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Vor Gericht musste sich ein 29-Jähriger verantworten. 

Freispruch für 29-Jährigen - mutmaßliche Täterin nicht mehr in Deutschland 

Weggegangen – Platz gefangen

Ein Stuhl löste einen Streit in der Warngauer Asylbewerberunterkunft aus. Ein 29-Jähriger wurde freigesprochen, seine Verlobte, die mutmaßliche Täterin ist nicht mehr in Deutschland.  

Warngau – Ein Stuhl war der Auslöser für eine heftige Auseinandersetzung im Februar des vergangenen Jahres in einer Warngauer Asylbewerberunterkunft. Auf einem solchen saß eine junge Frau in der Küche der Unterkunft. Als sie aufstand, sich kurz aus dem Raum begab und wieder zurück kam, war der Stuhl belegt – von einem 26-jährigen Flüchtling aus Pakistan. Es kam offenbar zu Handgreiflichkeiten, die so weit gingen, dass sich die Frau nun mit ihrem Verlobten auf der Anklagebank des Miesbacher Amtsgerichts hätte wiederfinden sollen.

Doch aktuell lebt die 22-jährige Nigerianerin bereits nicht mehr in Deutschland, sodass sich nur der 29 Jahre alte Mann aus Nigeria verantworten musste – wegen gefährlicher Körperverletzung.

Der Angeklagte wies jedoch jede Schuld von sich und schilderte den Vorfall folgendermaßen: „Meine Verlobte saß in der Küche auf einem Stuhl, sah fern und bereitete das Abendessen zu“, erzählte er. Als die junge Frau nach kurzem Verlassen des Raumes wieder zurückkehrte, traute sie ihren Augen kaum. Da saß der Pakistani auf ihrem Stuhl. „Zu der Zeit war ich aber noch in meinem Zimmer“, erklärte der 29-Jährige vor Gericht. „Dann kam sie wütend zu mir und wollte mit mir in das Zimmer des Pakistani gehen.“ Das machten die Eheleute in spe dann auch. Im Zimmer will der Beschuldigte gesehen haben, wie sich seine Verlobte und der Pakistani immer wieder gegenseitig ohrfeigten.

In der Anklageschrift wurde nun aber auch der Verlobte selbst beschuldigt. Er soll dem 26-Jährigen, der als Zeuge vor Gericht aussagte, zwei Tritte gegen das Knie verpasst haben. „Ich habe zwar meine Verlobte verteidigt, handgreiflich geworden bin ich aber nicht“, meinte der 29-Jährige. Damals soll der Pakistani bei seiner polizeilichen Vernehmung aber genau das behauptet haben.

Doch plötzlich kam die Kehrtwende: „Er hat mich nicht getreten, sondern sich nur vor mir aufgebaut“, sagte der Pakistani nun. Als Amtsrichter Walter Leitner dem 26-Jährigen seine Aussage bei der Polizei vorhielt, meinte der nur, „dass es schon lange her ist und ich das nicht mehr weiß. Aber er hat mich nicht getreten“.

Getreten habe ihn die junge Frau zwar auch nicht, dafür habe sie ihm aber mehrere Ohrfeigen gegeben und ihn am Hals gekratzt. „Und das nur, weil sie unbedingt genau auf diesem einen Stuhl wieder sitzen wollte“, erinnerte sich der Zeuge nun. Der Pakistani selbst ist nach eigener Aussage aber nicht handgreiflich geworden, sondern immer nur vor der aufgebrachten Frau davon gelaufen.

Das Entscheidende an der Verhandlung war aber dereinvernehmliche Freispruch für den Beschuldigten. Denn eigentlich hätte seine Verlobte den Platz des 29-Jährigen auf der Anklagebank einnehmen müssen. Wo die 22-Jährige nun ist, weiß ihr Verlobter allerdings nicht. Zu ihrem derzeitigen Aufenthaltsort sagte er lediglich, „dass sie keine Lust mehr auf Deutschland hatte und jetzt vermutlich irgendwo in der Schweiz oder in Italien ist“.

Philipp Hamm

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