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Ein falsches Spiel treibt „Da Häuslschleicha“ Kacheriß (Klaus Kremmer, 2.v.l.) mit dem Owandler-Bauern (Markus Adomat, 2.v.r.) – zum Missfallen von Bauerstochter Agath (Elisabeth Mainwolf, l.) und Magd Flinserl (Annegrit Pötzinger, r.).

Theatergruppe in Wall zeigt Kömodie „Da Häuslschleicha“

Handfeste Action, Humor und Gefühl

Die Theatergruppe des Trachtenvereins Wall hat sich ein Herz gefasst und bringt ihre Vorstellungen, die schon für April geplant waren, doch noch auf die Bühne - zum Glück für die Zuschauer: „Da Häuslschleicha“ bietet handfeste Action, Humor und ein bisschen Gefühl.

Wall– Der Zuschauer ist gleich mittendrin. Da sitzen die beiden Frauen auf der Bühne, die Bauerstochter im Dirndl, die Magd im Männer-Stallgwand, und putzen gelbe Rüben und Porree. Während das Gemüse – und noch einiges mehr, das eigentlich nicht reingehört – nach und nach in den Suppentopf wandert, tobt in der Kuchl ein Machtkampf ums Schicksal des Owandler-Hofs. Mitten aus dem Leben geholt wirkt das neue Stück der Theatergruppe des Waller Trachtenvereins, „Da Häuslschleicha“. In bester Theatertradition werden auf der Bühne im Gasthof Mehringer große Themen des Lebens heruntergebrochen auf die kleine Welt eines Bauernhofs. Ein Stück, das mit klassischen Prototypen spielt und doch bleibt, was das Publikum erwartet: eine bäuerliche Komödie.

Die Theatergruppe hatte es sich nicht leicht gemacht. Eigentlich waren die Vorstellungen für April angesetzt. Doch in der Nacht zum Premierentag verunglückte ein junger Waller bei Ostin tödlich, die Gruppe sagte die Vorstellungen ab. Vor zwei Monaten dann raffte sie sich doch noch auf, die Saison nachzuholen, berichtet Vorsitzender Peter Huber. So schwierig die Umstände diesmal waren, so gut hat das Ensemble die Herausforderung gemeistert – und nebst dem verdienten herzlichen Schlussapplaus das Publikum auch zu Szenenapplaus hingerissen.

Auf der Bühne ist beim „Häuslschleicha“ einiges geboten. Gstanzlartig inszenierte Solopassagen und Interaktion mit dem Publikum, handfeste Action, Humor, etwas Gefühl. Und ein Titel-Antiheld, der alle Register zieht.

Für letzteres zeichnet Klaus Kremmer,der zum zweiten Mal die Spielleitung innehat, in der Rolle von Häuslschleicha Kacheriß persönlich verantwortlich: Sämtliche mimische Facetten spielt er ebenso treffsicher aus wie Stimmfarben. Einen passenden Mit- und Gegenspieler hat Kremmer in Markus Adomat als Owandler-Bauer. Der wäre eigentlich einer, dem man sein Pech mit dem Häuslschleicha vergönnen könnte. Doch Adomat gewinnt dem Bauern mit seiner Einfalt und Wehleidigkeit doch Sympathie ab – vor allem in der starken Szene, in der der Alkoholiker mit der Schnapsflasche ringt. So anrührend, dass es mucksmäuserlstaad wird im Saal, bleibt die Szene unterm Herrgottswinkel indes nicht lang: Der nächste Grund zum Lachen ist nie weit.

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Und schließlich ist der Bauer ja nicht der einzige, der darunter leiden würde, wenn der Häuslschleicha Erfolg hätte mit seiner Masche. Da sind ja auch noch die Bäuerin (Annelies Meßmer), die erst ganz froh ist, dass ihr Mann durch den Einfluss des zwielichtigen Heilers nicht mehr ins Wirtshaus zu Schnaps und anderen Weibern geht, sondern zum Beten und Wallfahren nach Allerheiligen. Bis sie merkt: „Da hamma uns a saubers Giftschlangerl ins Haus gholt!“ Dann wäre da Tochter Agath (Elisabeth Mainwolf), die den Kacheriß durchschaut hat und dem Vater gerade heraus sagt, was Sache ist – wofür der Häuslschleicha vom Bauern „a harte Hand für des Mensch“ fordert. Und dann sind da noch der Bilderbuchbazi Knecht Hartl (Marinus Fahrnbauer) und die resolute wie findige Magd Flinserl (Annegrit Pötzinger).

Die Groteske in drei Akten schießt dabei nie übers Ziel hinaus. Der schwarze Humor entspinnt sich im Detail – und im Happy End für die Hofbewohner.

Weitere Vorstellungen am Samstag und Sonntag, 10. und 11. November, um 20 Uhr im Gasthof Mehringer (Einlass und Bewirtung im Saal ab 19 Uhr). Karten zu acht Euro gibt es vorab in der Metzgerei Killer in Wall und im Gasthof Mehringer.

Katrin Hager

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