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Derzeit vielerorts in Warngau nur gekocht genießbar: Leitungswasser.

Kolibakterien gefunden

Keime im Warngauer Trinkwasser: Landratsamt ordnet Chlorung an - Ursachensuche geht weiter

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Schlechte Nachricht für 250 Haushalte in Warngau: Nachdem in Proben erneut Keime nachgewiesen wurden, hat das Landratsamt am Freitag die Chlorung des Trinkwasser-Netzes angeordnet.

Update Freitag, 31. August:

Osterwarngau – Nun ist es amtlich: Das Leitungsnetz der Wasserversorgung Osterwarngau muss gechlort werden. Das teilte das Landratsamt am Freitag mit. Angeordnet hat die Behörde die Chlorung, nachdem in allen am Mittwoch entnommenen Wasserproben coliforme Keime nachgewiesen werden konnten. 

Am Montag beginne man mit der Chlorung, erklärt Karl Betzinger, Vorstandsvorsitzender der Wasserversorgung, auf Anfrage. Das Chlor werde an mehreren Stellen in kleiner Dosierung ins Wasser gemischt, um die Keime im gesamten netz abzutöten. Angesichts der Länge des Leitungsnetzes (sieben Kilometer) dauere es jedoch einige Tage, sagt die stellvertretende Landratsamtsprecherin Sophie Stadler, bis es sich verteilt hat. Die betroffenen Haushalte in Osterwarngau, Draxlham, Lochham müssen ihr Wasser daher weiterhin abkochen, „mindestens übers Wochenende“. 

Trinkbar ist das Wasser trotz Chlor. „Man riecht und schmeckt es, aber für den menschlichen Körper ist es unschädlich“, sagt Stadler. Fische vertragen es hingegen nicht. Aquarien sollten daher nicht mit dem gechlorten Wasser befüllt werden.

 Wie lange das Trinkwasser gechlort wird, steht nicht fest. Stadler: „Eine Woche mindestens.“ Die Dauer der Chlorung hänge auch davon ab, wie schnell die Ursache der Verunreinigung gefunden werde. Die Suche geht weiter.

Update, Mittwoch, 29. August: 

Osterwarngau – Leichtes Aufatmen bei der Wasserversorgung Osterwarngau: Die Proben vom Montag haben ergeben, dass eine Chlorung des Leitungsnetzes nicht dringend angezeigt ist. Weiterhin gilt aber für die 250 betroffenen Haushalte in Osterwarngau, Draxlham, Lochham und Thann die Abkoch-Anordnung, die bereits am vergangenen Freitag verfügt worden war. 

Das Trinkwasser ist laut der jüngsten Proben nicht mehr mit Kolibakterien (Escherichia coli oder E. coli) belastet. Es fanden sich zwar noch coliforme Keime, ebenfalls Fäkalkeime. Das Landratsamt, dessen Fachbereich Gesundheit, Betreuung und Senioren als Aufsichtsbehörde der Wasserversorger fungiert, verzichtet aber noch auf eine verbindliche Chlorungs-Anordnung. 

Landratsamt zu Bakterien im Wasser: „Wir warten die Ergebnisse weiterer Proben ab“

„Wir warten die Ergebnisse weiterer Proben ab“, begründete dies gestern die stellvertretende Behördensprecherin Sophie Stadler. Da aber auch bei coliformen Keimen gilt, dass im Trinkwasser absolut nichts nachzuweisen sein darf, ist eine offizielle Chlorungs-Anordnung nicht vom Tisch. Bei der Suche nach der Ursache der Verunreinigung sind die Verantwortlichen einen Schritt weiter. 

„Unsere Tief- und Quellwasserbrunnen waren und sind alle sauber“, sagt Karl Betzinger, Vorstandsvorsitzender der Wasserversorgung, gestern auf Anfrage, „das belegen die Proben vom Montag.“ Die Wasserprobe mit den Fäkalkeimen stammt aus einem Haus in Draxlham. Die Erreger sind womöglich zwischen dem Hochbehälter in Osterwarngau und Draxlham ins Leitungsnetz gelangt. 

Keime im Trinkwasser in Warngau - Ursachensuche geht weiter

„Wir hatten in Osterwarngau einen großen Rohrbruch“, sagt Betzinger, „da könnte die Verschmutzung passiert sein.“ Um die Ursache eingrenzen zu können, wurden gestern noch einmal drei Proben genommen: Am Hochbehälter, in Osterwarngau und in Draxlham. Diese Ergebnisse will das Landratsamt noch abwarten. Sollten die neuerlichen Proben sauber sein, liegt die Ursache der Verschmutzung wohl in dem Draxlhamer Haus, in dem die Probe mit den Keimen genommen worden war. „Ein altes Haus, vielleicht gibt’s da irgendwo Einträge“, sagt Betzinger. Die Abkoch-Anordnung für das gesamte Netz bleibt auf jeden Fall noch in Kraft. „Wir müssen drei saubere Proben hintereinander nachweisen, ehe die Anordnung aufgehoben wird“, erklärt Betzinger.

