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Original statt Kopie: Andrea Anderssohn, Spitzenkandidatin der Warngauer Grünen, v erzichtet auf Plakatwerbung. Für sie eine Erleichterung, weil „ich mir beim Spazierengehen dann nicht ständig selbst begegne“.

Orts- und Kreisverband

Grüne verzichten in Warngau auf Wahlplakate

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Viel Arbeit, viel Ärger, wenig Wirkung: Die Warngauer Grünen glauben nicht mehr an die Macht der Wahlplakate – und verzichten vor der Kommunalwahl darauf. Ein ungewöhnlicher Schritt.

Warngau – Sechs Wochen noch sind es noch bis zum Wahlwochenende – und das heißt: Die Plakatiertrupps der Parteien und Gruppierungen dürfen jetzt auch offiziell ausschwärmen und mit Gesichtern und Parolen um die Gunst der Wähler werben.

Die Warngauer Grünen spielen dieses Spiel nicht mehr mit. „Wir verzichten diesmal komplett auf Straßenplakate“, kündigt Gemeinderat Reinhard Bücher an. Der Kreisverband der Grünen zieht im Gemeindegebiet mit, wie Kreisvorsitzende Ulrike Küster erklärt. „Ich find’s eine gute Idee“, sagt Küster, „die mit Plakatierung verbundene Materialschlacht kann man schon einmal in Frage stellen.“ Anderswo im Landkreis werde es zwar Plakate der Grünen geben, aber Warngau könne durchaus ein Versuchsballon sein.

Plakate werden häufig verunstaltet oder zerstört

60 bis 70 Plakate verteilten die Warngauer Grünen vor vergangenen Wahlen in der Gemeinde. „Uns geht’s nicht um den finanziellen Aspekt“, betont Bücher. Ausschlaggebend sei der Frust darüber, dass Plakate immer häufiger mutwillig verunstaltet oder zerstört würden. „Zuletzt bei der Europawahl waren wir stark betroffen“, sagt Bücher. Generell könne beobachtet werden, dass „den abgebildeten Kandidaten und Kandidatinnen über Nacht gruselige Bärte wachsen oder Zähne ausfallen“. Auch ohne Verunstaltungen nehme der Wust an Wahlplakaten zu, sagt Bücher. „Unsere Gemeinde macht das nicht schöner, im Gegenteil.“

Kommunalwahl 2020: Alle Kandidaten im Landkreis Miesbach im Überblick.

Um die Entwicklung zu steuern, erlauben einige Gemeinden Plakatwerbung nur auf speziellen Holztafeln. Der Gemeinderat Warngau diskutierte im Vorjahr darüber, verwarf die Idee aber, weil dem Gremium die Herstellung und der Aufbau der Tafeln zu teuer war. Stattdessen wurde die bestehende Plakatierverordnung nachgeschärft. Bücher bezweifelt, ob das Wirkung zeigt. „Einzelne Gruppen halten sich halt nicht dran.“

Bürgermeisterkandidaten Anderssohn erleichtert über Plakatverzicht

Wie Anton Kaunzner von der Gemeindeverwaltung mitteilt, sei jede Gruppierung aufgefordert, sich die Vorgaben genau anzuschauen. Gebe es Verstöße, werde das in der Regel von der politischen Konkurrenz gemeldet. „Seitens der Gemeinde können wir nicht jeden Tag jemanden losschicken, der das kontrolliert.“ Falsch platzierte Plakate ziehe die Gemeinde ein. Zugelassen sind nur genau definierte öffentliche Flächen in Oberwarngau (Bahnhofstraße, Taubenbergstraße), in Osterwarngau (Dorfstraße), Lochham und Wall (Miesbacher Straße). Plakate an Bäumen und Masten, insbesondere an Straßenlampen, sowie Mauern und Verteilerkasten sind nicht gestattet.

Die Grünen klinken sich da jetzt aus – obwohl sie mit Andrea Anderssohn eine Bürgermeisterkandidatin im Rennen haben. „Wir zweifeln den Nutzen der Plakate ohnehin an“, sagt Anderssohn, „die Entscheidung fiel also gar nicht so schwer.“ Man konzentriere sich auf Flyer, die alle Haushalte bekommen, und auf drei Infoabende. Den Plakatverzicht empfindet die Spitzenkandidatin der Warngauer Grünen sogar als Erleichterung: „Ich wäre nicht glücklich, wenn ich in Warngau wochenlang Teil einer Dauerausstellung wäre und mir beim Spazierengehen ständig selber begegne.“

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