Seinen 80. Geburtstag feiert am heutigen Freitag Wolfgang Gröbl.
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Seinen 80. Geburtstag feiert am heutigen Freitag Wolfgang Gröbl.

Der Ex-Landrat und Staatssekretär

Interview zum 80. Geburtstag mit Wolfgang Gröbl: „Ich habe gerne Politik gemacht“

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Er war 15 Jahre Landrat und elf Jahre Mitglied im Kabinett Helmut Kohls. Am diesem Freitag feiert Wolfgang Gröbl aus Bernloh 80. Geburtstag. Ein Interview zum Runden.

Bernloh – Wolfgang Gröbl blickt auf eine lange politische Karriere zurück: Er war von 1972 bis 1987 Landrat des Landkreises Miesbach und von 1987 bis 1998 Mitglied des Kabinetts Helmut Kohls – als Parlamentarischer Staatssekretär im Umwelt-, Verkehrs- und zuletzt im Landwirtschaftsministerium. Am heutigen Freitag, 12. März 2020, feiert Gröbl, der am Schäfflerhof in Bernloh wohnt, seinen 80. Geburtstag. Im Gespräch verrät er, was seine schönsten Momente waren, was er bereut und wie er den Ruhestand verbringt.

Herr Gröbl, herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag. Wie begehen Sie den Tag in Corona-Zeiten?

Wolfgang Gröbl: „Vorschriftsmäßig still. Im Familienkreis, aber auf mehrere Zeitabschnitte verteilt. Es wird also auch kein gemeinsames, großes Foto geben. Obwohl meine Frau Anneliese eine exzellente Kuchen-Bäckerin ist, holen wir uns Kuchen aus dem Winklstüberl, weil ich nicht möchte, dass sie so viel Arbeit hat. Außerdem werde ich an das Grab meiner Eltern nach Fischbachau fahren. Um auch dort danke zu sagen.“

Sie blicken auf eine lange politische Karriere zurück. Sind Sie froh, dass Sie gerade in Pandemie-Zeiten kürzertreten dürfen?

Wolfgang Gröbl: „Ich habe gerne Politik gemacht und mich auch schwierigen Aufgaben gestellt. Aber ich beneide die aktuell Verantwortlichen nicht darum, diese weit reichenden Entscheidungen zu treffen. Das ist schon eine einzigartige Situation. Es geht um Menschenleben.“

Was war Ihr schönster Moment in all den Jahren an den Schalthebeln der Politik?

Wolfgang Gröbl: „Da gibt es viele schöne Momente. Ein besonderes Erlebnis war zum Beispiel, dass ich als Bonner Bundestagsabgeordneter und Regierungsmitglied die Wiedervereinigung begleiten durfte. Mir war es wichtig, Verständnis auf beiden Seiten zu schaffen. Da meine Mutter aus Nordhausen im Harz, einer Stadt in Thüringen, stammte, hatte ich einen Einblick in Ost und West. Schon in meiner Zeit als Landrat konnte ich Kreisräte, Bürgermeister und Landtagsabgeordnete – unter anderem Edmund Stoiber – zu einer Fahrt nach Leipzig und Dresden bewegen. Damals waren wir bei der Eröffnung des Leipziger Gewandhauses, eines berühmten Konzertgebäudes, dabei. Viele von uns waren zuvor niemals in der DDR gewesen.“

Gibt es auch etwas, was Sie heute bereuen?

Wolfgang Gröbl: „Ich überlege schon, welche Entscheidungen ich als Landrat falsch gemacht habe. Die eine oder andere Baugenehmigung würde ich heute anders machen. Das ging zum Teil richtig ins Persönliche. Ein Wirt aus Fischbachau zum Beispiel war mir – wohl nicht zu Unrecht – ein Leben lang beleidigt. Aber es gibt auch einiges, auf das ich stolz bin.“

Zum Beispiel?

Wolfgang Gröbl: „Dass ich mich in meiner ersten Kreistagssitzung als Landrat – damals war ich 31 Jahre alt – nicht habe überrumpeln lassen. Es ging um den Bayerischen Alpenplan, an dem ich vorher selbst mitgearbeitet hatte. Der damalige Bayrischzeller Bürgermeister wollte aber das Rotwandgebiet aus der Schutzzone rausnehmen lassen, um dort Skiabfahrten und Lifte zu errichten. Aber ich ließ mich nicht beirren. Und lud den Kreistag ein paar Wochen später zur Ortsbesichtigung ein, zu einem Fußmarsch vom Taubenstein bis zum Zipflwirt. Danach war die Mehrheit von meiner Auffassung überzeugt. Darüber freue ich mich heute noch.“

Und was treiben Sie im Ruhestand?

Wolfgang Gröbl: „Ich habe ein Stück Wald, das ich selbst bewirtschafte. Und seit meiner Kindheit gehe ich gerne auf die Jagd, ich bin Pächter eines Jagdreviers. Außerdem engagiere ich mich ehrenamtlich für einen Chor, den Lassus-Musikkreis München, wo ich seit 1972 Vereinsvorstand bin. Ansonsten bin ich dankbar, dass ich das alles noch erleben darf. Und freue mich auf die Tage, Wochen oder Jahre, die mir noch bleiben.“

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