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Björn und Ingrid Klaassen am Kap Farvel in Grönland

Warngauer Paar auf Kajak-Expedition in Grönland

Saiblings-Sushi in der Arktis

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Körperhygiene im eiskalten Wasser, gefährliche Situationen auf offenem Meer: ein Traumurlaub, finden Ingrid (52) und Björn (54) Klaassen aus Oberwarngau. Die Ergotherapeutin und der Forstingenieur schippern mit ihren Kajaks durch den Nordatlantik vor Grönland. Was sie daran reizt, erzählen sie im Interview.

Was verschlägt Sie aus dem beschaulichen Warngau ins unwirtliche Grönland?

Björn Klaassen: Uns locken vor allem die phänomenalen Eisberge, aber so unwirtlich ist es nicht. Die Landschaft erinnert an Norwegen und Island. Grönland ist zu 83 Prozent mit Eis bedeckt, aber die Küste von Süd- und Westgrönland ist weitgehend eisfrei. Im Süden wachsen sogar Kartoffeln. Tagestemperaturen von zehn bis 15 Grad sind normal. Wir hatten ein paar Nachtfröste, da haben wir heißes Wasser in unsere Trinkflaschen gefüllt und in unsere Daunenschlafsäcke gelegt.

Seit wann reisen Sie schon nach Grönland?

Björn Klaassen: Wir fahren seit 2014 jedes Jahr im Sommer für vier Wochen. Unser Plan ist, jedes Jahr weiter nach Norden vorzurücken, an der Westküste entlang. Die letzten zwei Jahre waren wir am Kap Farvel. Inzwischen liegen unsere Kajaks 180 Kilometer nördlich davon, in Narsaq, einer 1500-Seelen-Siedlung. Wir haben dort Freunde, in deren Scheune überwintern unsere Kajaks. Das Kajak ist die beste Art, Grönland zu bereisen. So kommt man in Gegenden, die man sonst nicht erreicht.

Sie hatten Buckelwale unter Ihren Kajaks. Keine Angst, die könnten Sie zum Kippen bringen?

Björn Klaassen: Natürlich ist das ein spannendes Gefühl. Aber da passiert nichts. Unser Eindruck ist, dass die Wale sehr sensibel sind und genau wahrnehmen, was über ihnen passiert.

Welchen Tieren sind Sie noch begegnet?

Björn Klaassen: Robben, Moschusochsen, Rentieren, Schneehühnern, Polarfüchsen und Schneehasen. Die Schneehasen sind auch im Sommer schneeweiß und deshalb gut zu sehen. Am witzigsten sind die Begegnungen mit Polarfüchsen. Die streifen ums Zelt und suchen was zum Fressen. 2017 waren Eisbären in unserer Gegend. Zum Glück haben sie uns in Ruhe gelassen.

Wovon ernähren Sie sich, abgeschnitten von der Zivilisation?

Ingrid Klaassen: Zuhause in Warngau haben wir einen Dörrapparat. Ich koche viel vor, trockne es und schweiße es ein. Zum Beispiel Linsensuppe, Chili con Carne, Lamm-Bohnen-Eintopf. Wenn man es essen will, gibt man Wasser dazu und lässt es auf dem Benzinkocher zehn Minuten kochen. In der Wildnis schmeckt das fantastisch. In der Natur findet man Heidelbeeren, Pilze, Thymian und essbare Glockenblumen. Außerdem haben wir immer eine Angel dabei.

Wie bereiten Sie die Fische zu?

Ingrid Klaassen: Wir machen ein Feuer und grillen sie. Wir haben aber auch schon Sushi mit frischem Saibling zubereitet. Ganz dünn aufgeschnitten. Dafür bringen wir extra Meerrettich aus Deutschland mit. Schmeckt superlecker.

Sehnen Sie sich während Ihres Urlaubs nach einer warmen Dusche?

Ingrid Klaassen: Natürlich! Ab und zu kriege ich eine warme Dusche in der Wildnis. Wir haben einen Wassersack, füllen warmes Wasser ein. Ansonsten springen wir ins kalte Wasser. Wir haben ein hundert Prozent abbaubares Waschmittel, das ist umweltverträglich.

Wie kalt ist das Wasser?

Ingrid Klaassen: Zwei bis drei Grad.

Wie rüsten Sie sich für Notfälle?

Björn Klaassen: Wir haben ein Satellitentelefon. Ein Freund schickt uns darüber jeden Morgen den Wetterbericht per SMS. Wenn man Etappen auf dem offenen Meer fährt, ist es gut zu wissen, wie sich das Wetter entwickelt. Aber nicht alles ist vorhersehbar. Gefährlich sind Strömungen, aufkommender Wind und Wellen. Einmal mussten wir wegen starken Windes an Land, hatten aber keine gute Landemöglichkeit. Da haben wir die Kajaks in eine kleine Felsspalte hochgezogen. Zwischen Schneewehe und Felsen haben wir uns ein Biwak gebaut. Das war besser als eine Überfahrt bei hohen Wellen. Noch besser ist es, gar nicht in eine solche Situation zu kommen.

Haben Sie sich in der Wildnis je einsam gefühlt?

Ingrid Klaassen: Nein. Wir genießen es, nichts und niemanden um uns herum zu haben. Kein Handyempfang. Das ist total entspannend.

Vortrag in Tegernsee

Die Warngauer Ingrid und Björn Klaassen berichten in einem Multimedia-Vortrag über ihre Kajak-Expedition in Grönland. Die Veranstaltung findet am Freitag, 15. März 2019, um 19.30 Uhr, im Alten Schalthaus, Carl-Miller-Weg 3 in Tegernsee statt. Karten (acht Euro) sollen vorab per Mail an
info@media-montana.de bestellt werden.

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