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Ein lang gezogenes Dorf: Die Mehrheit des Gemeinderats will den Ortsrand nicht nach Süden verschieben. Ein Bauwunsch bekam deshalb eine Abfuhr.

Gemeinderat Warngau gibt Bauwunsch einen Korb

Gremium entscheidet: Reitham soll nicht wachsen

Warngau – Der Bauwunsch eines Reithamers brachte allerdings eine lebhafte Diskussion über Für und Wider neuer Bauflächen in Dörfern auf. Doch der Gemeinderat bleibt hart.

Erst vor einiger Zeit hatte die Gemeinde das Dorf mit einem Bebauungsplan belegt. Die Zielrichtung allerdings war dabei nicht, Platz für neue Bebauung zu schaffen. Zwar will die Gemeinde Nachverdichtungen ermöglichen; an der DNA des Dorfs und seinem Grundriss sollte sich allerdings nichts ändern, so die Stoßrichtung. 

Doch nun flatterte dem Gremium wieder einmal ein Bauwunsch auf den Tisch: Josef Glockner beantragte, die Gemeinde möge am südlichen Ortsrand per Ortsabrundungssatzung ein Baugrundstück ausweisen, auf dem die Familie des Antragstellers ein Wohnhaus für den Eigenbedarf erichten will. Das Problem: Die anvisierte Fläche liegt auf der gegenüberliegenden Straßenseite, an der Westseite der Zufahrt zum Dorf, und knüpft dort nicht an die bestehende Bebauung an. 

Das kleine Mosaiksteinchen im Ortsbild könnte allerdings eine regelrechten Dominoeffekt zeitigen, warnte Bürgermeister Klaus Thurnhuber (FWG). Denn am bisherigen südlichen Ortsrand auf der betreffenden Straßenseite gibt es ebenfalls Begehrlichkeiten. Und denen könnte die Gemeinde nicht mehr entgegentreten, wenn sie den Ortsrand nach Süden auf Höhe des letzten Wohnhauses östlich der Zufahrt verschieben würde. Es entstünde eine klassische Baulücke. 

Für Thurnhuber kam eine Zustimmung deshalb nicht in Frage. „Da öffnen wir ein Baufenster, in dem Dinge passieren, die wir nicht mehr steuern können“, warnte er. „Ich würde Reitham nicht als Ort sehen, in dem wir uns baulich entwickeln sollten.“ Das hätte auch weitere Folgen: „Sobald wir die Siedlungspolitik zu sehr in die Außen-Ortsteile tragen, müssen wir uns auch um die Infrastruktur kümmern.“ 

Nicht alle Gemeinderäte standen den Bauwünschen so rigoros ablehnend gegenüber. „Wenn diese Grundstücke dann mit dem Warngauer Modell belegt würden, dann wäre ich sofort dafür“, meinte Lorenz Rinshofer (Bayernpartei). Max Bauer (FWG) empfand eine fortgesetzte Bebauung westlich der Dorfzufahrt keineswegs als Schreckensszenario: „Das passt doch symmetrisch zum Ortsbild, was soll daran so schlimm sein?“ Schließlich verteilen sich die Häuser in ganz Reitham beiderseits der Straßerl. „Das ganze Dorf ist so gestrickt.“

Reinhard Bücher (Grüne) haderte damit, dass der Bauwerber einfach Pech habe, weil er eben kein Landwirt sei. „Wenn er das wäre, könnte er sich auch sein Austragshäusl hinstellen.“ Allerdings könnte sich dafür eine andere Lösung auftunl, die Thurnhuber aufs Tableau brachte: eine kürzere Verschiebung der Ortsgrenze nach Süden, auf der Seite, auf der das derzeitige Wohnhaus der Antragsteller auch steht. Das Wohnhaus könnte dann ausgebaut werden. „Es kann nicht Ziel einer geordneten baulichen Entwicklung sein, dass man die Dörfer lässt, wie sie sind, und dann drum herumbaut.“ 

Die Mehrheit des Gemeinderats stand hinter dieser These: Das Gremium lehnte den Antrag mit 12:5 Stimmen ab.

Katrin Hager

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