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Ein hanebüchenes Verwirrspiel nimmt seinen Lauf: Eine Szene aus dem Stück „Neurosige Zeiten“ der Brettlhupfer, das am Samstag im ausverkauften Trachtenheim in Wall Premiere feierte.

Brettlhupfer feiern umjubelte Premiere mit „Neurosige Zeiten“

In Wall regiert der Wahnsinn

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
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Wochen vor der Premiere waren die diesjährigen Vorstellungen der Waller Brettlhupfer ausverkauft, sodass bereits Zusatzvorstellungen angesetzt werden mussten. Und die Theatergruppe enttäuscht ihr Publikum nicht, hat die Premiere der Komödie „Neurosige Zeiten“ am Wochenende gezeigt.

Wall – Mit der irrwitzigen Komödie „Neurosige Zeiten“ weisen die Waller Brettlhupfer Theaternarrische in die „Psychiatrie Wall“ ein. Bei der Premiere blieben Schmerzen in den Lachmuskeln nicht aus und kein Auge trocken.

Die Waller Brettlhupfer haben es wieder mal geschafft. Die Laienschauspieler, die alle zwei Jahre mit einer Inszenierung nach professionellen Maßstäben von sich reden machen, warten mit der nächsten genialen Theaterproduktion auf. Schon im Vorfeld mussten Zusatzvorstellungen angesetzt werden für die „Neurosigen Zeiten“, die erstmals Ludwig Stürzer als Regisseur einläutete. Und die Brettlhupfer enttäuschen ihr Publikum nicht: So perfekt und dynamisch ist der Dreiakter nach Art einer Screwball-Komödie inszeniert. So pointiert sitzen die Witze, die Mimik und Gestik. So detailverliebt sind Bühnenbild, Kostüme, Maske und das organisatorische Drumherum, bis hin zum Programmheft in „Büld“-Zeitungsmanier und zur überdachten Bar vorm Trachtenheim, wo man Fanartikel erwerben kann. In Wall regiert der Wahnsinn – vor allem in der offenen Wohngruppe der Psychiatrie auf der Bühne.

Dort haust eine bunte Gemeinschaft: die sexsüchtige Agnes Adolon, zum Totlachen frivol dargestellt von Lisi Estner, der neurosenbehaftete Hans (Wolfgang Lippkau), stoisch und urkomisch in Zwangshandlungen verstrickt, die Stalkerin Marianne (Ulrike Mairinger), der Sozio-Phobiker Willi (brillant: Sepp Kloiber) und die manisch-depressive Künstlerin Desirée (Ursula Lippkau). Und alle hoffen auf Resozialisierung und Entlassung aus der Anstalt.

Diese leitet Dr. Dr. Ingo Schanz (Christian Selbherr), der kein Interesse hat, seine Klienten zu verlieren – vor allem nicht die reiche Agnes. Entsprechende Gutachten verfasst er für den Betreuungsrichter. Als Agnes’ Mutter, die bekannte Hotelmanagerin Cécile Adolon (Veronika Seestaller) ihren Besuch ankündigt, die nicht wissen darf, dass ihre Tochter wegen sexueller Übergriffe am Arbeitsplatz zwangseingewiesen wurde, nimmt ein hanebüchenes Verwirrspiel seinen Lauf, bei dem versehentlich eine Tuppertante (Sylvia Berghammer) tödlich verunglückt und wiederaufersteht, die Sozialpädagogin (Lisi Kalb) die Insassen zur Bastelstunde motivieren will und sich der gestalkte Schlagerstar Hardi Hammer (Michael Zehrer) und der „Büld“-Reporter (Steffi Stocker) in die WG einmieten.

Die Schauspieler verstehen es, durch das im perfekten Maß überzeichnete Spiel den bisweilen schlüpfrigen Wortwitz der 33-jährigen Autorin Winnie Abel aus Hessen umzusetzen und Bairisches einfließen zu lassen, ohne dass das Stück anstößig oder diskriminierend würde. Das Premieren-Publikum jedenfalls konnte sich vor Lachen nicht halten. Es jubelte, applaudierte, stampfte mit den Füßen und sang beim Happy-End mit Schlagerstar Hardi Hammer enthusiastisch mit.

Aufführungstermine sind am 5., 7., 11., 14., 21., 22., 25. und 28. April 2019 jeweils um 20 Uhr. Die Seniorenvorstellung findet am 13. April um 14 Uhr statt. Auf der Homepage des Theatervereins sind die Tickets ausgebucht. Restkarten gibt es mit Glück jeweils ab 19 Uhr an der Abendkasse.

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Ein Dorf macht Theater: Die Waller Brettlhupfer im Porträt 

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