Ursprünglicher Artikel, Montag, 27. August: Wasser in Warngau muss abgekocht werden

Osterwarngau – Keime im Wasser, „das hatten wir noch nie“, sagt Karl Betzinger. Vorstandsvorsitzender der Wasserversorgung Osterwarngau eG. Umso mehr erschraken die Verantwortlichen der Genossenschaft, als sie am vergangenen Freitag die Ergebnisse der Routine-Beprobung auf den Tisch bekamen: Vier Einheiten Kolibakterien (Escherichia coli, abgekürzt E. coli) in 100 Milli-Liter (ml) fand das Labor – das sind vier Einheiten zu viel. Denn bei Trinkwasser ist der Gesetzgeber kompromisslos: Absolut kein Koli-Keim darf nachzuweisen sein.

Bestimmung gilt seit Freitag

Der Osterwarngauer Befund vom Freitag ließ dem Wasserversorger und dem Landratsamt (Fachbereich Gesundheit, Betreuung und Senioren) keine Wahl. Für die 250 Abnehmer gilt seitdem die Anordnung, das Trinkwasser abzukochen. Betroffen sind die Ortsteile Osterwarngau, Draxlham, Lochham und Thann.

Um alle Krankheitserreger sicher abzutöten, sollte man das Wasser sprudelnd aufkochen lassen. Beim Baden und Duschen besteht nur geringes Risiko. Zum Zähneputzen, so empfehlen Experten, nimmt man aber besser abgekochtes Wasser. Handzettel informierten die betroffenen Haushalte.

Ist ein Brunnen ausgetrocknet?

Bei „Escherichia coli“ handelt es sich um ein Darmbakterium; wird es nachgewiesen, zeigt das eine Verunreinigung mit Fäkalien an. Wie die Keime ins Osterwarngauer Wasser gelangten, ist unklar. „Alle vier Tiefbrunnen und die zwei Quellwasser-Brunnen auf dem Taubenberg werden beprobt“, sagt Betzinger. Er vermutet, dass die Pumpe eines Tiefbrunnens trocken fiel, etwas Sand zog – und damit auch die Keime.

Dass die Osterwarngauer Tiefbrunnen, die nur 16 Meter tief gründen, kein Wasser mehr finden, liegt am trockenen Sommer. „Der Grundwasserspiegel sinkt“, sagt Betzinger. Zwei der vier Förderstellen sind bereits außer Betrieb, die zwei verbliebenen schalten ebenfalls regelmäßig aus, damit Wasser „nachlaufen“ kann. „Es hat zu wenig geregnet“, stellt Betzinger fest.

Die Trockenheit ist auch an den Quellwasser-Brunnen am Taubenberg abzulesen: In der Regel sammeln sich hier jeden Tag 170 Kubikmeter, derzeit sprudeln nur kümmerliche 50 Kubik.

Lesen Sie auch aus dem Tegernseer Tal: Gerüchteküche kocht: Ostiner Schneekanonen schuld an gechlortem Wasser?

„Die Münchner Stadtwerke ziehen uns das Wasser weg“

Das Absinken des Grundwasserspiegels am Taubenberg führt der Genossenschafts-Vorsitzende aber auch auf den Durst der Landeshauptstadt zurück. „Die Münchner Stadtwerke ziehen uns das Wasser weg“, schimpft Betzinger, „drei Viertel des Taubenbergs gehören ihnen ja schon. Die betreiben hier Raubbau.“

Ausgerechnet im Hitzejahr trafen die Osterwarngauer zudem zwei größere Wasserrohrbrüche. „Bis zu 60 Kubik täglich haben wir verloren“, sagt Betzinger. Bei einem Tagesbedarf von 190 bis 220 Kubik ein schmerzlicher Aderlass. „Dabei investieren wir regelmäßig viel Geld in unser Leitungsnetz“. Sechs bis sieben Kilometer Rohre sind in Schuss zu halten.

Um solche „Wasserkrisen“ besser managen zu können, arbeiten die Osterwarngauer schon länger an einem Notverbund mit dem Wasserbeschaffungsverband Oberwarngau, einem weiteren von insgesamt sieben eigenständigen Trinkwasser-Versorgern in der Gemeinde. Die Rohre könnten eingefräst oder mit Spülbohrungen verlegt werden. „Wir brauchen aber die Erlaubnis der Grundstücksbesitzer.“ Die Option, die Tiefbrunnen tiefer zu treiben, wäre mit enormen Aufwand verbunden, da sensible Ton- und Lehmschichten, auf denen sich derzeit das Grundwasser staut, zu durchstoßen ist. „Wir müssten 70 oder 80 Meter runter“, sagt Betzinger.

Aktuell gilt es, die Kolibakterien aus den Leitungen zu bekommen. Sollten die gestrigen Proben den ersten Befund bestätigen oder weitere Verunreinigungen dokumentieren, dürfte das Landratsamt eine Chlorung anordnen. „Da werden wir wohl kaum drum herum kommen“, fürchtet Betzinger.

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