Eine Investition in Regionalität: Mandy und Hans Schäffler von der Initiative Biokalb Oberland haben auf ihrem Hof in Wall einen eigenen Zerlegeraum samt Kühlung und Verkaufsbereich neu gebaut.
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Eine Investition in Regionalität: Mandy und Hans Schäffler von der Initiative Biokalb Oberland haben auf ihrem Hof in Wall einen eigenen Zerlegeraum samt Kühlung und Verkaufsbereich neu gebaut.

„Ganze Wertschöpfung bleibt im Ort“

Initiative Biokalb Oberland: Alles ab Hof bei Familie Schäffler

  • vonKatrin Hager
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Fleisch direkt aus der Region: Darauf setzt die Initiative Biokalb Oberland im Kreis Miesbach. Die Familie Schäffler hat auf ihrem Hof nun eigens Räume für die Verarbeitung und Vermarktung ab Hof eingerichtet.

Wall – Das Echo war überregional positiv, und es war gewaltig, als sich im Herbst 2019 in der Ökomodellregion Miesbach zehn Betriebe aus Wall und Fischbachau zur Initiative Biokalb Oberland zusammenschlossen. Unter diesem Titel vermarkten sie seither das Fleisch von Kälbern, Färsen und auch mal einer Altkuh aus Bio-Haltung vor Ort in Eigenregie. Die Begeisterung war keine Eintagsfliege:

Gut eineinhalb Jahre später haben die zehn Landwirte einen treuen Kundenstamm. „Zwischen 150 und 200 Kunden kaufen bei uns ein, Zweidrittel davon regelmäßig“, berichtet Landwirt Albert Stürzer. Manche kommen sogar aus den Nachbarlandkreisen Tölz, München und Rosenheim. Auf Stürzers Hairerhof in Wall fand bisher immer der Verkauf statt. Wenn am Samstag, 15. Mai 2021, die nunmehr 14. Vermarktung ansteht, feiert aber eine neue Anlaufstelle ihre Premiere: Mandy und Johann Schäffler haben auf ihrem Hof in Wall eigens einen Zerlegeraum gebaut, der Zerteilung, Kühlung und Verkauf direkt vor Ort ermöglicht.

Bei Biokalb Oberland gibt es zwei Mastbetriebe. Dort werden die Tiere gemästet, bis sie nach zwei bis zweieinhalb Jahren als Färse oder Ochse schlachtreif sind. Einer davon ist der Hof der Schäfflers. Die Tiere für die Biokalb-Initiative werden nicht am Kälbermarkt gekauft, sondern sind Tiere, die bei der Milchviehhaltung quasi als Nebenprodukt anfallen, weil Rinder eben nur dann Milch geben, wenn sie einmal gekalbt haben.

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Auch der Hof der Schäfflers, der heute insgesamt 30 Kälber hält, war einmal ein Milchviehbetrieb. Nach der Übergabe 2013 konzentrierte sich Johann Schäffler aber eher auf sein Baugeschäft und die Forstwirtschaft als auf die kaum rentable Milcherzeugung. Bis vor zwei Jahren die Idee für Biokalb Oberland geboren wurde. Zwar kann der Betrieb mit seinen zwei Ammenkühen nicht alle Kälber aufnehmen, die in der Milchviehhaltung der Partnerbetriebe anfallen, aber viele eben doch.

Kein Transport, kein Stress

Etwa eine Färse oder ein Ochse pro Monat wird direkt auf dem Hof per Weideschuss durch die Metzgerei Killer geschlachtet. So müssen die Tiere keinen Transportstress mehr durchleben. Die Betriebe von Biokalb Oberland legen Wert auf qualitativ hochwertiges Fleisch, das allerdings seine Zeit zu reifen braucht. Zwei bis drei Wochen muss es abhängen. Doch dafür braucht es Kühlräume – ein Grund, warum Fleisch aus der industriellen Lebensmittelerzeugung nicht so lange abgehangen ist. Denn die Kühlkapazitäten sind ein Problem. Auch wenn die Initiative mit der Metzgerei Göttfert noch einen zweiten Partner-Metzger hat: „Jeder hat volle Kühlhäuser“, erklärt Schäffler. Und: „Die Metzger und Schlachtstätten werden immer weniger“, ergänzt Stürzer.

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So kam bei Familie Schäffler die Idee auf, einen eigenen Zerlegeraum mit Kühlung und Verkaufsraum zu bauen. Dafür ist ein Stück vom bisherigen Stall gewichen. Mehr als 40 000 Euro hat der Betrieb dafür investiert, ohne die viele Eigenleistung wären sicher noch einmal 20 000 Euro hinzugekommen, schätzt Schäffler. Nun ist alles fertig, der Zerlegeraum gefliest, mit Edelstahl verblendet und vom Veterinäramt abgenommen. In der Kühlung reift das Fleisch für die nächste Vermarktung. Die Betriebe aus der Initiative zahlen einen Beitrag für die Nutzung. Und am Samstag werden ein Kalb, eine Färse und eine Altkuh hier in Fleischpaketen verkauft. „Die ganze Wertschöpfung bleibt so im Ort“, sagt Stürzer.

Skandale und Corona kurbeln Nachfrage weiter an

Dass Corona die Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln noch einmal beflügelt hat, kann er nur unterschreiben. „Das hat noch mal einen Schub gegeben.“ Die Leute kochten einfach mehr daheim und kauften gerne ab Hof, wo viel Platz ist, glaubt der Waller Landwirt. „Und die Skandale um Tiertransporte und die Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen spielen uns in die Hände.“ Bei den Landwirten, die ihr Fleisch vor Ort direktvermarkten, kann man eben in den Stall oder auf die Weide schauen. „Das schätzen die Leute.“ Weidebasierte Mast und schonende Schlachtung spiegeln sich auch in der Qualität wider, ist Stürzer überzeugt. Und das schätzen auch die Stammkunden: „Das ist das Schöne daran, dass die Leute dann treu sind.“

Nähere Infos zur Initiative und ihren Vermarktungsterminen gibt es auf der Homepage des Verbunds.

ag

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