Können stolz sein auf den neuen Kalender: Christine Hampel und Barbara Weingand
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Können stolz sein auf den neuen Kalender: Christine Hampel und Barbara Weingand

Juwele des Oberlands

Ein neuer Kalender zeigt Aquarelle von Höfen in Wall

  • Felicitas Bogner
    VonFelicitas Bogner
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Der neue Kalender mit Aquarellbildern der Waller Bauernhöfe ist fertig. Eigentlich war das Projekt erst nur für einen Kalender von 2021 gedacht. Doch die Idee zum 900-jährigen Bestehen von Wall kam so gut an, dass Initiatorin, Malerin und Historikerin in weitere Runden gehen.

Wall – Viele opulente Schnitzereien, verzierte Balkone und Blumen en masse: Das und vieles mehr macht die Waller Bauernhöfe aus. Zwölf davon wurden bereits in einem Kalender des noch laufenden Jahres verewigt. Weitere zwölf sind im Kalender 2022 dran.

Die künstlerische und historische Umsetzung dauerte einige Monate. Doch der Aufwand hat sich zumindest 2021 gelohnt. Immerhin waren die 200 Exemplare recht schnell vergriffen, wie Initiatorin Christine Hampel berichtet. Daher gingen Hampel, die Künstlern Christine Scharfen und die Hobby-Historikerin und ehemalige Grundschullehrerin Barbara Weingand nun in eine zweite Runde. Der Kalender für das bevorstehende Jahr 2022 mit Waller Bauernhöfen in Aquarell und ihrer spannenden Historie ist bereits fertig.

Schmucker Hof: Auch das Hupfauer-Anwesen in Wall (oben) ist im Kalender 2022 zu sehen. Künstlerin Christine Scharfen (Foto oben) malte die Höfe. Initiatorin Christine Hampel (l.) und Texterin Barbara Weingand freuen sich.

Ursprünglich ging es Hampel darum, einen Beitrag zur 900-Jahr-Feier ihrer Heimat Wall zu leisten. „Dazu musste es ja ob der Pandemie auch coronakonform sein“, erklärt Hampel auf Anfrage. Sie machte sich also auf die Suche, und schnell kam die Wallerin Barbara Weingand mit an Bord.

Die ehemalige Lehrerin befasst sich seit ihrer Pensionierung intensiv mit historischen Studien. So steuerte sie die geschichtlichen Texte bei. „Zum einen habe ich meine Aufzeichnungen aus der Dorfchronik verwendet“, berichtet Weingand. „Und ich habe im Staatsarchiv und im Archiv der Erzdiözese recherchiert.“ Denn nahezu alle Waller Höfe waren einst an das Kloster Tegernsee angebunden. Wieso? „So schön das Kloster auch gelegen ist, unmittelbar herum gab es nicht genug Platz für landwirtschaftlichen Erwerb“, erklärt Weingand. Damals wurden die Höfe dann weit ausgelagert. Die Bauern haben über den Landkreis verstreut gearbeitet und ihre Gilde erbracht“, berichtet die Wallerin. Im Zuge der Recherche hat sie sich auch mit den Familien unterhalten, die heute auf den Höfen leben.

Doch die wussten teilweise weniger als die Hobby-Historikerin selbst. „Die meisten waren total erstaunt, was für eine Historie ihr Hof mitbringt.“ Bei manchen sei rückzuverfolgen, dass seit über 300 Jahren die gleiche Familie darauf lebt und arbeitet.

Leben und arbeiten unter einem Dach, genau das beschäftigt die Eglhartinger Künstlerin Christine Scharfen seit vielen Jahren. Hampel habe sie auf einem Markt in Hermannsdorf angesprochen. So sei es zur Zusammenarbeit gekommen. Denn Scharfen hat bereits für die Ebersberger Region Aquarell-Kalender mit Bauernhöfen verfasst. Auch wenn sie selbst nicht auf einem Hof lebt oder aufgewachsen ist, hat das Thema sie schon immer gepackt. „Ich bin im Münchner Osten großgeworden. Als Mädchen fand ich es schon immer schlimm, zu sehen, wie so einmalige Höfe großen gleich aussehenden Reihenhäusern weichen mussten“, berichtet sie. Die Individualität und Schönheit der einzelnen Bauernhöfe habe sie immer fasziniert. „Hier im Miesbacher Land sind die Höfe dazu noch viel opulenter ausgestaltet, als es in meiner Heimat der Fall ist“, schwärmt sie. „Da hat das Oberland schon ein Juwel.“

Die Künstlerin Christine Scharfen

Pro Hof habe sie unterschiedlich lange zum Malen gebraucht. „Im Durchschnitt um die 20 Stunden.“ Eine Herausforderung seien vor allem die Schnitzereien an den Balkonen gewesen. „Das ist sehr detailreich“, meint sie. „Da musste ich mich manchmal selbst bremsen, wieder den Blick für das große Ganze zu bekommen.“ Zwei Radtouren habe sie zur Sichtung gemacht. „Einmal, um Fotos zu machen und mit den Besitzern zu sprechen, um die Arbeit beginnen zu können. Das war im Mai“, berichtet Scharfen. Später habe es noch eine Runde gegeben. Schließlich blühen erst im Sommer die vielen Blumen in den Balkonkästen: „Darauf legen die Landwirte ganz besonderen Wert“, weiß die Künstlerin. Gemeinsam sei allen Höfen, dass sie nach Osten ausgerichtet sind. Das komme auch von der klösterlichen Anbindung. „Die Kirchen sind auch nach Osten, also Richtung Jerusalem, aufgebaut“, weiß Weingand.

Hampel ist froh, um die gelungene Zusammenarbeit und um das coronakonforme Projekt, zur Würdigung des Jubiläums von Wall. Auch für kommendes Jahr ist das Trio schon in den Startlöchern. „Wir suchen weiter nach Motiven, jeder kann sich melden. Es können weitere Bauernhöfe sein oder auch Häuser“, ruft die Initiatorin zur Unterstützung auf.

Nähere Informationen

Anmeldungen für den neuen Kalender und Bestellungen für den Kalender 2022 (Preis: 26 Euro) sind bei Christine Hampel unter z 0 80 25 / 51 59 möglich.

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