stammt, stürzt ab und prallt am Boden auf.

Keine Hinweise auf technische Defekte

Die Untersuchungen ergaben keine Hinweise auf technische Defekte, hieß es im Bericht. Und: „Das Wetter hatte keinen Einfluss auf den Unfallhergang.“ Die Schlussfolgerungen der BFU lauten: „Der Flugunfall ist darauf zurückzuführen, dass der linke Flügelmann nach Verlust des Sichtkontakts zum Formationsführer versuchte, sich in der Formation neu zu positionieren und dabei mit dem Formationsführer kollidierte.“ Dabei hätte S. „die Formation nach links verlassen müssen“. Auch sei der Vorführluftraum zu gewesen. Das hätten beide Piloten gewusst, aber keine Konsequenzen daraus gezogen. Eine Absage, so die Untersuchung, wäre besser gewesen. Allerdings sei beim Briefing davon keine Rede gewesen, hieß es damals seitens des Vereins.

Die Feuerwehr löschte das Wrack der abgestürzten Maschine. 

2016 belastete das Unglück den damaligen Vorsitzenden Alois Wiefarn immer noch sehr: „Wir wollten bloß eine wunderbare Veranstaltung durchführen.“ Heute will er sich dazu nicht mehr äußern: „Ich habe alles gesagt.“

Gedenkfeier im kleinen Kreis

Sein Nachfolger Kniegl, der 2010 als Kassier das Unglück miterlebt hat, sieht den Verein mittlerweile gefestigt. Seit damals gab es in Warngau aber keine Flugshows mehr. „Die Bereitschaft ist nicht mehr da.“ Was nicht nur am Unglück von 2010 liegt, sondern auch an den Rahmenbedingungen. „Die Auflagen werden immer mehr. Das ist für uns nicht mehr machbar.“

Zum Jahrestag plant der Verein eine Gedenkfeier im kleinen Kreis. Was bleibt, ist ein letzter Schleier, wie es zu dem Crash kommen konnte. „So ganz werden wir es nie wissen, weil wir einen nicht mehr fragen können.“

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